Mit dem geplanten Erwerb des türkischen Liefergeschäfts von Getir setzt Uber seine Expansionsstrategie in einem der dynamischsten Digitalmärkte Europas fort. Die Transaktion markiert zugleich einen Wendepunkt für Getir, das sich nach intensiver Internationalisierung wieder verstärkt auf den Heimatmarkt konzentriert.
Strategische Neuausrichtung im türkischen Delivery-Markt
Uber Technologies und die staatliche Mubadala Investment Company haben eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach Uber das gesamte türkische Lieferportfolio von Getir übernimmt – inklusive Essens-, Lebensmittel-, Einzelhandels- und Wasserdienstleistungen. Die Übernahme steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen.
Für Uber ist der Schritt Teil einer langfristig angelegten Türkei-Strategie. Nach Vollzug der Übernahme sollen Getir und Trendyol Go enger zusammenarbeiten. Ziel ist es, die Reichweite und Auslastung der Kurierflotten zu erhöhen sowie Restaurants und Einzelhändler stärker in das Uber-Ökosystem einzubinden.
Getir-Nutzer sollen weiterhin über die Getir-App bestellen können, künftig jedoch mit zusätzlichem Restaurantangebot von Trendyol Go. Im Gegenzug erhalten Trendyol-Go-Kunden Zugang zu den Quick-Commerce-Diensten von Getir – ein Schritt, der beiden Plattformen neue Marktchancen eröffnen dürfte.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Uber verfolgt ehrgeizige Wachstumsstrategie
Die Türkei gilt als besonders wettbewerbsintensiver und zugleich wachstumsstarker Markt für digitale Plattformen in Europa und im Nahen Osten. Uber-CEO Dara Khosrowshahi betont die Bedeutung des Landes: Durch die Bündelung zweier führender Anbieter soll ein leistungsfähiges Ökosystem entstehen, das Kunden, Kurieren und Händlern gleichermaßen Vorteile bringt.
Die Übernahme ist Bestandteil von Ubers Strategie, über Mobilität hinauszugehen und Delivery als zweite tragende Säule auszubauen. In mehreren Märkten setzt Uber dabei verstärkt auf Akquisitionen und Partnerschaften.
Getirs Rückbesinnung auf den Heimatmarkt
Gegründet 2015 in Istanbul, war Getir einer der ersten Anbieter im Quick-Commerce-Segment. Mit Lieferzeiten von unter zehn Minuten expandierte das Unternehmen ab 2020 rasant in Europa und den USA. Während der Hochphase der Tech-Bewertungen erreichte Getir eine Milliardenbewertung und galt als prominentes Start-up.
Ab 2022 geriet das Modell unter Druck: steigende Kosten, intensiver Wettbewerb und ein erschwerter Kapitalmarkt führten zum Strategiewechsel. Getir zog sich aus internationalen Märkten zurück und fokussierte sich wieder auf die Türkei. Der Staatsfonds Mubadala spielte dabei eine zentrale Rolle als Finanzierungspartner.
Mit dem Verkauf an Uber geht Getir den nächsten Schritt dieser Neuausrichtung. CEO Batuhan Gultakan spricht von einem Meilenstein, der die Stärken der Marke und des Modells unterstreicht. Die Integration ins Uber-Netzwerk soll globale Skalierung ermöglichen – ohne die Risiken einer eigenen Expansion.
Auswirkungen auf Wettbewerb und Marktstruktur
Die Übernahme dürfte die Konsolidierung im türkischen Liefermarkt weiter vorantreiben. Uber wird mit der vereinten Plattform eine deutlich stärkere Marktstellung erreichen. Händler und Restaurants könnten von gesteigerter Nachfrage profitieren, Kuriere von besserer Auslastung.
Für Mubadala ist der Deal ein Beleg für das langfristige Potenzial des türkischen Marktes. Der Fonds will auch künftig weitere Investitionschancen im Land prüfen.
Ob und wie die Integration von Getir und Trendyol Go erfolgt, hängt von regulatorischen Entscheidungen ab. Schon jetzt aber gilt die Vereinbarung als Wendepunkt für die Branche – und für die Rolle von Uber und Getir im türkischen Markt.


