Die Umstellung auf moderne 2D-Codes nimmt im deutschen Einzelhandel erstmals konkrete Formen an. Der Drorgerie-Riese dm testet derzeit in ausgewählten Märkten, wie sich QR-Codes und andere zweidimensionale Formate im realen Kassiervorgang zuverlässig einsetzen lassen. Gemeinsam mit Industriepartnern wie Beiersdorf arbeitet das Unternehmen unter dem Dach von GS1 Germany an der Frage, wie sich künftig zusätzliche Produktinformationen, bessere Transparenz und digitale Services mit einem einzigen Code verbinden lassen.
Pilotphase legt technische Grundlagen
Heute können Kassen im Handel aus klassischen Strichcodes lediglich die GTIN auslesen. 2D-Codes hingegen können deutlich mehr Daten transportieren – etwa Haltbarkeitsangaben, Chargeninformationen oder digitale Produkthinweise. dm prüft deshalb, welche Anpassungen an Kassensoftware und Hardware notwendig sind, um diese komplexeren Datenträger schnell und reibungslos zu verarbeiten. Erst nach erfolgreicher Standardisierung und Abstimmung mit den Industriepartnern ist ein nationaler Rollout denkbar.
Roman Melcher, Geschäftsführer von dm und verantwortlich für dmTECH, betont, dass noch offen sei, wie sich die neuen 2D-Standards optimal entlang der gesamten Lieferkette umsetzen lassen. Konkrete Anwendungen und deren Implementierung erforderten eine sorgfältige Planung, intensive Abstimmung und ausreichend Vorlauf – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer flächendeckenden Einführung.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Mehrwert durch strukturierte Produktinformationen
Der GS1 Digital Link bildet das Rückgrat dieser neuen Barcodegeneration. Er funktioniert als intelligenter Verweispunkt, der je nach Endgerät oder Kontext automatisch die passenden Informationen bereitstellt: an der Kasse den Preis, am Smartphone Inhaltsstoffe, Nachhaltigkeitshinweise oder Anwendungstipps. Damit entfällt die Notwendigkeit, mehrere Codes auf die Verpackung zu drucken – ein zentraler Vorteil für Markenhersteller und Handel.
Beiersdorf als einer der ersten Industriepartner
Beiersdorf nutzt die neuen Möglichkeiten bereits für Produkte der Marke 8X4. Die QR-Codes verbinden digitale Produktdaten mit einem nutzerfreundlichen Zugang per Smartphone, während sie gleichzeitig für den Kassiervorgang geeignet bleiben. Hinweise wie „Scan me“ erleichtern Verbraucherinnen und Verbrauchern die Interaktion am Regal. Weitere Marken sollen 2026 folgen, um eine einheitliche, durchgängig lesbare Datenbasis im Drogeriesegment aufzubauen.
Technologische Aufrüstung an der Kasse
Für die Verarbeitung der 2D-Codes setzt dm auf Scanner mit Imager-Technologie, die Barcodes wie ein Foto erfassen und über Software interpretieren. Diese Geräte erkennen die charakteristischen Strukturen der Codes und wandeln sie in nutzbare Informationen um. Damit schafft dm frühzeitig die infrastrukturellen Voraussetzungen für den Übergang von linearen Barcodes zu datenstarken 2D-Formaten.
Handel und Industrie treiben die Migration gemeinsam
Die vollständige Einführung der neuen Standards erfordert sorgfältige Abstimmung, ausreichend Vorlauf und verlässliche Pilotierungen. Für GS1 Germany zeigt die Zusammenarbeit zwischen dm, Beiersdorf und weiteren Partnern, dass die Branche bereit ist, Produktinformationen künftig strukturierter, transparenter und digital verfügbar zu machen – ohne die Abläufe an der Kasse zu verkomplizieren.


