Amazon baut seinen KI-gestützten Einkaufsassistenten Alexa for Shopping deutlich aus. Seit gestern stehen Kunden in den USA mehr als 100 zusätzliche Funktionen zur Verfügung. Damit können sie Einkaufslisten verwalten, Abonnements ändern, Lieferanweisungen aktualisieren und Fragen zu Zahlungen oder Rückerstattungen direkt über eine Unterhaltung mit der KI bearbeiten.
Die Erweiterung ist Teil der Strategie des US-Handelskonzerns, künstliche Intelligenz stärker in den gesamten Einkaufsprozess einzubinden. Alexa for Shopping soll künftig nicht nur Produkte empfehlen, sondern auch alltägliche Aufgaben innerhalb des Amazon-Kundenkontos übernehmen.
Mehr als 100 neue Funktionen für den Einkauf
Mit der Erweiterung entwickelt Amazon seinen Einkaufsassistenten von einer Produktsuche zu einem umfassenderen digitalen Servicewerkzeug. Nutzer können beispielsweise Einkaufslisten erstellen, vorhandene Einträge bearbeiten oder Produkte zwischen verschiedenen Listen verschieben.
Auch Geschenklisten für Feiertage, Hochzeiten oder die Geburt eines Kindes lassen sich künftig per Sprache beziehungsweise Chat organisieren. Die KI verarbeitet entsprechende Anweisungen und führt die gewünschten Änderungen innerhalb des Amazon-Kontos aus.
Damit sollen Kunden weniger einzelne Menüs und Einstellungsseiten aufrufen müssen. Stattdessen können sie ihre Anliegen in natürlicher Sprache formulieren.
Amazon unaufhaltsam
Abonnements und Lieferungen per KI verwalten
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf wiederkehrenden Bestellungen und Mitgliedschaftsprogrammen. Über Alexa for Shopping können Kunden ihre Subscribe-&-Save-Abonnements anpassen. Dazu gehört beispielsweise, die nächste Lieferung auszusetzen, ein Abonnement zu pausieren oder das Lieferintervall zu verändern.
Auch Informationen zu Amazon Prime und anderen Mitgliedschaften lassen sich abrufen. Der Assistent kann etwa erläutern, welche Prime-Vorteile verfügbar sind, welche Einsparungen innerhalb eines Jahres erzielt wurden oder wann sich ein Audible-Abonnement verlängert. Darüber hinaus können Nutzer Lieferanweisungen für hinterlegte Adressen ändern.
Die neuen Funktionen sollen insbesondere wiederkehrende Verwaltungsaufgaben vereinfachen und den Zugriff auf bestehende Kontodaten erleichtern.
Zahlungsfragen und Rückerstattungen im Chat klären
Amazon integriert zusätzliche Funktionen für die Bearbeitung von Zahlungs- und Abrechnungsfragen. Kunden können Alexa for Shopping beispielsweise auf eine unbekannte Kontobelastung hinweisen, ihr Geschenkguthaben abfragen oder den Bearbeitungsstand einer Rückerstattung überprüfen.
Der Assistent soll entsprechende Anliegen direkt innerhalb der Unterhaltung bearbeiten beziehungsweise die benötigten Kontoinformationen bereitstellen. Damit erweitert Amazon den Einsatzbereich seiner KI über die eigentliche Kaufentscheidung hinaus. Auch Vorgänge nach einer Bestellung werden zunehmend in die dialogbasierte Benutzeroberfläche eingebunden.
Die neuen Möglichkeiten stehen nach Unternehmensangaben ab sofort allen Amazon-Kunden in den USA zur Verfügung. Der Zugang erfolgt über das Alexa-Symbol in der Amazon-Shopping-App oder über die Desktop-Oberfläche.
Mehr als 400 Millionen Kunden nutzen Alexa for Shopping
Amazon verweist auf eine bereits hohe Nutzung seines KI-Einkaufsassistenten. Nach Unternehmensangaben haben innerhalb der vergangenen zwölf Monate mehr als 400 Millionen Kunden Alexa for Shopping verwendet.
Besonders stark wächst die Nachfrage nach sogenannten agentischen Funktionen. Die Zahl der Kunden, die solche Funktionen einsetzen, hat sich seit Jahresbeginn mehr als verachtfacht. Diese Anwendungen gehen über klassische Produktempfehlungen hinaus. Sie können beispielsweise Preisentwicklungen überwachen und bestimmte Einkaufsaktionen im Auftrag der Nutzer ausführen.
Bereits bisher ermöglichte Alexa for Shopping den Vergleich von Produkten, die Analyse einer bis zu zwölfmonatigen Preishistorie und personalisierte Geschenkempfehlungen. Mit der Auto-Buy-Funktion kann der Assistent zudem einen Artikel automatisch kaufen, sobald ein zuvor festgelegter Zielpreis erreicht wird.
Amazon treibt automatisierten Onlinehandel voran
Neben den neuen Kontofunktionen entwickelt Amazon weitere KI-Anwendungen für die Produktsuche und Einkaufsautomatisierung. Dazu gehören Benachrichtigungen über Produktneuheiten und wieder verfügbare Artikel sowie die automatisierte Ausführung wiederkehrender Einkaufsaufgaben.
Mit Amazon Lens und Lens Live können Kunden Produkte über die Smartphone-Kamera suchen. Die visuelle Suche soll passende oder vergleichbare Angebote identifizieren. Über Shop Direct ermöglicht Amazon außerdem die Entdeckung und den Kauf von Produkten anderer Onlinehändler.
Die zunehmende Verknüpfung dieser Dienste verdeutlicht den Wandel hin zum sogenannten Agentic Commerce. Dabei unterstützen KI-Systeme Verbraucher nicht nur bei der Informationssuche, sondern übernehmen auf Wunsch auch einzelne Schritte der Kaufabwicklung.
Für den Onlinehandel könnte diese Entwicklung die Bedeutung klassischer Such- und Navigationsprozesse verändern. Statt sich durch Produktseiten und Kontomenüs zu bewegen, könnten Kunden immer häufiger direkt mit einem KI-Assistenten interagieren.
Amazon stärkt mit den neuen Funktionen zugleich die Einbindung seiner Kunden in das eigene Handelsökosystem. Ob und wann die zusätzlichen Möglichkeiten auch außerhalb der USA eingeführt werden, teilte das Unternehmen zunächst nicht mit.






