Die Materialversorgung in der deutschen Industrie hat sich im Mai erneut verschlechtert. Nach aktuellen Daten des ifo Instituts berichten deutlich mehr Unternehmen über Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Vorprodukten als noch im Vormonat. Damit rücken Lieferkettenrisiken wieder stärker in den Fokus vieler Industriebetriebe.
Nach Einschätzung der ifo-Forscher tragen insbesondere geopolitische Spannungen dazu bei, dass die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen und Vorleistungen weiterhin störanfällig bleibt.
Anteil betroffener Unternehmen steigt
Im Mai meldeten 15,9 Prozent der Industrieunternehmen Materialengpässe. Im April hatte dieser Wert noch bei 13,8 Prozent gelegen. Damit setzt sich die zuletzt beobachtete Entspannung nicht fort.
Aus Sicht des ifo Instituts bewegen sich die aktuellen Werte weiterhin deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Vor der Corona-Pandemie lag der Anteil der betroffenen Industriebetriebe branchenübergreifend bei lediglich rund fünf Prozent.
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Chemie- und Kunststoffbranche besonders betroffen
Am stärksten leiden derzeit Unternehmen der Chemischen Industrie unter Versorgungsproblemen. Dort berichtet nahezu jedes dritte Unternehmen von Materialmangel.
Auch Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren kämpfen verstärkt mit Engpässen. Darüber hinaus melden zahlreiche Unternehmen der Elektroindustrie Schwierigkeiten bei der Beschaffung wichtiger Vorprodukte. Besonders betroffen sind Branchen, die in hohem Maße auf energie- und rohstoffintensive Materialien angewiesen sind.
Automobilindustrie vergleichsweise stabil
Deutlich besser stellt sich die Lage in der Automobilindustrie dar. Hier meldet lediglich jedes zehnte Unternehmen Probleme bei der Materialversorgung. Damit liegt die Branche aktuell unter dem Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes.
Die vergleichsweise stabile Situation dürfte auch auf die in den vergangenen Jahren vorgenommenen Anpassungen in den Beschaffungs- und Lagerstrategien vieler Hersteller zurückzuführen sein.
Produktionsrisiken bleiben bestehen
Trotz unterschiedlicher Betroffenheit der Branchen warnt das ifo Institut vor möglichen Folgen für die industrielle Produktion. Anhaltende Engpässe könnten Unternehmen dazu zwingen, ihre Fertigung zeitweise einzuschränken oder Aufträge zu verschieben.
Konsumnahe Branchen zeigen sich dagegen weiterhin vergleichsweise robust. In der Getränkeindustrie wurden zuletzt keine Materialengpässe gemeldet. Auch die Nahrungsmittelindustrie bleibt mit einem niedrigen Anteil betroffener Unternehmen weitgehend verschont.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass die Lieferketten vieler Industrieunternehmen weiterhin anfällig für geopolitische und wirtschaftliche Störungen bleiben. Eine nachhaltige Entspannung der Versorgungslage zeichnet sich derzeit noch nicht ab.


