Die deutsche Logistikbranche setzt zunehmend auf digitale Technologien und künstliche Intelligenz, stößt dabei aber vor allem bei Knowhow, IT-Sicherheit und Zeit an Grenzen. Laut einer repräsentativen Bitkom-Umfrage unter 502 Logistikunternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten sehen 91 Prozent die Digitalisierung grundsätzlich als Chance.
Besonders groß ist der Handlungsdruck durch steigende Kosten und knappe personelle Ressourcen. 100 Prozent der befragten Unternehmen nennen hohe Energiepreise als Herausforderung, 87 Prozent den Fachkräftemangel und 71 Prozent Unterbrechungen von Lieferketten.
KI ist in mehr als jedem zweiten Unternehmen angekommen
Künstliche Intelligenz wird inzwischen von 51 Prozent der Logistikunternehmen eingesetzt. 2022 lag dieser Anteil erst bei 22 Prozent. Weitere 22 Prozent planen den Einsatz, 14 Prozent diskutieren ihn.
Damit beschäftigen sich insgesamt 87 Prozent der Unternehmen mit KI. Gleichzeitig bleibt die Technologie umstritten: 58 Prozent glauben, dass KI eine ausgebildete Logistik-Fachkraft niemals vollständig ersetzen wird, 30 Prozent halten sie weiterhin für einen vorübergehenden Hype.
Die Erwartungen sind dennoch hoch. 57 Prozent hoffen auf günstigere interne Prozesse, 55 Prozent sehen KI als Mittel gegen den Fachkräftemangel.
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Fehlendes Knowhow bremst die Digitalisierung
Das größte Hindernis ist aus Sicht der Unternehmen nicht das Budget, sondern fehlendes Fachwissen. 73 Prozent nennen einen Mangel an Fachkräften oder Knowhow als zentrales Digitalisierungshemmnis.
Dahinter folgen Bedenken bei IT- und Datensicherheit mit 58 Prozent sowie Zeitmangel im Tagesgeschäft mit 57 Prozent. Fehlende finanzielle Mittel werden dagegen von 48 Prozent genannt.
Auch bei der konkreten KI-Nutzung zeigt sich eine Wissenslücke. 54 Prozent der Unternehmen sagen, ihnen fehle die Expertise, um KI sinnvoll in Logistikprozesse zu integrieren.
Schulungen nehmen zu, erreichen aber nicht alle Beschäftigten
Viele Unternehmen reagieren mit Weiterbildungsangeboten. 73 Prozent bieten bereits KI-Schulungen an.
Allerdings schulen nur acht Prozent sämtliche Beschäftigte. 31 Prozent beziehen einen Großteil der Belegschaft ein, 34 Prozent nur ausgewählte Mitarbeiter. Ein Viertel der Unternehmen bietet bislang überhaupt keine KI-Schulungen an.
Der Personalbedarf dürfte sich durch die Digitalisierung zugleich verschieben. Besonders bei IT-Fachkräften erwarten 47 Prozent der Unternehmen bis 2035 einen steigenden Bedarf, während bei Fahrern, Lager- und Vertriebsfachkräften häufiger mit einem Rückgang gerechnet wird.
Robotik überzeugt in der Theorie stärker als in der Praxis
Auch Roboter und autonome Transportsysteme gelten als wichtiger Hebel für Produktivität und Personalentlastung. 68 Prozent der Unternehmen erwarten effizientere Prozesse, 66 Prozent mehr Arbeitssicherheit.
55 Prozent glauben sogar, dass sich der Fachkräftemangel ohne Robotik nicht lösen lässt. In der praktischen Umsetzung bleiben jedoch Vorbehalte.
51 Prozent halten den Einsatz im eigenen Unternehmen finanziell für nicht attraktiv. Ebenso viele berichten von Skepsis in der Belegschaft.
Digitalinvestitionen sollen 2027 weiter steigen
Die strategische Bedeutung der Digitalisierung zeigt sich auch in den Budgets. 40 Prozent der Unternehmen investieren aktuell zwischen fünf und unter zehn Prozent ihres Jahresumsatzes in digitale Technologien, weitere 21 Prozent mindestens zehn Prozent.
Für 2027 planen 42 Prozent höhere Digitalinvestitionen. 45 Prozent wollen das aktuelle Niveau halten, lediglich elf Prozent ihre Ausgaben reduzieren.
Langfristig erwartet die Branche eine deutlich stärker automatisierte Logistik. 69 Prozent rechnen damit, dass KI bis 2036 große Teile der Lieferketten in Echtzeit steuern wird. 59 Prozent erwarten humanoide Roboter in Lagerhallen und ebenso viele Drohnenlieferungen bis zum Endkunden.





