Unternehmen könnten einen Teil ihrer durch künstliche Intelligenz eingesparten Arbeitsplätze künftig wieder besetzen müssen. Nach einer Prognose des Marktforschungsunternehmens Gartner werden bis 2029 rund 30 Prozent der Beschäftigten, die wegen KI entlassen wurden, erneut eingestellt. Dabei könnten für die Arbeitgeber sogar höhere Personalkosten entstehen.
Als Ursache sieht Gartner eine unzureichende Abstimmung zwischen KI-Investitionen, Personalentscheidungen und langfristigen Unternehmenszielen. Viele Organisationen würden Stellen abbauen, bevor sie ausreichend analysiert hätten, welche Aufgaben künftig tatsächlich automatisiert werden können.
Nur 19 Prozent verfügen über effektive Personalplanung
Eine Gartner-Befragung unter 297 Personalverantwortlichen aus dem Juli 2026 zeigt erhebliche Defizite bei der strategischen Personalplanung. Lediglich 19 Prozent der untersuchten Organisationen verfügen demnach über Verfahren, mit denen sie veränderte Arbeitsanforderungen, den Einfluss von KI und den künftigen Personalbedarf wirksam miteinander verbinden können.
Gleichzeitig verweist Gartner auf wirtschaftliche Vorteile einer systematischen Planung. Unternehmen mit effektiven Verfahren erreichen mit 1,4-mal höherer Wahrscheinlichkeit ihre Umsatzziele über Plan und übertreffen mit 1,5-mal höherer Wahrscheinlichkeit ihre Kostenziele.
Die Ergebnisse wurden auf dem Gartner HR Symposium/Xpo in Orlando vorgestellt. Dort präsentierte das Beratungsunternehmen auch ein neues Konzept für die Personalplanung im KI-Zeitalter.
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Personalabbau erfolgt häufig vor der Aufgabenanalyse
Nach Einschätzung von Gartner orientieren sich viele Unternehmen weiterhin an bestehenden Stellenprofilen und Mitarbeiterzahlen. Anschließend prüfen sie, welche Tätigkeiten durch KI ersetzt werden könnten, und leiten daraus mögliche Personaleinsparungen ab.
Dieser Ansatz berücksichtigt jedoch nicht ausreichend, ob eine technisch mögliche Automatisierung auch wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll ist. Zudem können steigende Kosten für KI-Systeme dazu führen, dass Unternehmen ihre Investitionen auf ausgewählte Geschäftsbereiche konzentrieren.
Gartner empfiehlt deshalb, zunächst die strategisch wichtigen Aufgaben und deren künftigen Umfang zu bestimmen. Erst danach sollte entschieden werden, welcher Anteil von Beschäftigten und welcher von KI-Systemen übernommen werden kann.
Neues Planungsmodell umfasst fünf Schritte
Das vorgestellte Konzept beginnt mit der Identifizierung jener Fähigkeiten, die für die Umsetzung der Unternehmensstrategie besonders wichtig sind. Darauf aufbauend sollen Betriebe den künftigen Arbeitsbedarf und die erforderlichen Kapazitäten prognostizieren.
Anschließend wird geprüft, welche personellen Ressourcen und KI-gestützten Möglichkeiten verfügbar sein werden. Bestehende Lücken sollen anhand von Kosten, Risiken und Umsetzungsgeschwindigkeit bewertet werden.
Abschließend sieht das Modell verbindliche Entscheidungs- und Finanzierungsprozesse vor. Damit sollen Investitionen in Beschäftigte und Technologien gezielt auf die wichtigsten Unternehmensanforderungen ausgerichtet werden.
Gartner empfiehlt schrittweise Einführung
Personalabteilungen sollten das neue Planungsverfahren zunächst in ein oder zwei strategisch wichtigen Geschäftsbereichen erproben. Die gewonnenen Erfahrungen könnten anschließend für eine breitere Einführung genutzt werden.
Durch die stärkere Orientierung an konkreten Arbeitsaufgaben sollen Unternehmen ihren künftigen Personalbedarf präziser bestimmen. Gleichzeitig könnten sie vermeiden, Beschäftigte vorschnell zu entlassen und später zu höheren Kosten zurückholen zu müssen.
Die Gartner-Prognose verdeutlicht damit ein mögliches wirtschaftliches Risiko unkoordinierter KI-Einführungen. Entscheidend für den langfristigen Nutzen der Technologie ist demnach nicht allein die Automatisierung bestehender Tätigkeiten, sondern deren Einbindung in eine vorausschauende Personalstrategie.






