Alibaba hat das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 mit einem deutlichen Umsatzanstieg abgeschlossen und profitiert zunehmend von seiner strategischen Ausrichtung auf künstliche Intelligenz. Vor allem das Cloudgeschäft entwickelte sich dynamisch und verzeichnete das stärkste Wachstum seit mehreren Quartalen. Gleichzeitig investiert der chinesische Technologiekonzern massiv in Rechenzentren, eigene KI-Chips und neue Anwendungen.
Diese hohen Ausgaben sowie verschiedene Sondereffekte belasteten allerdings das operative Ergebnis und den Nettogewinn. Die Konzernführung sieht die Investitionen als Grundlage für langfristiges Wachstum und eine stärkere Monetarisierung ihrer KI-Plattformen.
Cloudgeschäft wächst rasant dank steigender KI-Nachfrage
Im Berichtsquartal erzielte Alibaba einen Umsatz von 268,95 Milliarden Renminbi (rund 34,2 Milliarden Euro) und übertraf den Vorjahreswert um neun Prozent. Besonders stark entwickelte sich der Bereich AI Cloud and Compute Services, dessen Erlöse um 45 Prozent zulegten. Sowohl der Gesamtumsatz als auch die Umsätze mit externen Kunden beschleunigten sich deutlich. Haupttreiber war die steigende Nachfrage nach KI-Diensten und Rechenkapazitäten. Die Erlöse mit KI-Produkten erreichten 12,38 Milliarden Renminbi (rund 1,57 Milliarden Euro) und verzeichneten bereits das zwölfte Quartal in Folge ein Wachstum im dreistelligen Prozentbereich.
Nach Unternehmensangaben entwickelt sich Alibaba Cloud damit zunehmend zur zentralen Wachstumsplattform des Konzerns. Gleichzeitig verbesserte sich die Profitabilität des Cloudgeschäfts deutlich. Das bereinigte operative Ergebnis der Sparte stieg um 133 Prozent, was sowohl auf das Umsatzwachstum als auch auf höhere Effizienz zurückgeführt wird.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Konzern ordnet Geschäftsbereiche neu und verzahnt E-Commerce mit KI
Parallel zum Ausbau des Cloudgeschäfts hat Alibaba seine Unternehmensstruktur grundlegend angepasst. Die bisherigen China- und International-Commerce-Einheiten wurden gemeinsam mit Freshippo und weiteren Handelsaktivitäten zur neuen Alibaba E-commerce Group zusammengeführt. Zudem wurden die Cloud-Sparte und der Chipentwickler T-Head unter dem Bereich AI Cloud and Compute Services gebündelt. Neue KI-Anwendungen wie QwenWork, die Qwen-App sowie die Entwicklungsabteilungen für Sprach- und Multimodalmodelle bilden künftig den eigenständigen Bereich AI Labs and Applications.
Mit dieser Neuorganisation will Alibaba Synergien zwischen Handel, Cloud-Infrastruktur und künstlicher Intelligenz schaffen. KI-Anwendungen sollen künftig sowohl das Einkaufserlebnis der Verbraucher verbessern als auch Händler bei Produktmanagement, Werbung und Kundenservice unterstützen. Ein Beispiel ist der neue Qwen Shopping Assistant, der Kunden während des gesamten Einkaufsprozesses begleitet. Nach Unternehmensangaben haben bereits rund 250 Millionen Nutzer erstmals KI-gestützte Einkaufsfunktionen über die Qwen-App genutzt.
Quick Commerce wächst deutlich schneller als das klassische Handelsgeschäft
Innerhalb des Handelsgeschäfts entwickelte sich insbesondere der Bereich China Quick Commerce dynamisch. Die Umsätze stiegen um 45 Prozent auf 53,3 Milliarden Renminbi (rund 6,78 Milliarden Euro). Wachstumstreiber waren unter anderem Taobao Instant Commerce und die Supermarktkette Freshippo, deren Expansion in kleinere Städte sowie die engere Zusammenarbeit innerhalb des Alibaba-Ökosystems zusätzliche Bestellungen generierten.
Das traditionelle China-E-Commerce-Geschäft blieb dagegen unter Druck. Die Erlöse aus dem Customer-Management-Geschäft gingen um sieben Prozent zurück. Bereinigt um Effekte eines neuen Förderprogramms hätte sich allerdings ein leichtes Wachstum ergeben. Gleichzeitig wuchs die Zahl der 88VIP-Mitglieder, dem Premium-Kundenprogramm von Alibaba, auf rund 64 Millionen und legte damit erneut zweistellig gegenüber dem Vorjahr zu. Auch international erzielte Alibaba Fortschritte. AliExpress erreichte erstmals die Gewinnzone, nachdem Logistikprozesse optimiert und Kosten gesenkt wurden. Gleichzeitig stieg der Anteil lokal beschaffter Produkte auf der Plattform deutlich an.
Milliardeninvestitionen drücken auf Gewinn und freien Cashflow
Trotz des Umsatzwachstums fiel das operative Ergebnis des Konzerns deutlich schwächer aus. Es sank um 57 Prozent auf 15,16 Milliarden Renminbi (rund 1,93 Milliarden Euro). Der Nettogewinn verringerte sich sogar um 75 Prozent auf 10,44 Milliarden Renminbi (rund 1,33 Milliarden Euro). Neben umfangreichen Investitionen in Technologie und Forschung wirkten sich Abschreibungen auf Firmenwerte sowie Rückstellungen belastend aus. Zusätzlich gingen Gewinne aus Beteiligungsverkäufen und der Neubewertung von Investments gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich zurück.
Besonders deutlich zeigt sich die Investitionsoffensive beim Ausbau der KI-Infrastruktur. Die Investitionsausgaben erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr um 75 Prozent auf 67,68 Milliarden Renminbi (rund 8,61 Milliarden Euro). Alibaba investiert dabei vor allem in zusätzliche Rechenkapazitäten, Server, eigene Halbleiter sowie Infrastruktur für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle. Dadurch verschlechterte sich der freie Cashflow erheblich und lag mit einem Mittelabfluss von 44,67 Milliarden Renminbi (rund 5,68 Milliarden Euro) deutlich unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig verfügt der Konzern weiterhin über liquide Mittel und kurzfristige Anlagen von rund 474,5 Milliarden Renminbi (rund 60,3 Milliarden Euro), wodurch die Finanzierung der langfristigen Investitionen gesichert bleibt.
KI soll künftig neue Erlösquellen erschließen
Für die kommenden Quartale setzt Alibaba verstärkt auf die wirtschaftliche Nutzung seiner KI-Technologien. Das Unternehmen hat in den vergangenen Monaten neue Sprach-, Bild-, Video-, Audio- und Programmiermodelle vorgestellt und entwickelt diese kontinuierlich weiter. Hinzu kommen Anwendungen wie QwenWork für Unternehmen sowie die Qwen-App für Endverbraucher, die zunehmend mit den Handelsplattformen des Konzerns verknüpft werden. Nach Einschätzung des Managements entstehen dadurch neue Umsatzpotenziale sowohl im Cloudgeschäft als auch im E-Commerce. Gleichzeitig sollen die enge Verzahnung der Geschäftsbereiche und die kontinuierlichen Investitionen Alibaba langfristig in eine führende Position im internationalen Wettbewerb um künstliche Intelligenz bringen.





