Der australische Sportartikelhändler Accent Group hat das Übernahmeangebot der Frasers Group entschieden zurückgewiesen. Das Unternehmen bezeichnete die Offerte über rund 390,8 Millionen australische Dollar als „hochgradig opportunistisch“ und rief seine Aktionäre dazu auf, nicht auf das Angebot einzugehen.
Vorstand empfiehlt Ablehnung des Angebots
Das unabhängige Gremium des Accent-Verwaltungsrats sprach sich einstimmig dafür aus, das Angebot nicht anzunehmen und vorerst keine Maßnahmen zu ergreifen.
Frasers, bereits größter Anteilseigner, hatte 0,65 australische Dollar je Aktie für die Anteile geboten, die sich noch nicht in seinem Besitz befinden. Nach Einschätzung von Accent spiegelt dieser Preis jedoch weder den tatsächlichen Unternehmenswert noch die langfristigen Perspektiven wider.
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Kein Aufschlag auf den Börsenkurs
Ein zentraler Kritikpunkt ist das Fehlen einer Übernahmeprämie. Der gebotene Preis entspricht in etwa dem Schlusskurs vor Bekanntgabe der Offerte und liegt deutlich unter dem jüngsten Kursniveau von 0,74 australischen Dollar.
Darüber hinaus verweist Accent darauf, dass Frasers in der Vergangenheit deutlich höhere Preise für Aktien gezahlt habe – unter anderem im Rahmen einer Kapitalmaßnahme im Jahr 2025 sowie bei Börsenkäufen Anfang 2026.
Langfriststrategie wird nicht berücksichtigt
Nach Ansicht des Unternehmens ignoriert das Angebot die strategischen Wachstumspläne. Accent hatte erst im Mai seine „2030 Growth Strategy“ vorgestellt, die unter anderem Umsätze von mindestens 1,9 Milliarden australischen Dollar, eine EBIT-Marge von neun Prozent sowie ein Filialnetz von rund 950 Standorten vorsieht.
Aktionäre, die das Angebot annehmen, könnten laut Unternehmen von möglichen Wertsteigerungen im Zuge dieser Strategie oder von einem verbesserten Angebot profitieren.
Kritik an Zeitpunkt und Einflussnahme
Accent sieht auch den Zeitpunkt der Offerte kritisch. Diese sei in einer Phase konjunktureller Schwäche im Einzelhandel erfolgt und nutze die aktuell gedrückte Bewertung aus.
Zudem wirft das Unternehmen Frasers vor, seinen Einfluss weiter ausbauen zu wollen – unter anderem im Zusammenhang mit der gemeinsamen Sports Direct-Expansion in Australien und Neuseeland – ohne dafür eine angemessene Kontrollprämie zu zahlen.
Ein Vertreter von Frasers im Aufsichtsrat von Accent war aufgrund eines Interessenkonflikts nicht Teil des entscheidenden Gremiums.
Weitere Schritte angekündigt
Accent kündigte an, in einer offiziellen Stellungnahme weitere Details zur Bewertung des Angebots zu veröffentlichen und die Aktionäre über den Fortgang zu informieren.
Der Fall unterstreicht die zunehmenden Spannungen im internationalen Einzelhandel, in dem strategische Beteiligungen und Übernahmeversuche immer häufiger auf Widerstand stoßen – insbesondere dann, wenn Unternehmen ihre langfristigen Wachstumschancen als unterschätzt ansehen.


