Nachhaltigkeit bleibt für viele Deutsche bei Urlaubsreisen relevant, verändert aber zunehmend ihre Form. Statt auf bestimmte Reisearten grundsätzlich zu verzichten, bevorzugen Reisende häufiger praktische und nachhaltigere Angebote innerhalb ihrer bestehenden Reiseplanung. Gleichzeitig steigt die Bereitschaft, dafür zusätzliches Geld auszugeben. Das zeigt der MobilitätsMonitor von YouGov auf Basis einer Befragung von mehr als 20.000 Menschen in Deutschland.
Zahlungsbereitschaft steigt auf 31 Prozent
Besonders deutlich verändert hat sich die Bereitschaft, für nachhaltigere Reiseangebote höhere Preise zu akzeptieren. Im Herbst 2025 erklärten 31 Prozent der Befragten, für umweltfreundliche Verkehrsmittel oder nachhaltige Angebote am Reiseziel mehr bezahlen zu wollen. Ein Jahr zuvor waren es 24 Prozent.
Damit erhöhte sich der Anteil innerhalb eines Jahres um sieben Prozentpunkte. Gleichzeitig gewinnen Nachhaltigkeitssiegel und Zertifizierungen bei Unterkünften an Bedeutung. Ihr Anteil als Orientierungshilfe stieg von 25 auf 28 Prozent.
Auch die Bereitschaft zur freiwilligen CO₂-Kompensation nahm leicht zu. Zehn Prozent der Befragten können sich entsprechende Zahlungen an eine Klimaschutzorganisation vorstellen, nach acht Prozent im Vorjahr.
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Weniger Reisende wollen auf Flüge verzichten
Während die Zahlungsbereitschaft steigt, verlieren Verzichtsstrategien leicht an Zustimmung. Noch 32 Prozent der Befragten geben an, Flugreisen zur Reduzierung ihres CO₂-Ausstoßes zu vermeiden. Das sind zwei Prozentpunkte weniger als 2024.
Auch die Bereitschaft, bewusst auf Kreuzfahrten zu verzichten, sank gegenüber dem Vorjahr leicht. Die Ergebnisse deuten damit auf eine Verschiebung hin: Nachhaltigkeitsaspekte bleiben relevant, sollen aber zunehmend in bestehende Reisegewohnheiten integriert werden, statt bestimmte Urlaubsformen grundsätzlich auszuschließen.
Nachhaltigkeit findet vor allem am Urlaubsort statt
Besonders verbreitet sind Maßnahmen, die sich unmittelbar am Reiseziel umsetzen lassen. 54 Prozent der Befragten kaufen nach eigenen Angaben lokale Produkte. 59 Prozent bevorzugen Restaurants, Unterkünfte oder Geschäfte, die von Menschen vor Ort betrieben werden, und unterstützen damit die regionale Wirtschaft.
Zwei Drittel halten es für wichtig, dass die lokale Bevölkerung in die touristische Entwicklung einer Region einbezogen wird. 68 Prozent verzichten darauf, im Hotel täglich frische Bettwäsche und Handtücher zu erhalten.
Den höchsten Zustimmungswert erreicht der respektvolle Umgang mit den Kulturen, Lebensweisen und Perspektiven am Reiseziel. Für 77 Prozent der Befragten gehört dieser Aspekt zu nachhaltigem Reisen.
Jüngere Reisende achten stärker auf Nachhaltigkeit
Die Untersuchung zeigt zugleich Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Jüngere Menschen berücksichtigen Nachhaltigkeitsaspekte und Klimafolgen häufiger bei ihrer Reiseplanung und zeigen eine höhere Bereitschaft, ihr Verhalten entsprechend anzupassen.
Auch Frauen weisen laut YouGov insgesamt eine stärkere Nachhaltigkeitsorientierung auf als Männer. Sie achten unter anderem häufiger auf faire Arbeitsbedingungen, Nachhaltigkeitskriterien und umweltfreundliches Verhalten am Reiseziel.
Daneben spielt die finanzielle und soziale Situation eine Rolle. Menschen aus höheren sozialen Schichten zeigen eine größere Bereitschaft, zusätzliche Kosten für nachhaltige Reiseangebote zu übernehmen.
Tourismusbranche kann mit einfachen Angeboten punkten
Für Reiseveranstalter, Hotels, Verkehrsanbieter und andere Tourismusunternehmen ergeben sich daraus konkrete Ansatzpunkte. Die Ergebnisse sprechen dafür, Nachhaltigkeitsangebote möglichst einfach in bestehende Reiseabläufe zu integrieren und ihren Nutzen für Kunden klar erkennbar zu machen.
YouGov sieht insbesondere in niedrigschwelligen Angeboten Potenzial. Statt Reisende vor die Wahl zwischen Nachhaltigkeit und gewünschten Urlaubsformen zu stellen, könnten Anbieter nachhaltigere Alternativen innerhalb bestehender Angebote schaffen.
Der MobilitätsMonitor zeigt damit einen pragmatischen Wandel im Reiseverhalten. Nachhaltigkeit verliert nicht grundsätzlich an Bedeutung, wird aber weniger mit Verzicht verbunden. Für die Tourismusbranche dürfte deshalb entscheidend sein, nachhaltige Optionen so anzubieten, dass sie komfortabel, nachvollziehbar und ohne größere Einschränkungen genutzt werden können.






