Das Weihnachtsgeschäft bleibt ein zentrales Ereignis für Handel und Hersteller – doch nicht nur etablierte Anbieter profitieren. Eine aktuelle Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) zeigt: 15 Prozent der Deutschen kaufen bereits Weihnachtsgeschenke auf chinesischen Plattformen wie Temu, Shein oder Aliexpress. Vor allem einkommensschwache Haushalte und Familien mit Kindern nutzen diese Angebote besonders häufig.
Günstig statt hochwertig?
Während Amazon mit 66 Prozent weiterhin die meistgenutzte Plattform für Weihnachtsgeschenke bleibt und rund ein Drittel stationäre Fachgeschäfte bevorzugt, gewinnen Anbieter wie Temu rasant an Relevanz. Bemerkenswert ist dabei: Diejenigen, die dort einkaufen, haben meist schon zuvor Erfahrungen mit chinesischen Plattformen gemacht – sie gelten also als vergleichsweise loyale Kundengruppe. Preisbewusstsein spielt dabei eine zentrale Rolle: Wer bei Temu Geschenke kauft, legt deutlich mehr Wert auf niedrige Preise als auf Qualitäts- oder Nachhaltigkeitskriterien.
Ethische Aspekte wie faire Arbeitsbedingungen oder regionale Produktion rangieren in dieser Zielgruppe weit hinten. Während 83 Prozent der Gesamtbevölkerung Qualität und Haltbarkeit als wichtige Kaufkriterien nennen, sind es bei Temu-Käufern deutlich weniger. Umgekehrt geben sie häufiger an, den günstigen Preis für entscheidend zu halten. Dennoch zeigen 30 Prozent der Deutschen grundsätzliches Interesse, künftig Weihnachtsgeschenke bei Temu, Shein & Co. zu kaufen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Etablierte Händler unter Druck
Angesichts dieser Entwicklung empfiehlt das NIM etablierten Händlern, die wachsende Bedeutung chinesischer Anbieter strategisch ernst zu nehmen. PD Dr. Katharina Gangl vom NIM betont, dass Plattformen wie Temu nicht nur neue Kunden gewinnen, sondern bestehende auch erfolgreich binden. Sie sieht Wettbewerbsvorteile hiesiger Händler künftig weniger im Preis, sondern vielmehr im Service, Vertrauen und der emotionalen Bindung.
Trotz des Preisfokus einer wachsenden Käufergruppe bleibt das Weihnachtsfest für viele ein emotionales Ereignis – das zeigt sich auch im Budget: Im Schnitt planen die Deutschen Ausgaben von 351 Euro für Weihnachtsgeschenke. Höheres Einkommen und Kinder im Haushalt erhöhen die Ausgaben zusätzlich. Für 80 Prozent gehört das Schenken an Weihnachten weiterhin selbstverständlich dazu – nur die Art des Einkaufs verändert sich zunehmend.


