Die Verhandlungen über den digitalen Euro gehen in eine entscheidende Phase. EU-Kommission, Rat und Europäisches Parlament haben mit den politischen Trilog-Verhandlungen begonnen. Im Mittelpunkt steht unter anderem die Frage, wie Händler und Zahlungsdienstleister künftig für Zahlungen mit dem digitalen Euro belastet beziehungsweise vergütet werden sollen.
Parallel treibt die Europäische Zentralbank die technische Vorbereitung voran. Seit dem 15. September können sich Online- und Mobile-Commerce-Händler aus dem Euroraum für einen Pilotversuch bewerben, der in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten soll.
Gebührenmodell bleibt zentraler Streitpunkt
Beim zweiten politischen Trilog am 10. September stand nach Angaben von Ecommerce Europe vor allem das Vergütungsmodell im Mittelpunkt. Parlament und Rat verfolgen unterschiedliche Ansätze dafür, wie hoch Händlergebühren während einer Übergangsphase ausfallen dürfen.
Der Rat hatte bereits eine Übergangsregelung vorgeschlagen, bei der Gebühren zunächst an vergleichbaren Zahlungsmitteln ausgerichtet werden. Später soll ein stärker kostenbasiertes Modell folgen. Ziel ist, Händler vor übermäßigen Gebühren zu schützen und Zahlungsdienstleistern gleichzeitig eine wirtschaftlich tragfähige Bereitstellung des digitalen Euro zu ermöglichen.
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Händler fordern einfachere Regeln
Ecommerce Europe spricht sich für ein einfacheres und planbareres Gebührenmodell aus. Der Verband fordert unter anderem eine vereinfachte Gebührenberechnung und warnt davor, dass Händler den digitalen Euro nur aktiv unterstützen dürften, wenn er gegenüber bestehenden Zahlungsmitteln wirtschaftlich attraktiv bleibt.
Zusätzlich setzt sich der Verband dafür ein, den digitalen Euro auch stärker für Zahlungen zwischen Unternehmen nutzbar zu machen. Die politische Einigung soll nach dem derzeitigen Zeitplan noch vor Ende 2026 erreicht werden.
EZB öffnet Pilot für Onlinehändler
Für die technische Erprobung sucht die EZB nun gezielt E-Commerce- und Mobile-Commerce-Händler aus dem Euroraum. Der geplante Pilot soll zwölf Monate dauern und in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen. Bereits zuvor hatte die EZB 36 Zahlungsdienstleister für die Teilnahme ausgewählt.
Getestet wird eine Beta-Version des digitalen Euro, die technisch und funktional möglichst nah an der derzeit geplanten Lösung liegen soll. Rechtliches Zahlungsmittel wird diese Testversion allerdings nicht sein.
Checkout und Nutzererfahrung werden praktisch getestet
Die ausgewählten Händler sollen den digitalen Euro in kontrollierten Online- und Mobile-Checkout-Szenarien einsetzen. Untersucht werden technische Abläufe, Integration in bestehende Zahlungssysteme und die Nutzererfahrung.
Händler können sich bis zum 27. Oktober 2026 bewerben. Die Teilnahme ist freiwillig und wird nicht vergütet. Die Erkenntnisse aus dem Test sollen in die weitere technische Ausgestaltung einfließen.
Ausgabeentscheidung bleibt von Gesetzgebung abhängig
Der Pilot bedeutet noch nicht, dass der digitale Euro tatsächlich eingeführt wird. Die EZB betont weiterhin, dass eine endgültige Entscheidung erst nach Abschluss des europäischen Gesetzgebungsverfahrens getroffen wird.
Nach aktueller Planung will das Eurosystem technisch für eine mögliche erste Ausgabe im Jahr 2029 vorbereitet sein, sofern die notwendige EU-Verordnung 2026 verabschiedet wird.


