Bürokratie und Regulierung gelten für viele Unternehmen inzwischen als größtes Problem des Wirtschaftsstandorts Deutschland. In einer Sonderauswertung der ifo Konjunkturumfrage nennen 50 Prozent der Unternehmen den bürokratischen Aufwand als zentrale Belastung. Energiekosten folgen mit 27 Prozent, Arbeitskosten mit 22 Prozent.
Aus Sicht des ifo Instituts wirkt Bürokratie dabei doppelt: Einerseits bindet sie Personal, das für andere Aufgaben fehlt. Andererseits können Genehmigungs-, Dokumentations- und Berichtspflichten Investitionen so stark verteuern, dass Projekte gar nicht erst begonnen werden.
Größere Unternehmen besonders betroffen
Zwischen Unternehmen verschiedener Größenklassen zeigen sich deutliche Unterschiede. Solo-Selbständige nennen Bürokratie mit 33 Prozent vergleichsweise selten als größtes Standortproblem. Bei Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten sind es 41 Prozent.
Bei größeren Betrieben steigt die Belastung deutlich. 50 Prozent der kleinen, 58 Prozent der mittleren und 59 Prozent der großen Unternehmen nennen Bürokratie als Problem. Das ifo Institut führt dies darauf zurück, dass mit wachsender Unternehmensgröße immer mehr Regelwerke gleichzeitig greifen – vom Arbeitsrecht bis zu Datenschutz- und Berichtspflichten.
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Industrie kämpft stärker mit Energiekosten
Die Probleme unterscheiden sich zudem deutlich nach Wirtschaftsbereich. In der Industrie nennen 39 Prozent der Unternehmen hohe Energiekosten als zentrale Belastung. Im Dienstleistungssektor liegt der Anteil dagegen lediglich bei 17 Prozent.
Damit bleibt Energie insbesondere für industrielle Unternehmen ein wichtiger Standortfaktor. Neben Bürokratie zählen hohe Energie-, Material- und Betriebskosten zu den zentralen Belastungen vieler Betriebe.
Bau leidet unter Fachkräftemangel und Genehmigungen
Im Baugewerbe rückt der Fachkräftemangel stärker in den Vordergrund. 29 Prozent der Unternehmen nennen fehlendes Personal als Problem, 13 Prozent verweisen auf langwierige Genehmigungsverfahren.
Für die Branche treffen damit zwei Engpässe aufeinander: Unternehmen benötigen qualifizierte Beschäftigte, gleichzeitig können komplexe Planungs- und Genehmigungsverfahren Projekte verzögern.
Handel spürt vor allem schwache Nachfrage
Im Handel steht dagegen die wirtschaftliche Lage stärker im Mittelpunkt. 25 Prozent der Unternehmen nennen die allgemeine Auftrags- und Nachfragesituation als größtes Problem – mehr als in jedem anderen Wirtschaftsbereich.
Damit zeigt sich, dass die Standortprobleme je nach Branche sehr unterschiedlich ausfallen. Während die Industrie stärker unter Energiepreisen leidet, dominieren im Handel Nachfragesorgen und im Bau Personal- und Genehmigungsprobleme.
Selbständige setzen andere Schwerpunkte
Solo-Selbständige bewerten die Standortprobleme anders als Unternehmen mit Beschäftigten. Sie nennen Unsicherheit und fehlende Planbarkeit mit 21 Prozent besonders häufig. 17 Prozent sehen zudem Steuern und Abgaben als wichtige Belastung.
Arbeitskosten oder Fachkräftemangel spielen für diese Gruppe dagegen eine deutlich geringere Rolle. Grundlage der Ergebnisse ist eine Sonderfrage innerhalb der ifo Konjunkturumfrage vom Juli 2026 mit 4.449 ausgewerteten Antworten aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen.





