Der Snapchat-Mutterkonzern Snap erweitert seine Augmented-Reality-Plattform SPECS um den neuen Dienst SPECS Intelligence. Die KI soll auf iPhone, Mac und den SPECS-AR-Brillen persönliche Kontexte aus verbundenen Apps auswerten und daraus Hinweise, Informationen und Aktionen ableiten. Anders als klassische Assistenten soll SPECS Intelligence nicht erst auf einen Befehl warten, sondern relevante Unterstützung vorausschauend anbieten.
Die AR-Brille selbst positioniert Snap als eigenständigen Computer mit integrierter Rechentechnik, Sprach- und Gestensteuerung sowie transparenten Displays. Ergänzend baut das Unternehmen das Ökosystem mit Medien-, Shopping-, Navigations- und Unternehmensanwendungen aus.
SPECS Intelligence arbeitet geräteübergreifend
Der neue Dienst soll Ziele, Routinen, Beziehungen und Prioritäten aus den Diensten verstehen, die Nutzer freiwillig verbinden. Vor Besprechungen könnte die KI beispielsweise wichtige Entscheidungen oder offene Punkte hervorheben, bei Reisen Informationen zu Flügen, Hotels und Terminen zusammenführen.
Auf den im Juni vorgestellten SPECS-Brillen sollen solche Hinweise direkt in das Sichtfeld eingeblendet werden. Zusätzlich organisiert Snap persönliche Lebensbereiche über sogenannte Corners und verknüpft sie mit längerfristigen Goals. Eine Vorschau für iOS ist zunächst für Erwachsene in den USA verfügbar, der umfassendere Early Access über die Mac-App erfolgt auf Einladung.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Datenschutz soll zentraler Bestandteil sein
Nach Angaben von Snap bestimmen Nutzer selbst, welche Konten und Informationen SPECS Intelligence verwenden darf. Persönliche Inhalte aus verbundenen Diensten sollen weder zum Training der eigenen KI-Modelle noch für personalisierte Werbung genutzt werden.
Die Verarbeitung erfolgt laut Unternehmen teilweise auf dem Gerät und teilweise über abgesicherte Cloud-Infrastruktur. Snap erklärt außerdem, dass eigene Mitarbeiter nicht auf die persönlichen Inhalte zugreifen können sollen.
AR-Brille verbindet Medien, Navigation und Shopping
Snap erweitert SPECS parallel um zahlreiche Anwendungen. Übersetzungen sollen gesprochene Sprache aus 60 Sprachen als Untertitel direkt im Sichtfeld anzeigen. Für Navigation können Wegbeschreibungen und Richtungspfeile in die reale Umgebung eingeblendet werden.
Auch Commerce spielt eine größere Rolle. Über den Shopify Catalog sollen Produkte dreidimensional im Raum dargestellt und in Originalgröße platziert werden können. Der eigentliche Kauf erfolgt anschließend über die Website des jeweiligen Händlers.
Partnerschaften erweitern das Ökosystem
Zu den angekündigten Partnern gehören unter anderem Spotify, HBO Max, Tripadvisor, NBA, WNBA und mehrere Enterprise-Anbieter. Für Unternehmen arbeitet Snap beispielsweise mit Salesforce, Amazon Web Services, NVIDIA und weiteren Technologiepartnern zusammen.
Eine neue Ladehülle mit Mobilfunkverbindung soll vier zusätzliche Ladevorgänge ermöglichen und die Brille unabhängig von WLAN online halten. In den USA arbeitet Snap dafür mit Verizon zusammen, in Europa unter anderem mit Orange in Frankreich und EE in Großbritannien.
Marktstart beginnt im Herbst – Deutschland muss warten
Die SPECS-Brille soll in den USA, Großbritannien und Frankreich später im Herbst ausgeliefert werden. Der Preis liegt bei 2.195 US-Dollar, für die Variante mit Connected Case bei 2.395 US-Dollar. Für die Vorbestellung verlangt Snap eine rückerstattbare Anzahlung von 200 US-Dollar. Ein Start ist Deutschland ist bislang nicht bekannt.
Ab dem 1. Oktober können Interessierte SPECS zudem im Westfield Century City in Los Angeles ausprobieren. Snap will die Demonstrationsfläche im Verlauf des Weihnachtsgeschäfts regelmäßig um neue Anwendungen erweitern.





