Die Kaufhauskette Galeria kommt nicht aus der Krise. Nach einem schwachen Weihnachtsgeschäft brachen Umsätze und Gewinne ein. Laut internen Zahlen, die dem SPIEGEL vorliegen, sank der Umsatz über den Jahreswechsel um neun Prozent, der Bruttogewinn um elf Prozent. In der ersten Januarwoche betrug das Minus sogar 17 Prozent.
Erst im Oktober 2025 war der Tenor ein anderer: Alle Filialen seien operativ profitabel und das Wachstum käme aus dem Online-Bereich. Galeria hatte die dritte Insolvenz im Juli 2024 beendet und im Zuge der Sanierung neun der unrentablen Filialen geschlossen und zudem das Reisegeschäft mit 70 Filialen an den ADAC verkauft.
Investoren mit großen Versprechen – und wenig Einsatz
Im Frühjahr 2024 übernahmen Bernd Beetz und Richard Baker den angeschlagenen Konzern mit großen Ankündigungen: Sie wollten 100 Millionen Euro investieren, um Galeria langfristig zu sanieren. Doch laut den Recherchen von SPIEGEL blieben konkrete Investitionen weit hinter den Erwartungen zurück. Stattdessen verunsichern ständige Führungswechsel die Belegschaft, zuletzt der überraschende Exit von CFO Sailer, und notwendige Umbauten werden aufgeschoben – obwohl bis zu 50 Millionen Euro nötig wären, um Filialen fit für Handelspartner wie Lidl zu machen.
Besonders kritisch wird die Rolle von Richard Baker, der im Zuge der Saks Global Insolvenz nach nur zwei Wochen als Saks-CEO abtreten musste, gesehen. Der US-Investor ist für sein renditegetriebenes Vorgehen bekannt. Bei früheren Beteiligungen, etwa an Hudson’s Bay Company und Kaufhof, hatte er Immobilien ausgelagert und zu hohen Mieten zurückvermietet – mit verheerenden Folgen für den Handel. Auch bei Galeria könnte dieses Muster greifen, wenngleich die Immobilenwerte hier geringer sind. Beetz hingegen gilt als erfahrener Einzelhändler, dem durchaus ein Sanierungswille nachgesagt wird – doch seine Mittel scheinen begrenzt. Bereits im April 2025 musste Beetz eingestehen, dass mittelfristige Umsatzziele (doch) nicht erreicht werden können.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Strategielosigkeit und Kulturwandel ohne Substanz
Intern kämpft das Unternehmen mit sich selbst. Investitionsentscheidungen wie der Ausbau des Onlinegeschäfts wurden ausgebremst, Ideen wie Rabattschlachten dominierten den Alltag. Die Folge: Die Kundenzahlen bleiben schwach, Technik und Ausstattung vieler Filialen sind marode. Hinzu kommen Managementquerelen, eine hohe Personalfluktuation und Einsparungen beim Personal – bei gleichzeitig steigenden Kosten durch Neueinstellungen. Zahlreiche Experten haben die letzte Insolvenz kritisch betrachtet und ein fehlendes neues Konzept bemängelt.
Ein Kulturwandel sollte mit dem CEO Tilo Hellenbock, der als ehemaliger COO nach der Entlassung von Olivier van den Bossche folgte, kommen, doch konkrete Fortschritte bleiben aus. Statt großer Umbauten setzt man nun auf kleinere Maßnahmen und vereinzelte Kooperationen mit Decathlon und dem LEH-Discounter Lidl. Die Mitarbeiter verzichteten derweil laut SPIEGEL-Informationen auf Weihnachts- und Urlaubsgeld und sehen sich dennoch erneut mit der Angst vor Jobverlust konfrontiert.
Fazit: Galeria vor dem nächsten Absturz?
Galeria steht womöglich – mal wieder – am Scheideweg. Während Investoren laut Informationen der Textilwirtschaft auf Ausschüttungen hoffen, fehlt es dem Unternehmen an Kapital, Strategie und Vision für die Zukunft. Die Hoffnung, dass der letzte verbliebene große Warenhauskonzern in Deutschland wieder auf Kurs kommt, schwindet.


