Künstliche Intelligenz gewinnt im Recruiting deutscher Unternehmen an Bedeutung. Nach einer repräsentativen Bitkom-Befragung setzt bereits jedes achte Unternehmen KI im Bewerbungsprozess ein. Besonders verbreitet ist die Technologie bei der Erstellung von Stellenanzeigen und der ersten Sichtung von Bewerbungen. Selbst vollständig von KI geführte Bewerbungsgespräche sind für einen Teil der Unternehmen inzwischen vorstellbar.
Stellenanzeigen sind häufigster KI-Anwendungsfall
Am weitesten verbreitet ist KI bislang beim Formulieren von Stellenanzeigen. Neun Prozent der Unternehmen setzen die Technologie dafür bereits ein, weitere 59 Prozent können sich einen solchen Einsatz vorstellen.
Auch bei der gezielten Ansprache potenzieller Bewerber wächst das Interesse. Drei Prozent der Unternehmen spielen Stellenanzeigen bereits auf Grundlage von KI-Analysen zielgruppenspezifisch aus, 46 Prozent halten dieses Vorgehen grundsätzlich für denkbar.
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KI übernimmt erste Schritte bei der Bewerberauswahl
Bei der Sichtung eingehender Bewerbungen nutzen derzeit sechs Prozent der Unternehmen KI. Weitere 27 Prozent können sich vorstellen, die Technologie künftig zur ersten Vorauswahl einzusetzen.
Auch Kompetenz- und Potenzialanalysen werden zunehmend automatisiert. Fünf Prozent verwenden dafür bereits KI-Systeme, 34 Prozent zeigen sich offen für einen späteren Einsatz. Damit verlagern sich KI-Anwendungen schrittweise von administrativen Aufgaben hin zu Bereichen, die unmittelbaren Einfluss auf die Auswahl von Kandidaten haben.
Erste Unternehmen führen Interviews mit KI
Besonders weitgehend ist der Einsatz bei Bewerbungsgesprächen. Zwei Prozent der befragten Unternehmen lassen solche Gespräche bereits von einer KI führen. Weitere 17 Prozent können sich vorstellen, künftig entsprechende Systeme einzusetzen.
Damit bleibt das automatisierte Interview bislang eine Ausnahme, stößt aber auf deutlich größeres Interesse als die tatsächliche Nutzung vermuten lässt. Gerade hier gewinnen Fragen zu Transparenz, Nachvollziehbarkeit und rechtlichen Vorgaben besondere Bedeutung.
Unternehmen fordern klarere Regeln für den KI-Einsatz
Bitkom sieht im Personalbereich erhebliches Potenzial für KI, verweist zugleich aber auf die regulatorischen Anforderungen. Der Verband fordert insbesondere mehr Rechtssicherheit bei der Anwendung des europäischen AI Acts auf Personalprozesse.
Der Einsatz von KI im HR-Bereich ist besonders sensibel, weil automatisierte Systeme Entscheidungen vorbereiten oder beeinflussen können, die für Bewerber erhebliche Folgen haben. Unternehmen benötigen deshalb aus Sicht des Verbands verständliche Vorgaben dafür, welche Anwendungen unter welchen Voraussetzungen eingesetzt werden dürfen.
Digitale Bewerbungsprozesse sind bereits weit verbreitet
Unabhängig von KI ist die Digitalisierung des Recruitings in vielen Unternehmen deutlich weiter fortgeschritten. Alle befragten Unternehmen ermöglichen inzwischen die digitale Einreichung von Bewerbungsunterlagen. 73 Prozent bieten Bewerbern außerdem die Aufnahme in einen Talent- oder Bewerberpool an.
Videointerviews ermöglichen 50 Prozent der Unternehmen, weitere 34 Prozent können sich dies vorstellen. Digitale Assessment-Center oder Online-Tests werden von 37 Prozent angeboten. Bei knapp einem Drittel der Unternehmen können Arbeitsverträge bereits elektronisch unterzeichnet werden.
Die Ergebnisse zeigen damit einen zweistufigen Wandel: Während digitale Prozesse im Recruiting vielerorts bereits Standard sind, beginnt KI erst damit, einzelne Aufgaben von der Texterstellung bis zur Kandidatenbewertung zu übernehmen.





