Delivery Hero blickt nach einem starken ersten Halbjahr optimistischer auf das Gesamtjahr 2026. Der Berliner Lieferplattform-Betreiber hat seine Prognose für alle wichtigen Finanzkennzahlen angehoben. Ausschlaggebend sind ein beschleunigtes Wachstum im zweiten Quartal, eine deutlich verbesserte Profitabilität sowie eine kräftige Entwicklung im Quick-Commerce-Geschäft. Gleichzeitig setzt das Unternehmen seine Strategie als sogenannte „Everyday App“ konsequent fort und treibt den Einsatz künstlicher Intelligenz sowie den Ausbau seiner Schnelllieferinfrastruktur weiter voran.
Umsatz- und Gewinnentwicklung übertreffen Erwartungen
Im zweiten Quartal 2026 legte das Bruttowarenvolumen (GMV) auf vergleichbarer Basis um 11,3 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro zu und beschleunigte sich damit gegenüber dem ersten Quartal. Der Umsatz stieg um 17,7 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro, während die Zahl der Bestellungen um 11 Prozent auf 981 Millionen zunahm.
Auch im ersten Halbjahr entwickelte sich das Geschäft besser als erwartet. Das bereinigte EBITDA erreichte 427 Millionen Euro und lag damit sowohl über dem Vorjahreswert als auch über den Erwartungen des Unternehmens. Besonders deutlich verbesserte sich der Free Cash Flow, der sich von minus 8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 348 Millionen Euro erhöhte. Vor diesem Hintergrund hob Delivery Hero seine Jahresprognose für sämtliche wesentlichen Finanzkennzahlen an. Das Unternehmen rechnet nun mit einem stärkeren Wachstum bei Bruttowarenvolumen und Umsatz sowie mit einer höheren operativen Profitabilität und einem verbesserten Free Cash Flow.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Quick Commerce entwickelt sich zum wichtigsten Wachstumstreiber
Ein wesentlicher Wachstumsmotor bleibt das Quick-Commerce-Geschäft. Das entsprechende Bruttowarenvolumen stieg im zweiten Quartal auf vergleichbarer Basis um 32 Prozent. Mittlerweile entfallen 18,3 Prozent des gesamten Konzernvolumens auf dieses Geschäftsfeld.
Besonders erfolgreich entwickelt sich das Netzwerk der sogenannten Dmarts, kleiner Lagerstandorte für besonders schnelle Lieferungen. Die Zahl der Bestellungen über diese Standorte erhöhte sich um 39 Prozent und verzeichnete damit das stärkste Wachstum seit mehr als drei Jahren. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Bestellungen je Lager um 28 Prozent, obwohl das Filialnetz lediglich moderat erweitert wurde. Neue Standorte sollen überwiegend in der zweiten Jahreshälfte eröffnet werden. Auch das Abo-Modell gewinnt weiter an Bedeutung. Abonnenten stehen inzwischen für 47 Prozent des gesamten Konzernumsatzvolumens. Kunden, die mehrere Quick-Commerce-Angebote nutzen, geben laut Unternehmen durchschnittlich ein Vielfaches dessen aus, was klassische Einzelkunden bestellen.
Künstliche Intelligenz soll Partner und Entwicklung beschleunigen
Neben dem operativen Ausbau investiert Delivery Hero verstärkt in künstliche Intelligenz. Im August stellte das Unternehmen einen KI-Assistenten vor, der Restaurants und lokalen Händlern bei Werbeaktionen, Speisekarten, Marketingkampagnen und der Beantwortung von Kundenbewertungen unterstützt. Nach Unternehmensangaben konnten teilnehmende Restaurants ihre Bestellungen im Durchschnitt um 15 Prozent steigern. Der Assistent wird bereits bei mehr als 40.000 Partnerunternehmen eingesetzt und soll schrittweise weiter ausgerollt werden.
Darüber hinaus nutzt Delivery Hero mit „Herogen“ einen eigenen KI-Agenten für die Softwareentwicklung. Nach Angaben des Unternehmens entspricht dessen jährliche Entwicklungsleistung inzwischen der Arbeitskapazität von rund 130 erfahrenen Softwareentwicklern.
Wachstum in nahezu allen Regionen
Regional verzeichnete Delivery Hero in allen wichtigen Märkten steigende Geschäftsvolumina. Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft in Nord- und Südamerika mit einem Wachstum des Bruttowarenvolumens von 29,1 Prozent. Auch der Nahe Osten und Nordafrika legten mit 14,9 Prozent deutlich zu. In Europa beschleunigte sich das Wachstum auf 8,4 Prozent, getragen vor allem von der starken Entwicklung der Tochter Glovo und dem expandierenden Quick-Commerce-Geschäft.
In Asien setzte sich die Erholung ebenfalls fort. Dort beschleunigte sich das Wachstum bereits das dritte Quartal in Folge. Gleichzeitig entwickelte sich das margenstarke Werbegeschäft innerhalb der Plattformen weiter positiv und gewann zusätzlich an Bedeutung für die Umsatzentwicklung.
Übernahmeangebot von Uber bleibt im Hintergrund
Neben den operativen Zahlen bleibt auch das angekündigte Übernahmeangebot von Uber ein wichtiges Thema. Der Fahrdienst- und Lieferkonzern hatte im Juli ein freiwilliges Angebot über 41,50 Euro je Aktie vorgelegt.
Bis zum geplanten Abschluss der Transaktion, der in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 erwartet wird und noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen steht, arbeiten beide Unternehmen unabhängig voneinander weiter. Delivery Hero will seinen Fokus nach eigenen Angaben unverändert auf den Ausbau der Everyday-App-Strategie, weiteres Wachstum sowie die Verbesserung der Profitabilität legen.





