The Platform Group (TPG) baut ihr Engagement im Pharmabereich deutlich aus: Das Düsseldorfer Softwareunternehmen plant die vollständige Übernahme der AEP GmbH, einem der führenden pharmazeutischen Großhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro. Mit dem Zukauf soll ein eigenständiger Geschäftsbereich entstehen, der künftig unter der Bezeichnung „Pharma & Service Goods“ firmieren und eigenständig geführt werden soll.
Milliardenübernahme mit strategischer Ausrichtung
AEP mit Sitz in Alzenau betreibt eine B2B-Großhandelsplattform für Apotheken und beliefert mehrere tausend Betriebe in Deutschland. Die moderne Logistik-Infrastruktur sowie die rund 250 Beschäftigten gelten als zentrale Stärken des Unternehmens. Verkäufer ist ein Gesellschafterkreis, darunter die Österreichische Post AG als Mehrheitsaktionär. Die Unterzeichnung erfolgte am 26. Januar 2026, der Abschluss der Transaktion wird für das zweite Quartal erwartet – vorbehaltlich der Zustimmung des Bundeskartellamts.
Für TPG bedeutet die Übernahme eine deutliche Erweiterung der bisherigen Aktivitäten im Pharmasektor, die seit 2021 mit ApoNow bestehen. Über das bestehende Netzwerk verbindet ApoNow bereits über 39.800 Apotheken in vier Ländern. Gemeinsam mit AEP, apothekia und Doc.Green sollen diese Angebote nun in einer eigenen Einheit gebündelt werden.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Neue Struktur und angepasste Prognose
Mit dem Zusammenschluss verfolgt TPG das Ziel, eine digitale Plattformlösung für Apotheken und Hersteller bereitzustellen. Die neue Pharma-Sparte soll nach Unternehmensangaben mehr als 1,1 Milliarden Euro Umsatz und über 25 Millionen Euro EBITDA erwirtschaften, gestützt von rund 320 Mitarbeitenden. Bereits im Vorfeld war im Oktober 2025 eine entsprechende Strategieerweiterung angekündigt worden, die auch weitere Akquisitionen in Aussicht stellte.
Mit der Integration der neuen Einheit hebt TPG seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 deutlich an: Der Gross Merchandise Value (GMV) soll auf etwa 3,0 Milliarden Euro steigen (bisher: 1,7 Mrd.), der Umsatz auf rund 2,0 Milliarden Euro (bisher: 1,0 Mrd.) und das EBITDA auf 90 bis 100 Millionen Euro (bisher: 70–80 Mio.). Auch die Zahl der Partner soll mit über 25.000 deutlich über dem bisherigen Ziel von 18.000 liegen.
Finanzierung und strategischer Fokus
Die Finanzierung der Übernahme erfolgt über eine Kombination aus Eigenmitteln, Kapitalmaßnahmen und Fremdkapital. Zwei Kapitalerhöhungen in Höhe von insgesamt zwei Millionen Aktien sollen brutto 9,8 Millionen Euro einbringen. Gleichzeitig bleibt die Finanzierungsstrategie konservativ: Der Leverage soll weiterhin zwischen 1,5 und 2,3 liegen. Die ursprünglich geplante Übernahme der österreichischen Contracta GmbH wurde aus kartellrechtlichen Gründen verworfen, da sie im gleichen Marktsegment wie AEP tätig ist.
TPG sieht in der Gründung der eigenständigen Pharma-Sparte einen logischen Schritt zur langfristigen Positionierung im Apothekenmarkt. CEO Dr. Dominik Benner betont die Bedeutung nachhaltiger Strukturen und zielgerichteter Finanzierung, um die neue Einheit langfristig erfolgreich zu führen.


