Die technologische Entwicklung emissionsfreier Nutzfahrzeuge schreitet schneller voran als die dafür notwendige Infrastruktur. Zur IAA Transportation 2026 fordert der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik deshalb einen beschleunigten Ausbau von Stromnetzen, Ladeinfrastruktur und Energieversorgung für den Straßengüterverkehr.
Aus Sicht des Verbands verlagert sich die zentrale Herausforderung zunehmend von der Fahrzeugtechnik auf die Energieversorgung. Reichweiten, Ladezeiten und Effizienz hätten sich deutlich verbessert, während Netzanschlüsse und verfügbare Leistung vielerorts noch nicht mit dieser Entwicklung Schritt hielten.
Logistik benötigt künftig deutlich mehr Strom
Eine vom DSLV beauftragte Studie des Instituts für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen zeigt die Größenordnung des künftigen Energiebedarfs. Demnach könnte allein der Straßengüterverkehr bis 2045 rund 156 Terawattstunden Strom pro Jahr benötigen – etwa das 39-Fache des heutigen Verbrauchs.
Für den gesamten Logistiksektor einschließlich Logistikimmobilien sowie Straßen- und Schienengüterverkehr beziffert die Studie den möglichen Strombedarf 2045 auf rund 186 Terawattstunden jährlich. Das entspräche etwa dem Achtfachen des heutigen Verbrauchs.
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Ladeleistung wird vor allem in Depots benötigt
Nach Einschätzung des DSLV werden viele Ladevorgänge künftig auf Betriebsgeländen und in Logistikdepots stattfinden. Dadurch steigt nicht nur der Energiebedarf, sondern auch die notwendige Anschlussleistung an einzelnen Standorten erheblich.
Der Verband fordert deshalb, Logistikstandorte frühzeitig in die Planung und den Ausbau der Verteilnetze einzubeziehen. Netzanschlussgarantien und beschleunigte Verfahren dürften sich nicht nur auf große Industrieareale konzentrieren.
Investitionen hängen von verlässlicher Stromversorgung ab
Für Speditionen und Logistikunternehmen sind Investitionen in elektrische Lkw langfristige Entscheidungen. Nach Ansicht des DSLV müssen Unternehmen deshalb darauf vertrauen können, dass ausreichend Netzkapazität und Strom auch tatsächlich verfügbar sein werden.
Der Verband warnt vor zunehmender Konkurrenz um Strom zwischen Logistik, Industrie, Rechenzentren und privaten Verbrauchern. Angesichts des künftig hohen Verbrauchs fordert er zugleich, die Logistik bei möglichen Strompreisentlastungen ähnlich zu berücksichtigen wie andere energieintensive Wirtschaftsbereiche.
Fahrzeugtechnik allein reicht nicht für den Hochlauf
Die IAA Transportation zeigt nach Einschätzung des Verbands, dass E- und Wasserstoff-Lkw zunehmend auch für anspruchsvollere Einsatzprofile geeignet sind. Technologische Fortschritte bei Fahrzeugen und autonomem Fahren reichen für einen flächendeckenden Einsatz jedoch nicht aus.
Entscheidend wird deshalb, ob Energieversorgung, Ladepunkte und Netzanschlüsse mit der Fahrzeugentwicklung Schritt halten. Für die Logistikbranche wird der Infrastrukturausbau damit zu einem zentralen Faktor für den Hochlauf emissionsfreier Nutzfahrzeuge.





