Der weltgrößte Einzelhändler Amazon sieht sich mit einer Sammelklage konfrontiert, die weitreichende Folgen für den US-amerikanischen Online-Handel haben könnte. Verbraucher werfen dem Konzern vor, Preisaufschläge infolge von Trump-Zöllen kassiert, nach deren gerichtlicher Aufhebung jedoch nicht an Kunden zurückgegeben zu haben.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wurden die Klage nun vor einem Bundesgericht in Seattle eingereicht. Nach Angaben der Kläger soll Amazon während der Geltung bestimmter Importzölle seine Preise für betroffene Produkte erhöht und dadurch hunderte Millionen US-Dollar zusätzlich eingenommen haben.
Auslöser ist ein Urteil des Supreme Court der Vereinigten Staaten vom Februar 2026. Das Gericht erklärte bestimmte von Donald Trump verhängte Zölle für rechtswidrig. Grundlage der Maßnahmen war das International Emergency Economic Powers Act (IEEPA), dessen Anwendung der Supreme Court als Kompetenzüberschreitung bewertete.
Kläger werfen Amazon ungerechtfertigte Bereicherung vor
Im Zentrum der Klage steht der Vorwurf der sogenannten „ungerechtfertigten Bereicherung“. Amazon habe von rechtswidrig erhobenen Zöllen profitiert, ohne nach deren Aufhebung Preisvorteile an Verbraucher weiterzugeben.
Zusätzlich berufen sich die Kläger auf Verstöße gegen das Verbraucherschutzrecht des Bundesstaates Washington. Besonders brisant ist dabei die politische Argumentation der Klageschrift: Amazon habe bewusst auf mögliche Rückforderungen verzichtet, um das Verhältnis zu Donald Trump nicht zu belasten.
Der Konzern selbst äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu den Vorwürfen.
Amazon unaufhaltsam
Supreme-Court-Urteil löst Klagewelle aus
Die Entscheidung des Supreme Court hat bereits zahlreiche Unternehmen, Importeure und Logistiker wie FedEx dazu veranlasst, milliardenschwere Rückforderungen gegen den US-Staat geltend zu machen. Unternehmen argumentieren, die erhobenen Zölle seien rechtswidrig gewesen und müssten deshalb erstattet werden.
Verbraucher haben dagegen keinen direkten Anspruch gegenüber dem Staat. Stattdessen versuchen sie nun, Unternehmen in Regress zu nehmen, wenn diese die Zollkosten über höhere Preise an Kunden weitergegeben haben.
Politische Dimension erhöht den Druck
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält der Fall durch Berichte aus dem Frühjahr 2025. Damals hatte es Hinweise gegeben, dass Amazon erwäge, Zollbestandteile bei Produktpreisen transparent auszuweisen. Laut Klageschrift soll Donald Trump daraufhin persönlich Kontakt zu Amazon-Gründer Jeff Bezos aufgenommen haben. Amazon dementierte später, eine solche Kennzeichnung konkret geplant zu haben.
Für die Kläger deutet der Vorgang jedoch darauf hin, dass politische Rücksichtnahmen Einfluss auf den Umgang mit den Zollthemen genommen haben könnten.
Signalwirkung für den gesamten E-Commerce
Der Rechtsstreit könnte weitreichende Folgen für die Preisgestaltung und Transparenz im US-Online-Handel haben. Im Kern geht es um die Frage, ob Unternehmen verpflichtet sind, nachträglich entfallene Belastungen an Verbraucher weiterzugeben.
Sollte das Gericht die Klage zulassen und zugunsten der Kläger entscheiden, drohen Amazon nicht nur erhebliche Rückzahlungen, sondern auch ein Präzedenzfall für zahlreiche weitere Handels- und E-Commerce-Unternehmen in den USA.
Darüber hinaus steht die grundsätzliche Frage im Raum, wem wirtschaftliche Vorteile aus später für rechtswidrig erklärten staatlichen Maßnahmen letztlich zustehen.




