Künstliche Intelligenz verändert den Handel grundlegend: Digitale Agenten übernehmen Einkäufe, vergleichen Preise, tätigen Zahlungen – ohne menschliches Zutun. Eine neue Studie von Riverty und Adyen zeigt, wie die deutschen Verbraucher diesem Wandel gegenüberstehen.
Autonomie mit Einschränkungen
Die Mehrheit der Deutschen zeigt sich offen für automatisierte Einkaufsprozesse, möchte der KI aber enge Grenzen setzen. 50 Prozent würden einer künstlichen Intelligenz ein monatliches Budget von bis zu 50 Euro einräumen, 24 Prozent bis 100 Euro, und nur 15 Prozent bis 250 Euro. Insbesondere ältere Verbraucher tendieren zur niedrigsten Schwelle. Junge Erwachsene aus der Gen Z sind hingegen etwas aufgeschlossener und bevorzugen tendenziell ein Limit bis 100 Euro.
Auffällig ist der starke Wunsch nach Kontrolle: 93 Prozent der Befragten möchten Entscheidungen der KI einsehen oder bei Bedarf stoppen können. Fast die Hälfte fordert sogar, dass jede Transaktion vom Menschen bestätigt werden muss – vor allem bei sensiblen oder hochpreisigen Produkten. Frauen sind in diesem Punkt zurückhaltender als Männer: 53 Prozent sprechen sich für manuelle Freigaben aus, bei Männern sind es 44 Prozent.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Emotionale Hürden und Vertrauen in bekannte Marken
Trotz technischer Offenheit dominieren bei vielen Verbrauchern Gefühle wie Skepsis (46 Prozent) und Kontrollverlust (44 Prozent). Besonders jüngere Zielgruppen zeigen jedoch auch Neugier (33 Prozent), was für ein langfristiges Potenzial spricht. Vertrauen spielt dabei eine zentrale Rolle: 79 Prozent würden sich sicherer fühlen, wenn sie transparent nachvollziehen könnten, wie die KI Kaufentscheidungen trifft und Daten verwendet.
Am ehesten akzeptieren Nutzer automatisierte Käufe bei Unterhaltung, Elektronik und Lebensmitteln. Bei sensiblen Kategorien wie Kinderspielzeug oder Kosmetik bestehen dagegen weiterhin Vorbehalte. Händler müssen hier gezielt aufklären und Vertrauen aufbauen – vor allem über bekannte Marken, die von 34 Prozent der Befragten bevorzugt werden.
Zahlungsarten entscheiden über Vertrauen
Ein zentraler Aspekt beim Vertrauen in KI-gesteuerte Käufe ist die Wahl der Zahlungsmethode. 55 Prozent der Verbraucher setzen auf den klassischen Rechnungskauf, da er ein Höchstmaß an Kontrolle ermöglicht. Dahinter folgen Kreditkarte und Lastschrift mit jeweils nur 13 Prozent Zustimmung. 70 Prozent geben an, dass auch Buy Now, Pay Later ihr Sicherheitsgefühl stärkt – vorausgesetzt, Transparenz und Reklamationsmöglichkeiten sind gewährleistet.
Laut Alexander Scheibel von Riverty lehnen Verbraucher KI nicht grundsätzlich ab – sie lehnen Unsicherheit ab. Händler, die auf transparente Kommunikation und flexible, vertrauensfördernde Zahlungsmodelle setzen, könnten sich im aufkommenden Agentic Commerce entscheidend positionieren.


