Für den deutschen Spielzeughersteller Rolly Toys endet ein bedeutendes Kapitel seiner Unternehmensgeschichte. Die Franz Schneider GmbH & Co. KG wird ihren Produktionsstandort in Neustadt bei Coburg zum 31. Dezember 2026 schließen. Dies berichtete der Fränkische Tag als erstes am vergangenen Freitag. Mehr als 110 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz, während die Marke selbst erhalten bleiben und künftig an einem anderen Standort weitergeführt werden soll.
Sanierung in Eigenverwaltung bleibt erfolglos
Bereits im Februar 2026 hatte das Familienunternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, um den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und Investoren zu gewinnen. Trotz intensiver Bemühungen und fortgesetzter Eigenverwaltung nach Verfahrenseröffnung im April konnte jedoch keine tragfähige Lösung für den Standort gefunden werden. Ausschlaggebend waren vor allem die hohen Produktionskosten in Deutschland, die eine Fortführung wirtschaftlich unmöglich machten.
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Kombination aus Kostenanstieg und Nachfragerückgang
Die wirtschaftliche Schieflage ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Nach einem kurzfristigen Nachfrageboom während der Corona-Pandemie brach das Geschäft wieder ein. Gleichzeitig stiegen Energiepreise, Materialkosten und Beschaffungsausgaben deutlich an. Hinzu kamen zunehmender Preisdruck durch internationale Wettbewerber, Belastungen im Exportgeschäft sowie der Verlust eines wichtigen Großkunden im Jahr 2025.
Beschäftigte besonders betroffen
Die Werksschließung trifft die Belegschaft hart. Mehr als 110 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz, wobei viele von ihnen zur älteren Altersgruppe zählen und damit geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Um den Produktionsauslauf zu sichern, prüft die Geschäftsführung finanzielle Anreize für Beschäftigte, die bis zum Ende im Unternehmen verbleiben.
Marke soll weitergeführt werden
Trotz der Schließung des Werks gibt es Perspektiven für die Marke Rolly Toys. Nach Unternehmensangaben interessieren sich zwei potenzielle Investoren für eine Übernahme. Die Produktion könnte künftig an einem anderen europäischen Standort fortgesetzt werden, sodass die bekannten Kinderfahrzeuge weiterhin am Markt verfügbar bleiben.
Ende einer langen Industriegeschichte
Das Unternehmen wurde 1938 gegründet und entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem führenden Hersteller von Kinderfahrzeugen. Seit den 1960er-Jahren prägten insbesondere die Trettraktoren das Sortiment, häufig in Kooperation mit bekannten Landtechnikmarken. Zuletzt wurden jährlich rund 250.000 Fahrzeuge produziert. Mit der Schließung endet nicht nur ein traditionsreicher Standort, sondern auch ein weiteres Beispiel für die Verlagerung industrieller Produktion aus Deutschland.




