Der Übernahmepoker zwischen GameStop und eBay gewinnt deutlich an Dynamik. Der US-Videospielhändler hat seine Beteiligung an dem Online-Marktplatz innerhalb weniger Wochen nahezu verdoppelt und hält inzwischen 9,8 Prozent der ausstehenden eBay-Aktien. Damit unterstreicht CEO Ryan Cohen, dass er trotz der bereits erfolgten Ablehnung seines milliardenschweren Übernahmeangebots nicht von seinen Plänen abrückt.
Wie aus einer aktuellen Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht hervorgeht, besitzt GameStop nun 43,4 Millionen eBay-Aktien. Die Beteiligung wurde sowohl durch den direkten Zukauf weiterer Aktien als auch durch die Ausübung zuvor gehaltener Optionspositionen aufgebaut, wodurch sich der Einfluss des Unternehmens erheblich erhöht hat.
Vom Investment zur strategischen Position
Bereits im Mai hatte Ryan Cohen den eBay-Verwaltungsrat mit einem unaufgeforderten Übernahmeangebot überrascht. Dieses bewertete den Konzern mit rund 56 Milliarden US-Dollar und sah eine Kombination aus Bargeld und Aktien vor. Damals lag die Beteiligung von GameStop lediglich bei etwa fünf Prozent.
In den folgenden Wochen wandelte das Unternehmen diese Position weitgehend in stimmberechtigte Aktien um. Zusätzlich wurden Millionen weiterer Anteile erworben und Optionsgeschäfte eingelöst, was die Beteiligung massiv ausbaute. Finanziert wurde der Schritt aus vorhandenen Mitteln, wodurch GameStop nun zu den größten Anteilseignern zählt.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Direkter Draht zu Investoren gesucht
Nachdem eBay das ursprüngliche Angebot klar zurückgewiesen hatte, passt Ryan Cohen offenbar seine Strategie an. Berichten zufolge führt er Gespräche mit wichtigen institutionellen Investoren und hat sein Beraterteam neu strukturiert.
Ziel dürfte es sein, Unterstützung unter den Aktionären zu gewinnen und damit Druck auf den Verwaltungsrat aufzubauen. Sollte dieser weiterhin ablehnend reagieren, könnte ein direkter Vorstoß über die Anteilseigner erfolgen und den Konflikt deutlich verschärfen.
Finanzierung bleibt zentrale Herausforderung
Trotz der offensiven Vorgehensweise bestehen weiterhin Zweifel an der finanziellen Umsetzbarkeit der Übernahme. Während GameStop eine deutlich geringere Marktbewertung aufweist, müsste ein Großteil des Angebots über Kapitalmaßnahmen und Fremdfinanzierung abgedeckt werden.
Geplant ist eine Mischung aus Bargeld und Aktien, ergänzt durch Eigenmittel des Managements sowie externe Finanzierungszusagen. Eine zentrale Bedingung bleibt jedoch die Kreditwürdigkeit des fusionierten Unternehmens, die von Analysten als anspruchsvoll eingeschätzt wird.
Unterschiedliche Ausgangslagen der Unternehmen
Strategisch argumentiert Cohen, dass eine Fusion einen stärkeren Wettbewerber im E-Commerce schaffen könnte. Zudem werden erhebliche Einsparpotenziale in Aussicht gestellt, die kurzfristig realisiert werden sollen.
Demgegenüber verweist eBay auf eine erfolgreiche Neuausrichtung der vergangenen Jahre. Der Fokus auf margenstarke Segmente hat die Marktposition gestärkt und die Unternehmensbewertung deutlich steigen lassen, was die ablehnende Haltung des Managements erklärt.





