BASF geht über seine Technologie-Tochter trinamiX in den USA gegen Apple vor. Das Unternehmen wirft dem iPhone-Hersteller vor, bei Technologien zur biometrischen Gesichtsauthentifizierung sieben Patente zu verletzen. Die Schutzrechte betreffen Verfahren, mit denen Systeme unter anderem erkennen sollen, ob tatsächlich menschliche Haut erfasst wird.
Die Klage wurde bei einem US-Bundesgericht in Midland im Bundesstaat Texas eingereicht. Betroffen sein sollen laut Reuters mehrere Generationen von iPhones und iPads, darunter Geräte der Reihen iPhone 15, iPhone 16 und iPhone 17 sowie verschiedene iPad-Pro-Modelle. trinamiX verlangt bislang nicht bezifferten Schadenersatz und will eine weitere Nutzung der aus Sicht des Unternehmens geschützten Technologie verhindern.
Hauterkennung steht im Zentrum des Patentstreits
Technisch geht es um eine zusätzliche Sicherheitsebene biometrischer Authentifizierung. Gesichtserkennungssysteme müssen nicht nur überprüfen, ob biometrische Merkmale mit einem hinterlegten Profil übereinstimmen. Sie sollen außerdem Manipulationsversuche erkennen, bei denen beispielsweise Fotos, Videos oder Masken verwendet werden.
trinamiX hat Verfahren entwickelt, die anhand optischer und infrarotbasierter Eigenschaften zwischen menschlicher Haut und anderen Materialien unterscheiden sollen. Solche Ansätze zur sogenannten Liveness Detection können biometrische Systeme widerstandsfähiger gegen Spoofing-Angriffe machen.
Nach Darstellung von trinamiX verwendete Apple entsprechende Technologien noch nicht, als Face ID 2017 mit dem iPhone X eingeführt wurde. Inzwischen sollen jedoch Funktionen in verschiedenen Geräten eingesetzt werden, die nach Auffassung der BASF-Tochter geschützte technische Verfahren berühren. Ob die betroffenen Apple-Systeme tatsächlich sämtliche relevanten Merkmale der Patentansprüche erfüllen, muss nun gerichtlich geklärt werden.
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Apples Face ID setzt auf Infrarot und Tiefeninformationen
Apple nutzt bei Face ID ein Zusammenspiel aus Kameratechnik, Infrarotsensorik und maschinellem Lernen. Die TrueDepth-Technologie erstellt eine Tiefenkarte des Gesichts und erfasst zusätzlich Infrarotinformationen. Die gewonnenen biometrischen Daten werden anschließend mit dem im Gerät gespeicherten Nutzerprofil verglichen.
Dabei soll das System auch Manipulationsversuche erkennen. Der Patentkonflikt konzentriert sich deshalb nicht auf die grundsätzliche Verwendung einer Gesichtserkennung, sondern auf konkrete technische Methoden zur Absicherung gegen Täuschungsversuche. Neben einer möglichen Verletzung dürfte in dem Verfahren auch die Rechtsbeständigkeit der geltend gemachten trinamiX-Patente eine wichtige Rolle spielen.
BASF prüft gleichzeitig die Zukunft von trinamiX
Der Zeitpunkt des Verfahrens ist für BASF strategisch relevant. trinamiX entstand aus Forschungsarbeiten innerhalb des Chemiekonzerns und wurde 2015 als Tochtergesellschaft gegründet. Das Unternehmen beschäftigt rund 200 Mitarbeiter und entwickelt Technologien für biometrische Bildgebung sowie mobile Nahinfrarot-Spektroskopie.
Die Einsatzmöglichkeiten reichen von biometrischen Sicherheitssystemen über Anwendungen im Fahrzeug bis zur mobilen Materialanalyse. Eine wesentliche Grundlage des Geschäfts bildet das umfangreiche geistige Eigentum. Für 2026 wurden von BASF beziehungsweise trinamiX bereits mehrere Hundert Patente und Patentanmeldungen ausgewiesen.
Gleichzeitig überprüft BASF seit Anfang 2026 die strategischen Optionen für die Tochtergesellschaft. Die von trinamiX bearbeiteten Geschäftsfelder gehören nicht zu den Bereichen, auf die sich der Chemiekonzern künftig konzentrieren will. Neben Restrukturierungen und Maßnahmen zur Wertsteigerung kommen dabei grundsätzlich auch Verkäufe einzelner Aktivitäten infrage.
Patentportfolio könnte wirtschaftlich an Bedeutung gewinnen
Damit besitzt der Konflikt mit Apple eine Dimension, die über mögliche Schadenersatzzahlungen hinausgeht. Eine erfolgreiche Durchsetzung wichtiger Schutzrechte könnte den wirtschaftlichen Stellenwert des Patentportfolios erhöhen und damit auch für potenzielle Käufer oder strategische Partner relevant werden.
Das Verfahren birgt allerdings erhebliche Risiken. Apple kann nicht nur bestreiten, die Schutzrechte zu verletzen, sondern auch deren Gültigkeit angreifen. Zudem lässt sich aus der Einreichung einer Patentklage noch nicht ableiten, ob trinamiX seine Forderungen durchsetzen oder eine gerichtliche Einschränkung des Vertriebs bestimmter Apple-Geräte erreichen wird.
Forschungsprojekt trifft auf milliardenschweren Gerätemarkt
Die Größenverhältnisse der beteiligten Unternehmen unterscheiden sich erheblich. Während trinamiX rund 200 Mitarbeiter beschäftigt, gehört Apple zu den größten Technologiekonzernen weltweit. Zugleich ist Face ID über zahlreiche Gerätegenerationen hinweg tief in das Apple-Ökosystem integriert und wird unter anderem für Gerätezugriffe, App-Anmeldungen und die Autorisierung von Transaktionen eingesetzt.
Sollten die Gerichte eine Verletzung gültiger trinamiX-Patente feststellen, könnte deshalb eine große Zahl verkaufter Geräte für die wirtschaftliche Bewertung relevant werden. Eine belastbare Größenordnung für einen möglichen Schadenersatz lässt sich derzeit jedoch nicht bestimmen, da keine konkrete Forderungssumme genannt wurde.
Für BASF unterstreicht das Verfahren zugleich den möglichen Wert von Technologien außerhalb des traditionellen Chemiegeschäfts. Die Forschung hinter trinamiX verbindet Materialwissenschaften mit Optik, Infrarotsensorik, Algorithmen und biometrischen Anwendungen. Während BASF die strategische Zukunft der Tochter prüft, könnte ausgerechnet deren geistiges Eigentum zu einem entscheidenden Faktor für die weitere Entwicklung werden.





