Amazon erweitert sein Lebensmittelgeschäft in Deutschland und bietet seit Ende Oktober 2026 die taggleiche Zustellung frischer und tiefgekühlter Produkte an. Der neue Same-Day-Service. der im Heimatmarkt USA massiv ausgebaut wird, startet in ausgewählten Postleitzahlgebieten von Frankfurt, Köln und München. Kunden können Lebensmittel direkt über Amazon.de oder die reguläre Shopping-App bestellen und mit anderen Artikeln in einem Warenkorb kombinieren.
Damit verschärft der Onlinehändler den Wettbewerb mit Supermarktketten und spezialisierten Lebensmittellieferdiensten. Im Mittelpunkt steht die Verbindung des täglichen Einkaufs mit Amazons bestehender Handelsplattform und Logistikinfrastruktur.
Frische Lebensmittel im regulären Amazon-Sortiment
Das neue Angebot umfasst Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Backwaren und Tiefkühlartikel. Die Produkte erscheinen in der normalen Amazon-Suche und lassen sich gemeinsam mit Haushaltswaren, Elektronik oder Drogerieartikeln bestellen.
Ein zusätzlicher Bestellprozess oder eine separate Anwendung ist nicht erforderlich. Amazon will damit den Einkauf vereinfachen und seine Plattform stärker für regelmäßig benötigte Produkte etablieren.
Gerade die häufige Nachfrage nach Lebensmitteln bietet dem Konzern die Möglichkeit, bestehende Kundenbeziehungen auszubauen und zusätzliche Bestellungen zu gewinnen.
Amazon unaufhaltsam
Prime-Mitglieder profitieren von günstigeren Liefergebühren
Amazon verknüpft den Lebensmittelservice eng mit seinem Prime-Abonnement. Bei einem vierstündigen Lieferfenster zahlen Prime-Mitglieder ab einem Bestellwert von 29 Euro keine Zustellgebühr. Unterhalb dieser Grenze werden laut Amazon 3,99 Euro berechnet.
Ohne Prime-Mitgliedschaft kostet die Lieferung innerhalb von vier Stunden unabhängig vom Warenwert 9,99 Euro.
Für ein zweistündiges Zeitfenster zahlen Prime-Kunden bei Bestellungen ab 29 Euro 2,90 Euro, bei kleineren Einkäufen 4,90 Euro. Nichtmitglieder müssen hierfür jeweils 10,99 Euro entrichten.
Die Gebührenstruktur soll insbesondere regelmäßige Einkäufe über Prime attraktiver machen. Ob sich das Angebot gegenüber klassischen Supermärkten auch bei den Produktpreisen behaupten kann, bleibt abzuwarten.
Zusätzlicher Wettbewerb für Rewe, Picnic und Supermärkte
Mit dem neuen Service trifft Amazon auf etablierte Handelsunternehmen und spezialisierte Onlineanbieter. Während Rewe eigene Liefer- und Abholangebote betreibt, setzt Picnic auf geplante Liefertouren.
Amazon kann dagegen auf seine bestehende Kundenbasis, digitale Reichweite und ein umfangreiches Nonfood-Sortiment zurückgreifen. Der gemeinsame Warenkorb könnte den Anreiz verringern, Lebensmittel bei einem separaten Anbieter zu bestellen.
Ein flächendeckender Wettbewerb mit dem stationären Lebensmittelhandel entsteht allerdings noch nicht. Der Service ist zunächst auf begrenzte Liefergebiete in drei Großstädten beschränkt.
Kühlkette und Zustellkosten bleiben Herausforderungen
Die Auslieferung verderblicher Lebensmittel stellt höhere Anforderungen an Lagerung und Transport als der Versand gewöhnlicher Handelswaren. Kühlpflichtige Produkte benötigen geeignete Temperaturbedingungen, während kurze Lieferfenster die Zustellung zusätzlich erschweren.
Amazon setzt nach eigenen Angaben auf temperaturkontrollierte Prozesse, Qualitätsprüfungen und isolierte, recycelbare Verpackungen.
Wirtschaftlich entscheidend wird sein, ob ausreichend große Bestellmengen und eine hohe Lieferdichte erreicht werden. Angaben zur Rentabilität des neuen Angebots liegen bislang nicht vor.
Bestehende Logistik soll weiteres Wachstum ermöglichen
Amazon verweist auf seine bereits umfangreiche Schnelllieferinfrastruktur. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nach Unternehmensangaben mehr als 500 Millionen Prime-Artikel am selben oder folgenden Tag zugestellt.
Die reguläre Same-Day-Lieferung steht inzwischen in über 70 deutschen Städten zur Verfügung. Diese Infrastruktur bildet eine wichtige Grundlage für die Ausweitung des Lebensmittelgeschäfts, muss jedoch um geeignete Frischelogistik ergänzt werden.
Weitere Metropolregionen sollen in den kommenden Wochen folgen. Konkrete Standorte und verbindliche Einführungstermine wurden bislang nicht genannt.
Amazon will größeren Anteil am täglichen Einkauf
Der Ausbau des Lebensmittelangebots ist Teil einer breiteren Strategie, Amazon stärker als Einkaufsplattform für den täglichen Bedarf zu positionieren.
Für 2027 kündigt das Unternehmen Investitionen von mehr als 16 Milliarden Euro in Deutschland an. Diese betreffen verschiedene Geschäftsbereiche, darunter Logistik, Cloud-Technologie und künstliche Intelligenz. Ein gesondertes Investitionsvolumen für den neuen Lebensmittelservice wurde nicht ausgewiesen.
Ob sich die taggleiche Frischelieferung langfristig durchsetzt, hängt insbesondere von Warenverfügbarkeit, Preisniveau, Lieferqualität und Wirtschaftlichkeit ab. Für den deutschen Lebensmittelhandel bedeutet der Markteintritt dennoch zusätzlichen Wettbewerbsdruck im digitalen Vertrieb.





