Die Kaufkraft in der Europäischen Union ist 2025 weiter gestiegen, doch der Einzelhandel konnte mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten. Nach einer Studie von NIQ erhöhte sich die durchschnittliche Kaufkraft je Einwohner nominal um 3,3 Prozent auf 22.425 Euro. Insgesamt verfügten die Menschen in den 27 EU-Staaten über rund 10,1 Billionen Euro für Konsum, Wohnen, Dienstleistungen, Energie, Reisen und weitere Ausgaben.
Gleichzeitig blieb die Verbraucherstimmung trotz robuster Arbeitsmärkte und einer moderateren Inflation verhalten. Mehrere Jahre mit Pandemie, hohen Preisen, geopolitischen Spannungen und Lieferkettenproblemen haben laut Studie zu einer anhaltenden Preissensibilität geführt. Verbraucher achten stärker auf das Verhältnis von Preis und Leistung, berücksichtigen daneben aber Qualität, Komfort, Funktionalität und Markenvertrauen.
Einzelhandelsumsatz wächst nur noch um 2,1 Prozent
Während die Kaufkraft um 3,3 Prozent zulegte, erhöhte sich der Einzelhandelsumsatz in der EU 2025 lediglich um 2,1 Prozent. Damit verlangsamte sich die Dynamik erneut: 2023 hatte das Plus noch 5,5 Prozent und 2024 noch 3,0 Prozent betragen.
Große Unterschiede zeigen sich zwischen den europäischen Märkten. Norwegen erreichte mit 13,1 Prozent das stärkste Umsatzwachstum, gefolgt von Litauen mit 10,5 Prozent, Schweden mit 8,9 Prozent, Bulgarien mit 8,2 Prozent und der Slowakei mit 8,0 Prozent. Dagegen entwickelten sich große westeuropäische Märkte schwächer. Im Vereinigten Königreich sank der Einzelhandelsumsatz um 0,6 Prozent.
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Deutschland hat niedrigsten Einzelhandelsanteil
Ein struktureller Trend setzt sich ebenfalls fort: Der Anteil des Einzelhandels an den privaten Konsumausgaben sank in der EU zum vierten Mal in Folge und erreichte 2025 nur noch 31,9 Prozent. Ein wachsender Teil der Budgets fließt stattdessen in Dienstleistungen, Reisen, Freizeit und Gastronomie.
Besonders groß ist die Bedeutung des Handels in Kroatien, wo 48,3 Prozent der privaten Konsumausgaben auf den Einzelhandel entfallen. Dahinter folgen Litauen mit 45,7 Prozent, Bulgarien mit 44,0 Prozent und Ungarn mit 43,2 Prozent. Deutschland liegt mit lediglich 22,2 Prozent am Ende des Rankings. Damit fließt hierzulande weniger als jeder vierte Euro der privaten Konsumausgaben in den Einzelhandel.
Osteuropa holt bei der Kaufkraft auf
Überdurchschnittliche Kaufkraftzuwächse verzeichneten vor allem Länder in Ost- und Südosteuropa. In Polen stieg die Kaufkraft um 8,8 Prozent, in Litauen um 8,3 Prozent, in Rumänien um 7,7 Prozent und in Bulgarien um 7,3 Prozent.
NIQ wertet diese Entwicklung als Zeichen dafür, dass sich die Einkommensunterschiede innerhalb Europas weiter verringern. Gleichzeitig profitieren diese Märkte auch beim Einzelhandelsumsatz vielfach von steigenden Einkommen und einer verbesserten Kaufkraft.
Inflation könnte 2026 wieder anziehen
Die durchschnittliche Inflation in der EU ging 2025 auf 2,5 Prozent zurück. Die Unterschiede zwischen den Ländern blieben allerdings erheblich: Rumänien verzeichnete mit 6,8 Prozent die höchste Teuerungsrate, während Frankreich mit 0,9 Prozent zu den Ländern mit besonders niedriger Inflation gehörte.
Für 2026 erwartet die Studie wieder stärkeren Preisdruck. Die Inflation in den EU-27-Staaten könnte auf 3,1 Prozent steigen, vor allem aufgrund erneuter Belastungen an den Energiemärkten. Für den Handel bleibt damit ein schwieriges Umfeld: Die Kaufkraft wächst zwar, doch ein zunehmender Anteil des verfügbaren Geldes konkurriert mit Ausgaben für Dienstleistungen und Freizeit.





