Der deutsche Vermietungsmarkt für innerstädtische Einzelhandelsflächen hat im dritten Quartal 2026 deutlich an Dynamik gewonnen. Nach einer Analyse von BNP Paribas Real Estate wurden zwischen Januar und September rund 385.000 Quadratmeter neu vermietet oder eröffnet. Damit liegt das Ergebnis etwa zehn Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
Allein auf das dritte Quartal entfielen rund 150.000 Quadratmeter und damit knapp 40 Prozent des bisherigen Jahresvolumens. Besonders gefragt waren größere Ladenflächen, ehemalige Kaufhäuser und Standorte in Shoppingcentern. Gleichzeitig sorgen Filialschließungen und Flächenverkleinerungen etablierter Handelsunternehmen für zusätzliche Angebote.
Großflächen bestimmen das Vermietungsgeschehen
Im dritten Quartal entfielen rund 86.000 Quadratmeter auf Vermietungen mit mindestens 1.000 Quadratmetern Fläche. Das entspricht etwa 57 Prozent des Quartalsergebnisses und verdeutlicht die weiterhin hohe Bedeutung großformatiger Handelskonzepte.
Neue Nutzungsmöglichkeiten entstehen insbesondere durch die Umstrukturierung bestehender Filialnetze. Unternehmen wie C&A, Peek & Cloppenburg und MediaMarktSaturn passen ihre Flächenbestände an, während expandierende Händler neue Standorte suchen.
Zunehmend entstehen auch Kooperationen zwischen Handelsunternehmen. So nutzt Decathlon bereits Teilflächen in mehreren MediaMarkt-Filialen und plant eine Präsenz bei IKEA in Hamburg-Altona. Solche Modelle ermöglichen die gemeinsame Nutzung bestehender Handelsimmobilien.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Shoppingcenter und Kaufhäuser bleiben gefragt
Auf innerstädtische Shoppingcenter entfielen in den ersten neun Monaten rund 110.000 Quadratmeter Vermietungsfläche. Damit erreichte dieses Segment nahezu 30 Prozent des gesamten Marktvolumens. Ehemalige Kaufhäuser steuerten weitere gut 50.000 Quadratmeter bei.
Zu den größeren Abschlüssen zählen Kaufland mit 4.000 Quadratmetern im Berliner Schloss-Straßen-Center sowie Lager 157 in Hannover und Smyths Toys in Ludwigshafen mit jeweils 2.500 Quadratmetern.
Neben klassischen Einzelhandelskonzepten gewinnen Freizeit- und Erlebnisangebote an Bedeutung. Beispiele sind neue Entertainmentflächen wie das schwedische Konzept Boda Borg im Berliner Einkaufszentrum Boulevard Berlin.
Berlin und Frankfurt führen die Top-Märkte an
Die sieben größten deutschen Einzelhandelsstandorte erreichten zusammen knapp 125.000 Quadratmeter Flächenumsatz. Mit rund 220 Vermietungen und Eröffnungen lagen sie etwa 20 Prozent über ihrem jeweiligen Fünfjahresdurchschnitt.
Berlin führte das Ranking mit knapp 36.000 Quadratmetern an. Frankfurt folgte mit mehr als 20.000 Quadratmetern, begünstigt durch neue Nutzungskonzepte in ehemaligen Kaufhäusern und Veränderungen im Skyline Plaza.
Düsseldorf, Hamburg, Köln und München erzielten jeweils zwischen 13.000 und 15.000 Quadratmetern. Stuttgart kam auf rund 11.000 Quadratmeter bei etwa 25 Abschlüssen. Auch Dresden und Leipzig entwickelten sich mit jeweils rund 9.000 Quadratmetern positiv.
Passantenfrequenzen bleiben weitgehend stabil
Neben den Vermietungszahlen zeigen auch die Besucherfrequenzen eine stabile Entwicklung. In rund 50 untersuchten Einkaufsstraßen wurden im September etwa 48,2 Millionen Passanten gezählt. Das waren 0,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
Über die ersten drei Quartale summierte sich die erfasste Passantenfrequenz auf rund 681 Millionen. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum entspricht dies einem leichten Rückgang von 0,7 Prozent.
BNP Paribas erwartet überdurchschnittliches Gesamtjahr
BNP Paribas Real Estate rechnet auch für das Schlussquartal mit einer lebhaften Nachfrage nach Einzelhandelsflächen. Internationale Handelsketten treffen weiterhin auf ein umfangreiches Angebot, das durch Filialoptimierungen, Geschäftsaufgaben und die Neuvermietung ehemaliger Kaufhäuser entsteht.
Allerdings zeigt die hohe Zahl neuer Abschlüsse nicht ausschließlich eine Expansion des stationären Handels. Häufig werden Flächen nach Schließungen erneut vermietet oder innerhalb kurzer Zeit mehrfach neu besetzt.
Für Immobilieneigentümer bleibt deshalb entscheidend, langfristig tragfähige Nutzungskonzepte zu entwickeln. Nach Einschätzung des Immobilienberaters dürfte der Flächenumsatz 2026 insgesamt über dem langjährigen Durchschnitt liegen.






