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Apotheken kritisieren Cannabis-Reform und fordern strengere Regeln

Cannabis Blatt auf einem Laptop
Foto: Depositphotos

Key takeaways

Viele Apotheken bewerten die Cannabis-Reform weiterhin kritisch und fordern strengere Regeln für Medizinalcannabis. Besonders der steigende Anteil privater Rezepte sowie der bisherige Online-Vertrieb sorgen innerhalb der Branche für Skepsis und politischen Handlungsbedarf.

Lesezeit ca. 2 Minuten

Zwei Jahre nach der Teillegalisierung von Cannabis fällt die Bilanz vieler Apotheken kritisch aus. Nach aktuellen Daten des Apothekenkonjunkturindex APOkix des IFH Köln bewertet eine deutliche Mehrheit der befragten Pharmazeuten die Cannabis-Reform negativ. Gleichzeitig wächst die Forderung nach strengeren Regeln für Verschreibung, Vertrieb und Abgabe von Medizinalcannabis.

Besonders skeptisch sehen viele Apotheken die zunehmende Bedeutung von Privat- und Selbstzahlerrezepten für Cannabisprodukte. Zudem fordern zahlreiche Befragte eine stärkere Rolle der Apotheken bei Aufklärung und Kontrolle.

Zweifel an rein medizinischer Nutzung

Seit Inkrafttreten des Cannabisgesetzes im April 2024 ist Medizinalcannabis in Deutschland leichter zugänglich. Cannabis wird nicht mehr als Betäubungsmittel eingestuft und kann einfacher ärztlich verordnet werden.

Nach Angaben des APOkix bewerten jedoch 65 Prozent der befragten Apothekeninhaberinnen und -inhaber die Legalisierung negativ. Nur neun Prozent äußern sich positiv, während rund ein Viertel neutral bleibt.

Besonders kritisch sehen viele Befragte die tatsächliche Verwendung der abgegebenen Cannabisprodukte. 83 Prozent vermuten, dass ein großer Teil der in Apotheken abgegebenen Cannabisblüten letztlich dem Freizeitkonsum dient und nicht ausschließlich medizinischen Zwecken.

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Privatrezepte gewinnen deutlich an Bedeutung

Knapp jede zweite Apotheke vertreibt nach eigenen Angaben Medizinalcannabis. Die wirtschaftliche Bedeutung bleibt für die meisten Betriebe allerdings weiterhin gering.

Am häufigsten werden Cannabisextrakte abgegeben, gefolgt von Cannabisblüten, Rezepturen sowie Fertigarzneimitteln wie Sprays oder Kapseln. Auffällig ist insbesondere die Entwicklung bei Privat- und Selbstzahlerrezepten. Laut Umfrage stieg deren Zahl innerhalb der vergangenen zwölf Monate in 37 Prozent der Apotheken an.

Demgegenüber meldeten lediglich 23 Prozent der Befragten steigende Zahlen bei klassischen Kassenrezepten. Dies verstärkt innerhalb der Branche die Diskussion über die tatsächliche medizinische Notwendigkeit vieler Verordnungen.

Online-Vertrieb stößt auf deutliche Kritik

Große Zustimmung erhält innerhalb der Apothekerschaft der geplante Vorstoß des Bundesgesundheitsministeriums, Medizinalcannabis künftig nicht mehr über Online-Plattformen vertreiben zu lassen. 86 Prozent der Befragten unterstützen eine stärkere Bindung an stationäre Apotheken.

Darüber hinaus sprechen sich 74 Prozent für strengere Regeln bei Verschreibung und Abgabe von Cannabisblüten aus. Zwei Drittel halten den aktuellen gesetzlichen Rahmen für nicht ausreichend.

Zudem wünschen sich viele Apotheken eine aktivere Rolle bei der Aufklärung über Risiken und den sicheren Umgang mit Cannabisprodukten.

Geschäftsklima bleibt angespannt

Parallel zur Debatte um Cannabis bleibt die wirtschaftliche Stimmung in den Apotheken angespannt. Der aktuelle Geschäftslageindex des APOkix ist zuletzt erneut gesunken.

Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate bleiben auf niedrigem Niveau stabil. Viele Apotheken bewerten sowohl ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als auch die künftigen Geschäftsaussichten weiterhin pessimistisch.

Die Cannabis-Debatte trifft damit auf eine Branche, die sich ohnehin unter wirtschaftlichem Druck sieht und gleichzeitig vor wachsenden regulatorischen Anforderungen steht.

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