Das Europäische Parlament fordert nur einen Tag der vielbeachteten Rede von Ursula von der Leyen schärfere Vorgaben für soziale Netzwerke, um Kinder und Jugendliche besser vor manipulativen und suchtfördernden Funktionen zu schützen. Mit 395 Stimmen bei 136 Gegenstimmen und 80 Enthaltungen nahm das Parlament einen Bericht über die Auswirkungen sozialer Medien und des digitalen Umfelds auf junge Menschen an.
Die Abgeordneten sprechen sich für eine europaweit abgestimmte Strategie aus, an der Plattformen, Gesetzgeber, Schulen und Familien beteiligt werden sollen. Im Mittelpunkt stehen Alterskontrollen, mehr Transparenz bei Empfehlungssystemen und Einschränkungen bei besonders suchtfördernden Funktionen.
Jugendmodus soll personalisierte Werbung abschalten
Ein zentrales Element des sogenannten „EU Kids Act“ ist ein verpflichtender Jugendmodus für Minderjährige. Dieser soll unter anderem personalisierte Werbung deaktivieren und Schutzmechanismen gegen besonders manipulative oder suchtfördernde Plattformfunktionen stärken.
Auch bei Alterskontrollen verlangen die Abgeordneten Lösungen, die möglichst ohne dauerhafte Speicherung persönlicher Daten auskommen. Die Verantwortung für sichere Produkte soll stärker bei den Plattformbetreibern liegen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Algorithmen und KI geraten stärker in den Fokus
Das Parlament fordert mehr Transparenz darüber, wie Empfehlungssysteme funktionieren und welche Daten für KI-Modelle verwendet werden. Für sogenannte KI-Begleiter sollen verbindliche ethische Standards gelten.
Zudem sollen KI-Systeme keine sexualisierten Bilder oder Videos von Personen ohne deren Zustimmung erzeugen, verändern oder manipulieren dürfen. Damit rücken auch generative KI-Anwendungen stärker in den europäischen Jugendschutz.
Influencer sollen stärker reguliert werden
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Influencern und professionellen Content-Erstellern. Das Parlament fordert einen EU-weiten Verhaltenskodex für Influencer, Agenturen und Plattformen sowie klarere Regeln zur Kennzeichnung von Werbung und Sponsoring.
Bei der geplanten Überarbeitung der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste soll außerdem geprüft werden, ob professionelle Influencer stärker in bestehende Medienregeln einbezogen werden können.
Parlament drängt auf gemeinsame europäische Regeln
Der Bericht schafft noch keine unmittelbar geltenden Verbote, erhöht aber den politischen Druck auf Kommission und Mitgliedstaaten. Das Parlament will insbesondere verhindern, dass Schutzmaßnahmen allein von Eltern und Minderjährigen abhängen.
Plattformen sollen ihre Dienste stärker so gestalten, dass Risiken für junge Nutzer bereits technisch begrenzt werden. Die Forderungen ergänzen damit die laufende europäische Debatte über Altersgrenzen, Plattformdesign und Jugendschutz.





