Der Modehändler Primark reduziert ab sofort die Preise für Hunderte Bestseller aus den Bereichen Damen-, Herren- und Kinderbekleidung – teilweise um bis zu 29 Prozent. Die Maßnahme kommt zu einem strategisch wichtigen Zeitpunkt: Vor der geplanten Abspaltung vom Mutterkonzern Associated British Foods (ABF) bis Ende 2027 will das Unternehmen seine Marktposition stärken und das zuletzt schwächere Wachstum wiederbeleben.
Mit der Initiative unter dem Motto „Iconic Value“ setzt der irische Modefilialist bewusst auf sein traditionelles Kernversprechen: modische Kleidung zu besonders günstigen Preisen. Gleichzeitig investiert das Unternehmen nach eigenen Angaben in bessere Materialien, optimierte Passformen und eine höhere Produktqualität, um die Attraktivität des Angebots zu steigern.
Reaktion auf schwache Nachfrage
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund eines zunehmend herausfordernden Konsumumfelds. Zuletzt hatte das Unternehmen rückläufige flächenbereinigte Umsätze gemeldet und auf eine spürbare Kaufzurückhaltung in wichtigen Märkten verwiesen. Vor diesem Hintergrund will das Management gezielt Maßnahmen zur Umsatzsteigerung umsetzen, bevor die Abspaltung von ABF erfolgt.
Die nun angekündigten Preissenkungen gelten in allen Märkten, in denen Primark aktiv ist, und umfassen auch kommende Kollektionen. Einzelne Produkte werden deutlich günstiger angeboten, wodurch der Händler gezielt preissensible Kundengruppen ansprechen will.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Wettbewerb zwingt zu klarer Positionierung
Mit der Preisoffensive reagiert Primark auch auf den intensiven Wettbewerb im internationalen Modehandel. Vor allem digitale Anbieter haben den Preisdruck deutlich erhöht und die Erwartungen der Kunden verändert. Gleichzeitig wächst die Bedeutung eines attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnisses beim Kleidungskauf.
Das Unternehmen setzt daher stärker auf seine Rolle als preisaggressiver Anbieter und will diese Position auch in den Filialen sichtbarer machen. Neue Kennzeichnungen sollen Kunden gezielt auf besonders günstige Produkte aufmerksam machen und die Wahrnehmung als Discount-Anbieter stärken.
Vorbereitung auf Börsenabspaltung
Die Initiative steht im direkten Zusammenhang mit der geplanten Abspaltung vom bisherigen Mutterkonzern. Nach der Trennung sollen beide Unternehmen eigenständig an der Börse agieren, was eine klarere strategische Ausrichtung ermöglichen soll. Für Primark eröffnet sich dadurch die Chance, als eigenständiges Modeunternehmen stärker zu wachsen.
Mit einem Jahresumsatz in Milliardenhöhe und mehreren hundert Filialen zählt das Unternehmen bereits heute zu den wichtigsten Akteuren im europäischen Modehandel. Die geplante Eigenständigkeit erhöht jedoch den Druck, nachhaltiges Wachstum zu liefern.
Balance zwischen Preis und Profitabilität
Kurzfristig dürften die niedrigeren Preise die Margen belasten. Gleichzeitig setzt Primark darauf, durch höhere Verkaufszahlen und steigende Kundenfrequenz die geringeren Erlöse pro Produkt auszugleichen. Dieses Modell basiert auf einer klaren Volumenstrategie, die insbesondere in wirtschaftlich angespannten Zeiten greifen kann.
Ob die Maßnahmen ausreichen, um das Wachstum wieder anzukurbeln und Marktanteile zurückzugewinnen, bleibt abzuwarten. Mit der Kombination aus Preisoffensive, Qualitätsverbesserung und klarer Positionierung bereitet sich Primark jedoch gezielt auf die nächste Unternehmensphase vor.





