Das Eurosystem hat mit Pontes eine neue Lösung für die Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte in Zentralbankgeld gestartet. Damit soll ein zentraler Baustein für digitale Finanzmarktinfrastrukturen entstehen, über den Transaktionen auf Basis verteilter Ledger-Technologie mit einem risikofreien Abwicklungsmedium verbunden werden können. Parallel dazu bereitet die Europäische Zentralbank erste eigene Investitionen in tokenisierte Wertpapiere vor, um praktische Erfahrungen mit dieser Marktstruktur zu sammeln.
Pontes bildet den Auftakt eines strategischen Programms, mit dem das Eurosystem Zentralbankgeld für tokenisierte Finanzmärkte nutzbar machen will. Banken, Marktinfrastrukturen und Betreiber von DLT-Netzwerken sollen schrittweise angebunden werden. Eine erste Gruppe von Marktteilnehmern hat die technische und organisatorische Aufnahme bereits abgeschlossen, weitere Institute sollen in den kommenden Monaten folgen.
Zentralbankgeld soll DLT-Transaktionen absichern
Bei der Tokenisierung werden Vermögenswerte digital abgebildet und häufig auf Distributed-Ledger-Systemen geführt. Im institutionellen Finanzmarkt können dadurch verschiedene Prozessschritte wie Emission, Handel, Abwicklung, Verwahrung und Verwaltung enger miteinander verbunden werden. Smart Contracts eröffnen zudem Möglichkeiten, Abläufe teilweise zu automatisieren.
Aus Sicht des Eurosystems ist entscheidend, dass auch in solchen Strukturen Zentralbankgeld als Abwicklungsmedium verfügbar bleibt. Pontes knüpft deshalb an die Tests aus dem Jahr 2024 an, bei denen Marktteilnehmer den Zugang zu einem möglichst risikoarmen Settlement-Asset als wesentliche Voraussetzung für eine breitere Nutzung tokenisierter Finanzmarktinfrastrukturen bezeichnet hatten.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Pontes wird bis 2028 schrittweise ausgebaut
Zum Start stellt Pontes zunächst einen begrenzten Funktionsumfang bereit. Weitere Dienstleistungen, längere Betriebszeiten und zusätzliche technische Funktionen sollen in mehreren Stufen ergänzt werden. Die vollständige Umsetzung ist nach Angaben der EZB bis 2028 vorgesehen.
Das Eurosystem verbindet damit das Ziel, den europäischen Finanzmarkt stärker zu integrieren und zugleich neue digitale Marktmodelle zu unterstützen. Die Infrastruktur soll mit den Anforderungen des Marktes weiterentwickelt werden und eine Verbindung zwischen klassischen Zentralbankgeldsystemen und DLT-basierten Finanzprozessen schaffen.
EZB will selbst in tokenisierte Wertpapiere investieren
Zusätzlich zum Start von Pontes hat die EZB Vorbereitungen für eigene Investitionen in tokenisierte Wertpapiere aufgenommen. Dafür soll ein kleiner Teil des Eigenmittelportfolios genutzt werden, das nicht der Geldpolitik dient und Erträge zur Finanzierung der laufenden Kosten der Zentralbank erwirtschaftet.
Die EZB will durch direkte Investitionen Erfahrungen über den gesamten Anlageprozess sammeln. Dazu gehören Handel, Abwicklung, technische Systeme und Portfoliomanagement. Die Transaktionen sollen über Pontes in Zentralbankgeld abgewickelt werden und damit zugleich einen praktischen Test für die neue Infrastruktur darstellen.
Fokus zunächst auf öffentliche Emittenten
In der Anfangsphase sollen vor allem auf Euro lautende Wertpapiere öffentlicher Emittenten erworben werden. Dazu zählen Titel von Zentral- und Regionalregierungen des Euroraums, staatlichen Agenturen sowie europäischen supranationalen Institutionen. Über Umfang, konkrete Ausgestaltung und Zeitpunkt der Investitionen will das EZB-Direktorium nach Abschluss der Vorbereitungen entscheiden.
Die weiteren Schritte hängen dabei auch von der Entwicklung des Angebots tokenisierter Wertpapiere und der Marktinfrastruktur in Europa ab. Ergänzend zu Pontes arbeitet das Eurosystem im Rahmen der Initiative Appia gemeinsam mit Danmarks Nationalbank sowie öffentlichen und privaten Marktteilnehmern an einem umfassenderen Konzept für ein europäisches DLT-Finanzökosystem, das ebenfalls bis 2028 ausgearbeitet werden soll.


