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Digitale Zwillinge: Wie Zalando seine Content-Produktion industrialisiert

Bufallo in einem 3D Scan von Allsides
Foto: Allsides / NVIDIA / Zalando

Key takeaways

Zalando setzt verstärkt auf digitale Produktzwillinge, um die Darstellung zu verbessern und Retouren zu reduzieren. Mithilfe von KI, 3D-Scans und GPU-Technologie entstehen aus einem einzigen Scan vielfältige Inhalte für Shop, Marketing und Augmented Reality.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Der Wettbewerb im Onlinehandel wird längst nicht mehr ausschließlich über Preis und Sortiment entschieden. Ebenso entscheidend ist die Qualität der digitalen Produktpräsentation. Während klassische Produktfotos für viele Warengruppen ausreichen, stoßen sie insbesondere bei Schuhen, Taschen oder Accessoires an ihre Grenzen. Materialbeschaffenheit, Form und Proportionen lassen sich nur eingeschränkt vermitteln – mit unmittelbaren Auswirkungen auf Kaufentscheidungen und Retourenquoten.

Vom Fotoshooting zum digitalen Zwilling

Vor diesem Hintergrund investiert Zalando konsequent in digitale Zwillinge. Die Berliner E-Commerce-Plattform setzt dabei auf eine vollständig automatisierte 3D-Produktionspipeline, die auf KI-gestützter Scan-Technologie der NVIDIA-gestützten 3D-Plattform von ALLSIDES sowie GPU-Beschleunigung basiert. Ziel ist es, aus einem einzigen hochauflösenden 3D-Scan sämtliche benötigten Marketing- und Shop-Inhalte zu erzeugen.

Bislang bedeutete jede neue Kampagne, jedes Format und oftmals sogar jeder Vertriebskanal zusätzlichen Produktionsaufwand. Unterschiedliche Produktbilder, Videos oder Marketingmotive mussten separat erstellt werden. Mit dem neuen Workflow genügt künftig ein einziger Scan. Innerhalb von rund sieben Minuten erfassen photometrische Scanner sämtliche geometrischen Eigenschaften, Materialien und Farben eines Produkts. Anschließend entsteht mithilfe beschleunigter Rekonstruktionsverfahren ein hochpräziser digitaler Zwilling, der automatisch in die interne ShopAR-Plattform übernommen wird.

Von dort aus lassen sich verschiedenste Inhalte automatisiert erzeugen: interaktive 3D-Produktansichten, klassische Produktbilder, Lifestyle- und Kampagnenmotive, Produktvideos sowie virtuelle Anproben mittels Augmented Reality. Das Prinzip lautet: „Scan once – use everywhere.“ Ein einziges digitales Asset dient sämtlichen Abteilungen – vom Produktmanagement über Marketing bis hin zu externen Markenpartnern.

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Technologische Grundlage der Pipeline

Im Zentrum der Produktionspipeline stehen leistungsfähige GPU-Infrastrukturen und spezialisierte Softwarelösungen. Ergänzt wird die Hardware durch moderne Rendering- und Rekonstruktionsverfahren, die eine physikalisch präzise Darstellung von Materialien und Oberflächen ermöglichen. Gleichzeitig entstehen aus den 3D-Modellen automatisiert fotorealistische Produktbilder, Videos oder neue Hintergrundszenarien, ohne dass zusätzliche Fotoshootings erforderlich sind.

Dadurch wird aus einem einzelnen Datensatz eine universell nutzbare Content-Basis, die sich für E-Commerce, Marketing und perspektivisch auch für generative KI-Anwendungen einsetzen lässt.

Skalierung auf industrielle Größenordnung

Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit, mit der die Technologie skaliert wird. Zwischen April und Dezember 2025 wurden bereits rund 10.000 Schuh-SKUs als digitale Zwillinge produziert. Für 2026 sind weitere 35.000 Modelle geplant. Insgesamt sollen damit rund 45.000 3D-Produktzwillinge verfügbar sein.

Auch wirtschaftlich verändert sich die Content-Produktion erheblich. Die Produktionskosten pro Scan sinken deutlich, während sich die Genauigkeit der Geometrie- und Materialerfassung signifikant erhöht. Der eigentliche Scanprozess läuft gegenüber klassischen Verfahren erheblich schneller ab. Die Zeit vom physischen Produkt bis zur vollständigen Bereitstellung sämtlicher Marketing-Assets beträgt dabei nur rund 48 Stunden.

Positive Effekte auf Conversion und Retouren

Für Zalando, das bereits seit 2025 mit digitalen Zwillingen arbeitet, steht jedoch nicht allein die Effizienzsteigerung im Vordergrund. Die hochwertigeren Produktdarstellungen zeigen messbare Auswirkungen auf das Nutzerverhalten. Kunden verbringen auf Produktseiten mit interaktiven 3D-Inhalten spürbar mehr Zeit, während Augmented-Reality-Anwendungen intensiver genutzt werden.

Besonders relevant ist die Entwicklung der Conversion: Die Add-to-Cart-Rate steigt bei Produkten mit erweiterten 3D-Darstellungen. Gleichzeitig verzeichnet das Unternehmen insbesondere im Schuhsegment einen Rückgang der Retouren, da Käufer Produkte realistischer einschätzen können. Gerade im margenschwachen Modehandel besitzen bereits wenige Prozentpunkte Verbesserung erhebliche wirtschaftliche Bedeutung.

Digitale Zwillinge als strategische Infrastruktur

Über die aktuelle Content-Produktion hinaus verfolgt Zalando eine langfristige Strategie. Die entstehenden digitalen Zwillinge bilden eine Datenbasis für zukünftige Anwendungen wie KI-generierte Produktfotografie, automatisierte Videoerstellung oder immersive Shopping-Erlebnisse in AR- und VR-Umgebungen.

Perspektivisch könnten dieselben Modelle auch für Logistiksimulationen oder weitere KI-Anwendungen genutzt werden. Für Zalando entwickelt sich der digitale Zwilling damit von einem Marketingwerkzeug zu einer strategischen Infrastruktur. Statt Inhalte für jeden Kanal separat zu produzieren, entsteht ein zentrales digitales Produktmodell, das sämtliche Ausgabekanäle bedient.

Mit dieser Entwicklung zeigt sich zugleich ein grundlegender Trend im E-Commerce: Produktdaten werden zunehmend zur eigentlichen Wertschöpfungsbasis. Wer hochwertige digitale Produktzwillinge effizient erzeugen kann, schafft bessere Einkaufserlebnisse, reduziert Produktionskosten und eröffnet neue Möglichkeiten für den KI-gestützten Handel der Zukunft.

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