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Heute bundesweite Warnstreiks im Handel: ver.di erhöht Druck

Schilder eines verdi Streiks in Berlin
Foto: Fotandy / depositphotos.com

Key takeaways

Neue Warnstreiks im deutschen Handel erhöhen den Druck im Tarifkonflikt. ver.di fordert sieben Prozent mehr Lohn, während Arbeitgeber auf schwierige wirtschaftliche Bedingungen verweisen. Eine Einigung erscheint vor den nächsten Verhandlungen weiterhin offen.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Der Tarifkonflikt im deutschen Handel spitzt sich weiter zu. Für Freitag, den 3. Juli, hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di erneut zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen. Der letzte bundesweite Streik fand Mitte Mai statt. Tausende Beschäftigte aus dem Einzelhandel sowie dem Groß- und Außenhandel sollen ihre Arbeit niederlegen. Mit zentralen Kundgebungen unter anderem in Dortmund, Berlin und Wiesbaden will die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeber vor den anstehenden Verhandlungsrunden erhöhen.

Aus Sicht von ver.di haben die Arbeitgeber auch nach zahlreichen Gesprächsrunden kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt. Die Gewerkschaft wirft den Arbeitgeberverbänden vor, die Tarifverhandlungen bewusst in die Länge zu ziehen und den Beschäftigten trotz hoher Lebenshaltungskosten lediglich Reallohnverluste anzubieten.

Gewerkschaft kritisiert Blockadehaltung

Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer spricht von einer gezielten Verzögerungstaktik der Arbeitgeber. Nach inzwischen mehr als 25 Verhandlungsterminen in allen 16 Tarifgebieten des Einzelhandels liege lediglich ein geringfügig verbessertes Angebot vor. Dieses sehe weiterhin sogenannte Nullmonate vor und bleibe nach Einschätzung der Gewerkschaft deutlich hinter der Preisentwicklung zurück.

In Nordrhein-Westfalen bieten die Arbeitgeber im Einzelhandel derzeit nach sechs Nullmonaten eine Tariferhöhung von 2,4 Prozent ab November 2026 sowie nach weiteren drei Nullmonaten zusätzliche 2,0 Prozent ab August 2027 an. Die vorgesehene Laufzeit von zwei Jahren lehnt ver.di ebenso ab wie die aus ihrer Sicht zu niedrigen Entgeltsteigerungen.

Auch im Groß- und Außenhandel sieht die Gewerkschaft keine Bewegung. Dort seien seit Beginn der Tarifrunde am 18. Mai bereits 35 Verhandlungstermine in 20 Tarifgebieten ohne verbessertes Angebot geblieben. Ver.di spricht daher von einer festgefahrenen Situation.

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Sieben Prozent mehr Lohn gefordert

Die Gewerkschaft fordert bundesweit deutliche tabellenwirksame Entgelterhöhungen. Im Mittelpunkt steht eine Lohnsteigerung von sieben Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Je nach Tarifgebiet kommen Mindestbeträge von 225 beziehungsweise 250 Euro monatlich hinzu. Außerdem verlangt ver.di höhere Ausbildungsvergütungen sowie Verbesserungen bei der Tarifbindung und den Arbeitsbedingungen.

Nach Auffassung der Arbeitnehmerseite sind diese Forderungen angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung der Branche gerechtfertigt. Trotz einer abgeschwächten Konsumkonjunktur hätten große Handelsunternehmen ihre Marktposition vielfach behauptet. Gleichzeitig steigt für viele Beschäftigte der finanzielle Druck durch höhere Mieten sowie Energie- und Lebensmittelpreise. Ver.di argumentiert daher, dass Tarifabschlüsse spürbar oberhalb der Inflation liegen müssten, um die Kaufkraft zu sichern.

Arbeitgeber verweisen auf schwierige Lage

Die Arbeitgeberverbände bewerten die Situation deutlich anders. Sie verweisen auf eine anhaltend schwache Konjunktur, steigende Kosten, rückläufige Investitionen und zunehmende Insolvenzen, insbesondere im Großhandel. Vor diesem Hintergrund seien die Gewerkschaftsforderungen wirtschaftlich nicht tragbar.

Nach Angaben der Arbeitgeber soll das zuletzt vorgelegte Angebot Planungssicherheit schaffen und gleichzeitig moderate Einkommenssteigerungen ermöglichen. Ver.di hält dagegen, dass die vorgesehenen Nullmonate und die lange Laufzeit den Beschäftigten faktisch weitere Reallohnverluste zumuten würden.

Entscheidung in den kommenden Wochen

Mit mehr als 5,2 Millionen Beschäftigten zählt der Handel zu den größten Arbeitgebern Deutschlands. Entsprechend hoch ist die Aufmerksamkeit für die laufende Tarifrunde. Für Verbraucher dürften die Auswirkungen der Warnstreiks regional unterschiedlich ausfallen, etwa durch Personalengpässe oder Verzögerungen in der Logistik.

Bereits Anfang der kommenden Woche setzen die Tarifparteien ihre Gespräche fort. Im Einzelhandel stehen am 6. Juli Verhandlungen in Hessen sowie Niedersachsen-Bremen an, im Groß- und Außenhandel folgt der nächste Termin am 10. Juli in Baden-Württemberg. Ob die Warnstreiks Bewegung in den Konflikt bringen, dürfte sich damit zeitnah zeigen.

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