Die deutsche Baumarktbranche erlebt einen ihrer größten Einschnitte der vergangenen Jahre. Die Dortmunder Baumarktkette Hellweg sowie die Schwestergesellschaft BayWa Bau- und Gartenmärkte haben Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Betroffen sind insgesamt mehr als 4.300 Mitarbeiter sowie über 100 Standorte in Deutschland. Während der Geschäftsbetrieb zunächst uneingeschränkt fortgeführt wird, steht das gesamte Filialnetz auf dem Prüfstand.
Die Verfahren markieren einen weiteren Höhepunkt der Krise im deutschen DIY-Markt. Nach dem Boom während der Corona-Pandemie kämpfen zahlreiche Anbieter mit einer deutlich gesunkenen Nachfrage, steigenden Kosten und einem schwachen Konsumklima. Für Hellweg und BayWa kommt nun die entscheidende Phase ihrer Unternehmensgeschichte.
Schwieriges Marktumfeld setzt Baumarktbetreibern zu
Nach Angaben der Unternehmen haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschlechtert. Neben einer anhaltenden Kaufzurückhaltung der Verbraucher belasteten insbesondere höhere Einkaufspreise, steigende Mietkosten sowie inflationsbedingte Mehraufwendungen die Ertragslage.
Hinzu kommt die anhaltende Schwäche der Bauwirtschaft. Der Einbruch im Wohnungsbau und die rückläufige Zahl von Renovierungs- und Modernisierungsprojekten haben die Nachfrage nach Baumarktartikeln deutlich gedämpft. Während viele Verbraucher in den Pandemie-Jahren verstärkt in Haus und Garten investierten, ist dieser Effekt inzwischen weitgehend verpufft.
Bereits 2025 hatte die Unternehmensgruppe mehrere Standortschließungen angekündigt. Branchenbeobachter werteten dies damals bereits als Hinweis auf zunehmenden wirtschaftlichen Druck.
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Eigenverwaltung soll Sanierung ermöglichen
Die Insolvenzverfahren werden in Eigenverwaltung durchgeführt. Dieses Verfahren ermöglicht es Unternehmen, unter gerichtlicher Aufsicht selbst die Kontrolle über die Restrukturierung zu behalten.
Als Sanierungsexperten wurden die Restrukturierungsanwälte Gerrit Hölzle und Karl-Friedrich Curtze von der Wirtschaftskanzlei Görg eingebunden. Das Amtsgericht Essen bestellte den Insolvenzexperten Stefan Denkhaus zum vorläufigen Sachwalter. Seine Aufgabe besteht darin, die Interessen der Gläubiger während des Sanierungsprozesses zu überwachen.
Für Kunden und Lieferanten soll sich kurzfristig nichts ändern. Sowohl die stationären Märkte als auch die Online-Shops bleiben geöffnet. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit zunächst für drei Monate abgesichert.
Mehr als 100 Märkte stehen auf dem Prüfstand
Besonders aufmerksam verfolgt die Branche die angekündigte Überprüfung des Filialnetzes. Hellweg betreibt derzeit 68 Baumärkte in Deutschland, vor allem im Rhein-Ruhr-Gebiet und im Großraum Berlin. Das Unternehmen beschäftigt rund 2.900 Mitarbeiter.
Die BayWa Bau- und Gartenmärkte ergänzen das Netz mit mehr als 50 Standorten, überwiegend in Süddeutschland. Dort arbeiten rund 2.000 Beschäftigte. Zusammen verfügen beide Gesellschaften über ein Filialnetz von deutlich mehr als 100 Märkten.
Im Rahmen der Sanierung sollen sämtliche Kosten- und Ertragsstrukturen analysiert werden. Branchenkenner rechnen deshalb mit weiteren Standortschließungen sowie einer Straffung des Filialnetzes. Entscheidungen darüber werden voraussichtlich im Herbst erwartet.
Besondere Eigentümerstruktur erschwert die Lage
Die Insolvenzfälle sind auch deshalb bemerkenswert, weil Hellweg und BayWa Bau & Garten zwar eng miteinander verbunden sind, rechtlich jedoch getrennte Gesellschaften darstellen.
Die BayWa AG hatte ihr Baumarktgeschäft bereits 2012 ausgegliedert und an die Eigentümerfamilie der Hellweg-Gruppe übertragen. Seitdem werden die BayWa-Märkte operativ von Hellweg gesteuert, treten jedoch weiterhin unter dem traditionsreichen BayWa-Namen auf. Die BayWa AG hält bis heute eine Minderheitsbeteiligung von 15 Prozent an der Gesellschaft.
Die Verbindung beider Unternehmen führte über Jahre zu Synergien bei Einkauf, Logistik und Verwaltung. Nun müssen beide Gesellschaften gleichzeitig saniert werden – eine Herausforderung, die in dieser Größenordnung im deutschen Baumarkthandel selten ist.
Wettbewerber könnten profitieren
Während Hellweg und BayWa um ihre Zukunft kämpfen, dürften die großen Wettbewerber von der Unsicherheit profitieren. Marktführer Obi sowie Hornbach, Bauhaus und Toom verfügen über deutlich stärkere Marktpositionen und konnten ihre Strukturen in den vergangenen Jahren teilweise erfolgreicher an die veränderten Marktbedingungen anpassen.
Sollte es im Zuge der Restrukturierung zu weiteren Filialschließungen kommen, könnten insbesondere diese Anbieter Marktanteile übernehmen. Branchenexperten erwarten daher eine weitere Konsolidierung des deutschen Baumarktmarktes.
Für Hellweg und BayWa geht es in den kommenden Monaten jedoch zunächst um die grundlegende Frage, welche Standorte langfristig wirtschaftlich betrieben werden können. Die Antworten darauf dürften entscheidend dafür sein, ob beide Traditionsunternehmen ihre Sanierung erfolgreich abschließen können.





