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Erneute Krisenstimmung: Liquiditätsdruck bei Galeria wächst

Eingang einer GALERIA Filiale in Frankfurt
Foto: Depositphotos

Key takeaways

Galeria steht erneut unter massivem Druck. Sinkende Umsätze, Streit mit Warenkreditversicherern, zurückhaltende Lieferanten und neue Mietverhandlungen verschärfen die Lage. Selbst eine vierte Insolvenz der Warenhauskette wird inzwischen nicht mehr ausgeschlossen.

Lesezeit ca. 4 Minuten

Galeria gerät keine zwei Jahre nach dem jüngsten Neustart erneut in eine kritische Phase. Offenbar belasten sinkende Umsätze, Spannungen mit Warenkreditversicherern und eine zunehmende Zurückhaltung von Lieferanten die Lage der Warenhauskette erheblich. In der Branche ist bereits von einem hohen Liquiditätsabfluss die Rede, der den finanziellen Spielraum des Unternehmens in kurzer Zeit weiter einengen könnte.

Versicherer bremsen das Wintergeschäft

Besonders heikel ist die Entwicklung im Verhältnis zu den Warenkreditversicherern, wie das Finanzmagazin Capital vor dem Wochenende berichtet. Sie sichern Lieferanten gegen Zahlungsausfälle ab und sind damit zentral für die Warenversorgung. Aus dem Umfeld von Herstellern heißt es, dass Bestellungen für die kommende Wintersaison ins Stocken geraten. Offenbar bestehen Zweifel an der finanziellen Stabilität von Galeria, zudem soll es Differenzen über zusätzliche Absicherungen geben.

Mehrere Branchenvertreter berichten offenbar, dass Modeanbieter für den Winter bereits deutlich geringere Ordermengen erhalten haben als in früheren Jahren. Das könnte sich direkt auf Sortimentsbreite und Attraktivität der Häuser auswirken – ausgerechnet in der entscheidenden Phase des Jahresendgeschäfts.

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Operativer Gewinn reicht nicht aus

Zwar hatte Galeria im Geschäftsjahr bis Oktober 2025 nach mehreren Insolvenzen erstmals wieder operativ schwarze Zahlen geschrieben. Seit Dezember sollen Umsatz und Ergebnis aufgrund eines schwachen Weihnachtsgeschäfts jedoch klar hinter den Erwartungen sowie unter dem Vorjahresniveau liegen. In Branchenkreisen wird zudem auf eine mit Kreditversicherern vereinbarte Mindestliquidität von 60 Millionen Euro verwiesen. Ob dieser Wert derzeit noch erreicht wird, bleibt offen.

Die angespannte Finanzlage erhöht den Druck auf das Unternehmen zusätzlich, weil Vertrauen bei Geschäftspartnern im Handelssektor als entscheidender Stabilitätsfaktor gilt. Sobald Versicherer und Lieferanten vorsichtiger werden, verschärft sich die operative Lage meist sehr schnell.

Mieten und Filialen erneut auf dem Prüfstand

Parallel dazu stehen neue Gespräche mit Vermietern an. An acht Standorten laufen Mietverträge aus, darunter jeweils zwei Häuser in Berlin und Köln sowie Filialen in München, Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Galeria will die Belastungen durch Mieten weiter senken und dürfte dabei auf Zugeständnisse angewiesen sein.

Scheitern die Verhandlungen, sind weitere Schließungen nicht ausgeschlossen. Bereits nach der letzten Insolvenz im Jahr 2024 waren zahlreiche Verträge nachverhandelt worden. Vor allem Immobilien aus dem früheren Signa-Umfeld hatten die Warenhauskette stark belastet. Damals wurden neun Filialen aufgegeben, 83 Standorte blieben bestehen. Zudem wurde das Reisegeschäft mit 70 Filialen an den ADAC verkauft.

Eigentümer halten sich bislang zurück

Die heutigen Eigentümer Bernd Beetz und die Investmentgesellschaft NRDC von dem ausgeschiedenen Ex-Saks-CEO Richard Baker hatten bei der Übernahme Investitionen in Aussicht gestellt. Nach Unternehmensangaben flossen bislang jedoch lediglich Beträge im einstelligen Millionenbereich als frisches Eigenkapital. Ergänzend wurde ein Darlehen von Bain Capital organisiert, das nach Brancheninformationen zu vergleichsweise hohen Zinsen laufen soll.

Damit bleibt die Frage offen, wie groß die Bereitschaft der Eigentümer ist, im Ernstfall weiteres Kapital nachzuschießen. Genau davon dürfte abhängen, ob sich die Lage stabilisieren lässt oder die Krise weiter eskaliert.

Unruhe im Management belastet zusätzlich

Neben den finanziellen Problemen kämpft Galeria auch intern mit anhaltender Unruhe. Nach dem Ausscheiden von CEO Olivier van den Bossche im Frühjahr 2025 übernahmen Tilo Hellenbock und Christian Sailer gemeinsam die Führung. Anfang 2026 verließ Sailer das Unternehmen jedoch überraschend wieder. Auch in Bereichen wie Einkauf, Controlling und Personal kam es zuletzt zu mehreren Wechseln.

Für Lieferanten und andere Partner erschwert diese Instabilität die Zusammenarbeit zusätzlich. In Branchenkreisen ist von ständig wechselnden Ansprechpartnern die Rede – ein Umstand, der gerade in einer ohnehin fragilen Situation weiteres Vertrauen kostet.

Positionierung und Digitalisierung als Kernproblem

So gravierend die akuten Liquiditätsprobleme auch sind – sie überdecken ein strukturelles Dilemma, das Galeria seit Jahren begleitet. Die strategische Positionierung bleibt unscharf. Das klassische Warenhausmodell oszilliert zwischen Premium-Anspruch und Preiswettbewerb, ohne in einer der beiden Welten wirklich zu überzeugen. Gegenüber spezialisierten Fachhändlern fehlt häufig die Sortimentskompetenz, gegenüber Discountern die Kostenführerschaft – und gegenüber Onlineplattformen die Bequemlichkeit.

Besonders augenfällig ist das Defizit im Digitalen. Eine stringente Omnichannel-Strategie, die stationären Einkauf, Online-Shop, mobile Services und datenbasierte Kundenansprache integriert, ist bislang kaum erkennbar. Relevante Online-Sortimente, schnelle Lieferoptionen oder personalisierte Angebote bleiben Stückwerk. Während internationale Handelskonzerne massiv in Plattformmodelle, Marktplatzstrukturen und digitale Kundenbindung investieren, wirkt Galeria in vielen Bereichen strukturell unterentwickelt.

Kooperationen mit Lidl, Shop-in-Shop-Konzepte mit Decathlon oder punktuelle Sortimentsmodernisierungen können Impulse setzen. Doch ohne eine klare strategische Leitlinie – wofür das Unternehmen stehen soll, welche Zielgruppen priorisiert werden und wie stationär und digital verzahnt werden – bleiben solche Maßnahmen kosmetisch. Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, ob die Eigentümer kurzfristig weiteres Kapital bereitstellen. Sondern ob es gelingt, das Geschäftsmodell grundlegend zu schärfen.

Vierte Insolvenz nicht mehr ausgeschlossen

Im Markt halten Beobachter aufgrund den sich häufigen Negativschlagzeilen ein erneutes Insolvenzverfahren nicht mehr für ausgeschlossen. Sollte sich der Umsatzrückgang fortsetzen und keine rasche Stabilisierung gelingen, könnte die vorhandene Liquidität nur noch für wenige Monate reichen. Für viele Innenstädte wäre ein weiteres Scheitern von Galeria ein harter Schlag, weil die Warenhäuser den Retail-Immobilienmarkt maßgeblich treiben und vielerorts als Frequenzbringer gelten.

Doch die Funktion als Anker der Innenstadt lässt sich nur aufrechterhalten, wenn Finanzierung, Lieferketten und Führung wieder verlässlich werden. Solange genau daran Zweifel bestehen, bleibt die Zukunft des Konzerns offen.

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