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Bain-Studie: Jeder dritte deutsche Flottenbetreiber erwägt Markenwechsel

LKW Fuhrpark aus der Vogelperspektive
Foto: Unsplash

Key takeaways

➟ Deutschlands Flottenbetreiber werden wechselbereiter. Laut Bain erwägt fast jeder Dritte einen Markenwechsel, während Elektro-Lkw aufholen und chinesische Hersteller mit Preisvorteilen Druck machen.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Der europäische Lkw-Markt steht vor einem deutlichen Wandel. Laut dem „European Truck Market Outlook 2026“ von Bain & Company wächst die Wechselbereitschaft bei Flottenbetreibern, während batterieelektrische Lkw an Bedeutung gewinnen und chinesische Hersteller zunehmend als Alternative wahrgenommen werden.

Für die Studie wurden mehr als 500 Flottenverantwortliche in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen befragt. In Deutschland erwarten mehr als 55 Prozent der Unternehmen, dass ihre Flotten in den kommenden drei Jahren weiter wachsen.

Markenbindung nimmt deutlich ab

31 Prozent der deutschen Flottenbetreiber können sich vorstellen, beim nächsten Lkw-Kauf den Hersteller zu wechseln. Weitere 46 Prozent sind unentschieden.

Europaweit liegt die Wechselbereitschaft bei 35 Prozent. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Net Promoter Score gegenüber 2022 um 21 Punkte auf 13.

Für Hersteller bedeutet das, dass bestehende Marktanteile weniger stabil sind als bislang. Gerade der hohe Anteil unentschlossener Kunden erhöht den Druck, bei jeder Neuanschaffung erneut mit Preis, Service und Wirtschaftlichkeit zu überzeugen.

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Elektro-Lkw holen bei Neuanschaffungen auf

Besonders stark verändert sich der Markt durch batterieelektrische Lkw. Für 2030 erwarten deutsche Flottenbetreiber bei Neuanschaffungen noch einen Dieselanteil von 58 Prozent, während Elektro-Lkw auf 21 Prozent kommen sollen.

Bis 2035 könnten beide Antriebsarten nahezu gleichauf liegen. Dann rechnen die Befragten mit 38 Prozent Diesel- und 39 Prozent batterieelektrischen Lkw.

Deutschland zeigt unter den fünf untersuchten Märkten die höchste Bereitschaft zum Umstieg auf Elektro-Lkw. Gleichzeitig bleibt die Zahlungsbereitschaft begrenzt: Im Durchschnitt akzeptieren deutsche Flottenbetreiber lediglich rund zehn Prozent Aufpreis gegenüber einem vergleichbaren Dieselmodell.

Wirtschaftlichkeit wird wichtiger als Technologie allein

Die Gesamtbetriebskosten gelten inzwischen nicht mehr als grundsätzliches Hindernis. Laut Bain können schwere batterieelektrische Lkw im deutschen Fernverkehr über fünf Jahre bereits bis zu 15 Prozent niedrigere Total Cost of Ownership erreichen als vergleichbare Dieselmodelle.

Stattdessen rücken andere Hürden in den Vordergrund. Dazu zählen vor allem die öffentliche Ladeinfrastruktur, hohe Anschaffungspreise und längere Ladezeiten.

Für Hersteller reicht es deshalb nicht, technisch überzeugende Elektro-Lkw anzubieten. Sie müssen auch Finanzierung, Ladeinfrastruktur, Service und wirtschaftlichen Nutzen glaubwürdig miteinander verbinden.

Chinesische Hersteller werden zur ernsthaften Alternative

Zusätzlicher Druck kommt von chinesischen Herstellern. 82 Prozent der befragten europäischen Flottenbetreiber erwarten bei chinesischen Elektro-Lkw einen Preisvorteil von mindestens zehn Prozent gegenüber etablierten westlichen Marken.

Rund 30 Prozent halten es für wahrscheinlich, künftig einen chinesischen Lkw zu kaufen. Unter Unternehmen, die grundsätzlich für batterieelektrische Fahrzeuge offen sind, steigt der Anteil auf mehr als 50 Prozent.

Chinesische Anbieter werden dabei nicht nur beim Preis positiv bewertet. Auch bei Reichweite, Energieeffizienz und vernetzten Services schneiden sie aus Sicht vieler Befragter gut ab. Schwächen sehen die Unternehmen dagegen weiterhin beim Markenvertrauen und bei der Dichte der Servicenetze.

Kundenbindung wird zum strategischen Faktor

Mit der zunehmenden Elektrifizierung dürften viele Flottenbetreiber ihre bisherigen Beschaffungsentscheidungen neu bewerten. Größere Flotten orientieren sich stärker an Gesamtbetriebskosten, während kleinere Unternehmen bislang häufig markentreuer sind.

Für etablierte europäische Hersteller gewinnen deshalb maßgeschneiderte Angebote, Finanzierungslösungen und starke Servicenetzwerke an Bedeutung.

Die kommenden Flottenzyklen könnten entscheidend dafür sein, wie sich Marktanteile neu verteilen. Wer Kunden während des Umstiegs auf elektrische Antriebe verliert, dürfte sie nur schwer zurückgewinnen.

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