Deutschlands Drogeriemärkte entwickeln sich zunehmend zu ernsthaften Wettbewerbern im Lebensmittelhandel. Neue Daten von NIQ zeigen, dass immer mehr Verbraucher Lebensmittel in Drogerien kaufen – mit spürbaren Auswirkungen auf Supermärkte und Discounter.
Drogerien wachsen stärker als klassische Händler
Im vergangenen Jahr verzeichneten Drogeriemärkte wie Rossmann und dm, das zuletzt von YouGov zur beliebtesten Familien-Marke gewählt wurde, das stärkste Umsatzwachstum im stationären Lebensmittelhandel. Ein wesentlicher Teil dieses Wachstums entfiel auf Lebensmittelkategorien. Besonders bemerkenswert: Die Zugewinne stammen nicht nur von bestehenden Kunden, sondern auch von neuen Käuferhaushalten, die zuvor keine Lebensmittel in Drogerien gekauft hatten.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Wettbewerb um Einkaufsorte verschärft sich
Die Verlagerung von Einkäufen zeigt sich deutlich in den Daten. Ein Großteil der verlorenen Lebensmittelkäufe klassischer Händler wird inzwischen in Drogeriemärkten getätigt. Damit verschiebt sich der Wettbewerb zunehmend zwischen den Vertriebskanälen – trotz verstärkter Rabattaktionen im traditionellen Lebensmitteleinzelhandel.
Lebensmittel gewinnen an Bedeutung im Sortiment
Drogeriemärkte bauen ihr Angebot kontinuierlich aus und steigern den Anteil von Lebensmitteln am Gesamtumsatz. Die Entwicklung wird vor allem durch eine gestiegene Nachfrage getrieben, weniger durch eine massive Ausweitung der Verkaufsfläche. Besonders dynamisch wachsen Kategorien wie Backwaren, Fertigprodukte und Süßwaren. Auch bei Sortimentserweiterung durch Bio-Produkte nehmen die Drogerien Fahrt auf.
Veränderte Kundenbedürfnisse treiben den Trend
Der Erfolg der Drogeriemärkte basiert nicht allein auf dem Sortiment. Verbraucher schätzen vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis, insbesondere bei Bio- und Gesundheitsprodukten. Hinzu kommen exklusive Artikel sowie ein als größer wahrgenommenes Bio-Angebot. Diese Faktoren machen Drogerien für viele Konsumenten zu einer attraktiven Ergänzung zum klassischen Lebensmitteleinkauf.
Einkaufsverhalten wird kleinteiliger
Parallel dazu verändert sich das Einkaufsverhalten grundlegend. Statt großer Wocheneinkäufe verteilen Verbraucher ihre Besorgungen zunehmend auf mehrere kleinere Einkäufe. Die Zahl der Einkaufsakte steigt, während die Ausgaben pro Einkauf sinken. Damit gewinnen spezifische und spontane Einkaufsanlässe an Bedeutung.
Klassischer Großeinkauf verliert an Bedeutung
Der traditionelle Vorrats- oder Familieneinkauf verliert zunehmend an Relevanz. Stattdessen nehmen kleinere, zielgerichtete Einkäufe zu – etwa für einzelne Produktkategorien oder spontane Mahlzeiten. Diese Entwicklung schwächt die klassischen Stärken großer Verbrauchermärkte, insbesondere das One-Stop-Shopping.
Rabatte verlieren an Wirkung
Auch die Rolle von Promotions verändert sich. Obwohl der Anteil von Rabattaktionen im Lebensmittelhandel gestiegen ist, sinkt deren Effektivität. Klassische Sonderangebote reichen immer weniger aus, um Kunden zu binden oder neue Käufer zu gewinnen.
Neue Strategien im Handel gefragt
Für Händler wird es entscheidend, Angebote stärker an konkrete Einkaufsanlässe anzupassen. Je nach Situation unterscheiden sich die relevanten Produktkategorien, die Kunden zur Wahl eines Geschäfts bewegen. Wer diese sogenannten Trigger gezielt adressiert, kann sich im Wettbewerb besser positionieren.
Der Lebensmittelhandel steht damit vor einem strukturellen Wandel. Drogeriemärkte gewinnen an Bedeutung, während sich das Einkaufsverhalten der Verbraucher weiter fragmentiert. Für klassische Händler steigt damit der Druck, ihre Strategien neu auszurichten.






