Der angeschlagene Actioncam-Hersteller GoPro, der erst im April die Streichung von ein Viertel aller Stellen ankündigte, will sich strategisch neu aufstellen – und schließt dabei auch einen Verkauf oder eine Fusion nicht aus. Wie das Unternehmen am Montagabend im Rahmen der Quartalszahlen mitteilte, hat der Verwaltungsrat eine umfassende Prüfung „strategischer Optionen“ autorisiert.
Die Börse reagierte unmittelbar: Im nachbörslichen Handel sprang die Aktie um mehr als 27 Prozent nach oben. Für ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von zuletzt nur rund 224 Millionen US-Dollar ist das ein deutlicher Kursschub – und ein Signal dafür, dass Investoren auf einen grundlegenden Neustart hoffen.
Strategische Neuausrichtung unter wachsendem Druck
GoPro, einst Synonym für Actionkameras und spektakuläre Extremsportaufnahmen, kämpft seit Jahren mit sinkenden Umsätzen, wachsendem Wettbewerbsdruck und einer zunehmend gesättigten Hardware-Nachfrage. Nun reagiert das Management auf mehrere unaufgeforderte Interessensbekundungen potenzieller strategischer Partner. Der Verwaltungsrat hat das Unternehmen beauftragt, einen Finanzberater einzuschalten, um die verschiedenen Optionen strukturiert zu prüfen.
Ob es am Ende tatsächlich zu einem Verkauf kommt, bleibt offen. Denkbar sind ebenso Teilverkäufe, strategische Partnerschaften oder eine Fusion mit einem Wettbewerber beziehungsweise Technologieanbieter. Die bewusst offene Formulierung zeigt, dass sich GoPro sämtliche Wege offenhalten will – ein typischer Schritt in Situationen, in denen operative Probleme und begrenzte Kapitalressourcen den Handlungsspielraum zunehmend einschränken.
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Verteidigungs- und Luftfahrtmarkt als mögliche Wachstumsfelder
Bereits im April hatte GoPro die Beratungsfirma Oliver Wyman mandatiert, um neue Marktchancen insbesondere im Verteidigungs- und Luftfahrtsektor auszuloten. Die robuste Kameratechnologie des Unternehmens könnte dort für Spezialanwendungen interessant sein – etwa bei Trainingszwecken, Drohneneinsätzen oder Dokumentationsaufgaben in sicherheitskritischen Umgebungen.
Die Initiative verdeutlicht, dass GoPro seine technologische Basis breiter monetarisieren möchte. Gleichzeitig gelten diese Märkte als komplex, stark reguliert und von langen Beschaffungszyklen geprägt. Kurzfristige Umsatzimpulse erscheinen deshalb eher unwahrscheinlich. Die nun gestartete strategische Prüfung könnte daher auch dem Ziel dienen, für diese Neupositionierung einen finanzstarken Partner zu finden.
Quartalszahlen verschärfen den Handlungsdruck
Parallel zur strategischen Ankündigung veröffentlichte GoPro die Zahlen für das erste Quartal – und die unterstreichen die schwierige Lage des Unternehmens. Für die drei Monate bis Ende März meldete der Konzern einen bereinigten Verlust von 35 US-Cent je Aktie. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus noch bei 12 Cent gelegen.
Auch beim Umsatz setzte sich der Negativtrend fort: Sowohl das Hardwaregeschäft als auch die Erlöse aus Abonnements und Services gingen zurück. Gerade diese wiederkehrenden Einnahmen galten lange als Hoffnungsträger, weil sie die Abhängigkeit vom zyklischen Hardwaregeschäft reduzieren sollten.
Die Kombination aus steigenden Verlusten und sinkenden Erlösen erhöht den Druck auf das Management erheblich. Mit einer Börsenbewertung im niedrigen dreistelligen Millionenbereich gilt GoPro inzwischen selbst für mittelgroße Technologie- oder Rüstungskonzerne als potenziell leicht finanzierbares Übernahmeziel.
Zwischen Kultmarke und Übernahmekandidat
GoPro gehörte einst zu den großen Gewinnern des Tech-Booms der 2010er-Jahre. Doch der Wettbewerb durch Smartphone-Kameras, asiatische Konkurrenten und sinkende Differenzierungsmöglichkeiten im Hardwarebereich haben das Geschäftsmodell zunehmend unter Druck gesetzt. Die Marke besitzt zwar weiterhin Strahlkraft – insbesondere im Outdoor- und Extremsportsegment –, doch operativ bleibt das Unternehmen deutlich hinter früheren Erwartungen zurück.
Die eingeleitete strategische Prüfung markiert deshalb mehr als nur eine weitere Option. Sie ist Ausdruck eines tiefgreifenden strukturellen Umbruchs. Ob GoPro künftig eigenständig bleibt oder unter dem Dach eines größeren Konzerns neue Perspektiven findet, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob sich ein Käufer findet, der im Zusammenspiel von Hardware, Software und Spezialanwendungen ein tragfähiges Zukunftsmodell erkennt.
Für Investoren steht inzwischen weniger das operative Geschäft im Mittelpunkt als vielmehr die Aussicht auf eine mögliche Transaktion.




