Der US-Quick-Commerce-Anbieter DoorDash erweitert sein Geschäftsmodell über die klassische Lieferung hinaus und setzt verstärkt auf Daten als strategische Ressource. Mit der neuen Standalone-App „Tasks“ können Fahrer künftig zusätzliche Aufgaben übernehmen – und gleichzeitig zur Weiterentwicklung von KI- und Robotiksystemen beitragen.
Neue Einnahmequelle für Fahrer
Mit „Tasks“ schafft DoorDash eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit für seine Fahrer, die sogenannten Dashers. Statt ausschließlich Lieferungen auszuführen, können sie kurze, flexibel wählbare Aufgaben übernehmen – etwa das Fotografieren von Produkten, das Dokumentieren von Standorten oder das Aufzeichnen alltäglicher Abläufe.
Die Vergütung wird laut DoorDash dabei vorab angezeigt und richtet sich nach Aufwand und Komplexität der jeweiligen Aufgabe. Ziel ist es, den Fahrern mehr Flexibilität und zusätzliche Einkommensquellen zu bieten.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Daten für die physische Welt
Im Kern geht es DoorDash jedoch um mehr als nur ein erweitertes Gig-Angebot. Die gesammelten Daten sollen Unternehmen helfen, reale Bedingungen besser zu verstehen – etwa Produktverfügbarkeiten, Ladenlayouts oder Zugangssituationen.
Diese Informationen sind besonders wertvoll für die Digitalisierung physischer Prozesse. Sie ermöglichen es Unternehmen, operative Abläufe zu optimieren und Echtzeit-Einblicke in ihre Standorte zu gewinnen.
Training für KI und Robotik
Ein zentraler Aspekt der neuen App ist die Nutzung der gesammelten Daten für das Training von KI-Systemen. Dashers können beispielsweise Videos von alltäglichen Tätigkeiten aufnehmen oder Sprachaufnahmen erstellen.
Diese Daten helfen, KI-Modelle und autonome Systeme besser auf reale Umgebungen vorzubereiten. Damit positioniert sich DoorDash zunehmend als Anbieter von Trainingsdaten für künstliche Intelligenz und Robotik.
Skalierung durch bestehendes Netzwerk
DoorDash greift dabei auf ein enormes Netzwerk zurück: Mehr als acht Millionen Fahrer sind in den USA aktiv. Diese Reichweite ermöglicht es dem Unternehmen, Daten schnell und flächendeckend zu erfassen.
Seit 2024 wurden bereits über zwei Millionen solcher Aufgaben durchgeführt – ein Hinweis darauf, dass das Modell bereits vor dem offiziellen Launch getestet wurde.
Breite Einsatzfelder für Unternehmen
Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Restaurants können aktuelle Bilder ihrer Gerichte bereitstellen, Hotels ihre Zugänge dokumentieren und Einzelhändler ihre Regale überprüfen lassen.
Darüber hinaus unterstützt das System auch technologische Anwendungen, etwa bei der Navigation autonomer Fahrzeuge oder der Verbesserung von Lieferlogistik.
Strategische Erweiterung des Plattformmodells
Mit „Tasks“ entwickelt sich DoorDash weiter von einer Lieferplattform zu einer Infrastruktur für reale Daten. Das Unternehmen nutzt seine bestehende Logistik- und Nutzerbasis, um neue Geschäftsfelder zu erschließen.
Kooperationen bestehen bereits mit Unternehmen aus Handel, Versicherungen, Hotellerie und Technologie. Weitere Branchen und internationale Märkte sollen folgen.
Zwischen Gig Economy und KI-Ökonomie
Die neue App zeigt, wie sich die Gig Economy verändert. Fahrer liefern nicht mehr nur physische Güter, sondern zunehmend auch Daten – ein entscheidender Rohstoff für KI-Systeme.
DoorDash verbindet damit zwei Trends: flexible Arbeitsmodelle und die wachsende Nachfrage nach hochwertigen Trainingsdaten. Das Ergebnis ist ein hybrides Plattformmodell, das physische und digitale Wertschöpfung miteinander verknüpft.


