Die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen hat sich weiter verschlechtert. Laut aktueller Studie von Allianz Trade dauert es zunehmend länger, bis Firmen ihre Ausgaben durch Einnahmen aus Verkäufen wieder ausgleichen können. Gleichzeitig bleiben die Spielräume zur Gegensteuerung begrenzt.
Cash Collection Cycle steigt deutlich
Der sogenannte Cash Collection Cycle (CCC) lag in Deutschland im Jahr 2025 bei 79 Tagen und damit rund zwei Tage höher als im Vorjahr. Im Vergleich zu Westeuropa fällt der Unterschied besonders deutlich aus: Unternehmen hierzulande benötigen etwa 16 Tage länger, um ihr eingesetztes Kapital wieder zurückzuerhalten. Haupttreiber sind steigende Lagerbestände sowie längere Zahlungsfristen.
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Zahlungsziele verlängern sich
Die sogenannte Days of Sales Outstanding (DSO), also die durchschnittliche Zeit bis zum Zahlungseingang, stieg auf 55 Tage. Gleichzeitig erhöhten sich die Lagerzeiten, gemessen an den Days Inventory Outstanding (DIO), auf 58 Tage. Diese Entwicklung zeigt, dass Unternehmen zunehmend Kapital in Vorräten binden und Zahlungen später erhalten.
Begrenzter Spielraum bei Lieferanten
Zwar verlängerten sich auch die Zahlungsfristen gegenüber Lieferanten leicht, jedoch bleibt dieser Effekt begrenzt. Mit durchschnittlich 35 Tagen begleichen deutsche Unternehmen ihre Rechnungen deutlich schneller als der westeuropäische Durchschnitt. Dadurch fehlt ein wichtiger Puffer, um die Liquiditätsbelastung auszugleichen.
Weitere Verschlechterung erwartet
Für das Jahr 2026 prognostiziert Allianz Trade eine weitere Verschlechterung. Der CCC könnte auf rund 83 Tage steigen. Hintergrund ist die Kombination aus verzögerten Zahlungseingängen und weiter wachsender Lagerhaltung, die den Finanzierungsbedarf erhöht und die Anfälligkeit für Liquiditätsengpässe verstärkt.
Globale Entwicklung zeigt strukturellen Wandel
Auch weltweit ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. Unternehmen setzen verstärkt auf größere Lagerbestände, um ihre Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. Dieser Wandel von „Just-in-Time“ hin zu „Just-in-Case“ erhöht zwar die Sicherheit, bindet jedoch zusätzlich Kapital und belastet die Liquidität.
Balance zwischen Sicherheit und Liquidität
Die Studie verdeutlicht, dass Unternehmen künftig stärker zwischen Stabilität der Lieferketten und effizientem Kapitaleinsatz abwägen müssen. Steigende Lagerbestände bieten Schutz vor Unsicherheiten, verschärfen jedoch gleichzeitig den Druck auf Cashflows und Finanzierungsstrukturen.





