Amazon strukturiert seine Lebensmittelsparte in den USA radikal um: Der Konzern schließt sämtliche physischen Amazon Go- und Amazon Fresh-Läden und setzt künftig auf zwei Pfeiler – den Ausbau des Online-Lebensmittelgeschäfts und die Expansion von Whole Foods Market.
Fokus auf Online-Lieferung und Whole Foods
Über 5.000 Städte und Gemeinden in den USA beliefert Amazon bereits mit frischen Lebensmitteln. Die Same-Day-Delivery-Dienste, bei denen Frischwaren zusammen mit Elektronik oder Haushaltsartikeln innerhalb weniger Stunden geliefert werden, sollen 2026 deutlich ausgeweitet werden. Besonders laut Amazon erfolgreich: Die Integration von Frischwaren in die Expresslieferung ließ die Nachfrage in diesem Segment seit Anfang 2025 um das 40-Fache steigen. Gleichzeitig testet Amazon mit „Amazon Now“ ein neues Ultra-Schnellformat, bei dem wichtige Produkte – auch Frischwaren – innerhalb von 30 Minuten ankommen sollen. Zuletzt wurde der Service auch in London pilotiert.
Auch physisch bleibt Amazon präsent – aber künftig unter dem Dach von Whole Foods Market. Der Bio-Supermarkt, den Amazon 2017 übernommen hat, verzeichnet seitdem ein Umsatzplus von über 40 Prozent und soll in den kommenden Jahren um mehr als 100 neue Filialen wachsen. Ergänzt wird das Konzept durch kleinere, stadtnahe „Daily Shop“-Filialen mit Grab-and-Go-Angeboten. Bis Ende 2026 sollen fünf weitere dieser Läden eröffnen.
Amazon unaufhaltsam
Just-Walk-Out bleibt intern
Die Schließung der Amazon Fresh- und Amazon Go-Filialen bedeutet nicht das Ende technologischer Ambitionen. Die hauseigene Just-Walk-Out-Technologie – bekannt für kassenfreies Einkaufen – kommt weiterhin in über 360 Drittanbieter-Standorten weltweit zum Einsatz. Künftig wird Amazon sie verstärkt intern nutzen: Mehr als 40 Logistikzentren in Nordamerika setzen das System bereits in Pausenräumen ein, viele weitere sollen folgen. Ziel ist, den Mitarbeitern während der kurzen Pausen maximale Effizienz zu bieten.
Während sich Amazon im stationären Handel neu aufstellt, kündigt das Unternehmen an, weiterhin neue physische Formate zu testen – darunter ein großflächiges Supercenter-Konzept, das Lebensmittel, Haushaltswaren und Elektronik unter einem Dach vereinen soll. Mit der strategischen Neuausrichtung konzentriert sich Amazon auf Effizienz, Kundennähe und Innovationskraft – und auf Formate, die wirtschaftlich tragfähig sind.


