Künstliche Intelligenz kann politische Beteiligungsprozesse deutlich verbessern, wenn sie verantwortungsvoll eingesetzt wird. Zu diesem Ergebnis kommt ein gemeinsamer Policy Brief der Bertelsmann Stiftung und der OECD. Anhand von 50 Praxisbeispielen aus 22 Ländern zeigt die Untersuchung, wie KI bereits heute Bürgerbeteiligung unterstützt – von der Auswertung großer Datenmengen bis hin zu Chatbots und automatisierten Übersetzungen. Gleichzeitig weisen die Autoren auf Risiken hin und formulieren Empfehlungen für einen transparenten und demokratischen Einsatz.
KI erleichtert Auswertung und Beteiligung
Die Studie identifiziert insgesamt neun Einsatzbereiche für Künstliche Intelligenz in Beteiligungsprozessen. Besonders verbreitet sind Anwendungen zur Analyse und Strukturierung großer Mengen von Bürgerbeiträgen, virtuelle Assistenten sowie Übersetzungs- und Transkriptionsdienste. Dadurch lassen sich umfangreiche Konsultationen schneller auswerten und sprachliche Barrieren abbauen. Bürgerinnen und Bürger erhalten zudem leichter Zugang zu Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Internationale Praxisbeispiele zeigen das Potenzial
Die Untersuchung verweist auf zahlreiche bereits umgesetzte Projekte. So unterstützte ein KI-System in Cambridge die Auswertung qualitativer Beiträge einer öffentlichen Konsultation und reduzierte den erforderlichen Zeitaufwand erheblich. In Finnland kam die KI-gestützte Plattform Polis bei einer landesweiten Beteiligungsinitiative mit mehr als 18.000 Teilnehmern zum Einsatz. Die Beispiele verdeutlichen, dass KI insbesondere bei großen Beteiligungsverfahren Effizienz und Reichweite steigern kann.
Risiken reichen von Verzerrungen bis zu digitaler Ausgrenzung
Neben den Chancen benennt die Studie auch wesentliche Herausforderungen. Verzerrte Datengrundlagen können Ergebnisse beeinflussen, während mangelnde Transparenz das Vertrauen in politische Prozesse gefährdet. Darüber hinaus warnen die Autoren vor neuer digitaler Exklusion sowie einer wachsenden Abhängigkeit öffentlicher Institutionen von proprietären KI-Systemen. Fehlende Kompetenzen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz erschweren zusätzlich den verantwortungsvollen Einsatz in Behörden und Verwaltungen.
Empfehlungen für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz
Um die Potenziale von KI auszuschöpfen, empfehlen Bertelsmann Stiftung und OECD klare Leitplanken für den Einsatz entsprechender Systeme. Gleichzeitig sollten öffentliche Institutionen Fachwissen aufbauen und Bürgerinnen und Bürger aktiv in Entwicklung, Kontrolle und Weiterentwicklung KI-gestützter Beteiligungsangebote einbeziehen. Nur wenn Transparenz, Nachvollziehbarkeit und demokratische Entscheidungsprozesse gewährleistet bleiben, könne KI ihre Stärken entfalten.
KI soll demokratische Prozesse ergänzen – nicht ersetzen
Die Autoren betonen, dass Künstliche Intelligenz keine demokratische Beteiligung ersetzen kann. Vielmehr könne sie dazu beitragen, Beteiligungsverfahren zugänglicher, effizienter und skalierbarer zu gestalten. Entscheidend sei jedoch, dass Regierungen KI als unterstützendes Werkzeug einsetzen und politische Entscheidungen weiterhin nachvollziehbar und unter menschlicher Verantwortung getroffen werden.





