Das Weihnachtsgeschäft 2025 offenbarte ein klares Dilemma für Verbraucher: gut oder günstig. Besonders deutlich zeigt sich dies beim wachsenden Einfluss asiatischer Billigplattformen wie Temu und Shein. Laut einer aktuellen Erhebung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) entfiel zum Jahresende bereits jede 20. Online-Bestellung aus Deutschland auf einen dieser Anbieter – ein bemerkenswerter Anteil angesichts der zahlreichen Berichte über mangelhafte Qualität und Sicherheitsprobleme.
Sparzwang als Hauptgrund für den Einkauf
Trotz aller Warnungen bleiben die Plattformen gefragt. In einer ergänzenden bevh-Befragung zeigte sich: Fast ein Viertel der Befragten (24,4 %) gab an, schlichtweg nicht genug Geld zu haben, um sich qualitativ höherwertige Alternativen leisten zu können. Der ursprüngliche Reiz günstiger Schnäppchen sei dabei oft zweitrangig, erklärte Daniela Bleimaier vom bevh. Vielmehr mangele es einer wachsenden Zahl von Menschen an realistischen Optionen.
Gerade junge Verbraucher zeigen sich offen gegenüber den Gründen für ihren Einkauf bei Temu & Co.: Über 60 % der unter 30-Jährigen nennen Preisnachlässe und Sonderangebote als Kaufanreiz. In der Gesamtbevölkerung hingegen wollten 76,8 % ihre Gründe entweder nicht nennen oder zogen es vor zu schweigen – ein Zeichen für mögliche Imageprobleme dieser Plattformen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Ignorieren, testen, zurücksenden
Auffällig ist der Umgang vieler Käufer mit den bekannten Risiken: 40,2 % der Kundinnen und Kunden vertrauen den Warnungen aus den Medien nicht. 53,5 % glauben, selbst beurteilen zu können, ob ein Produkt sicher ist. Rund ein Drittel nutzt gezielt das Rückgaberecht, um Ware zunächst zu testen und gegebenenfalls wieder zurückzugeben.
Alien Mulyk, Geschäftsführerin Public Affairs beim bevh, sieht darin eine ernsthafte Herausforderung für Politik und Handel. Verbraucher seien für Appelle an Sicherheit und Nachhaltigkeit kaum empfänglich, solange ihnen die wirtschaftlichen Mittel fehlten. Sie fordert bessere Rahmenbedingungen, damit Konsumenten sich wieder für Qualität entscheiden können. Bis dahin bleibe es Aufgabe der Behörden, geltendes Recht durchzusetzen und Risiken zu minimieren.


