Der Einzelhandel könnte künftig eine deutlich größere Rolle in der Gesundheitsversorgung spielen. Angesichts wachsender Engpässe im klassischen System zeigen sich lauter einer neuen Deloitte-Studie viele Verbraucher offen für alternative Angebote außerhalb von Arztpraxen und Apotheken.
Unzufriedenheit mit bestehender Versorgung wächst
Ein erheblicher Teil der Bevölkerung sieht die aktuelle medizinische Versorgung kritisch. Insbesondere lange Wartezeiten und schwierige Terminverfügbarkeiten sorgen für Unzufriedenheit. Diese strukturellen Probleme eröffnen neuen Anbietern die Möglichkeit, in den Markt einzutreten.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Einzelhandel als neue Anlaufstelle
Eine Mehrheit der Verbraucher kann sich vorstellen, ausgewählte Gesundheitsleistungen im Einzelhandel in Anspruch zu nehmen. Besonders Drogerien gelten als geeigneter Ort, gefolgt von Einkaufszentren und Supermärkten.
Zu den gefragten Leistungen zählen vor allem einfache diagnostische Angebote wie Seh- oder Hauttests, wie sie unter anderem der Drogerieriese dm anbietet. Auch niedrigschwellige Services wie Blutabnahmen stoßen auf Interesse.
Convenience als zentraler Treiber
Der Reiz solcher Angebote liegt vor allem in ihrer Alltagstauglichkeit. Kürzere Wartezeiten, einfache Terminvereinbarungen und die Integration in bestehende Einkaufswege sind zentrale Argumente für Verbraucher.
Der Einzelhandel bringt hier strukturelle Vorteile mit: hohe Flächenpräsenz, lange Öffnungszeiten und eine ausgeprägte Kundenorientierung.
Qualität als entscheidender Faktor
Trotz grundsätzlicher Offenheit bestehen Vorbehalte. Viele Verbraucher äußern Zweifel an der Qualität medizinischer Leistungen im Einzelhandel. Auch Vertrauen und Hygienestandards spielen eine Rolle, wenn auch eine nachgeordnete.
Für den Erfolg entsprechender Angebote wird daher entscheidend sein, glaubwürdige Qualitätsstandards zu etablieren. Kooperationen mit medizinischen Fachkräften und zertifizierten Anbietern könnten dabei eine zentrale Rolle spielen.
Neue Kundenströme und Zusatzgeschäft
Das Potenzial für den Handel geht über einzelne Dienstleistungen hinaus. Ein erheblicher Teil der Verbraucher wäre bereit, gezielt Geschäfte aufzusuchen, die Gesundheitsservices anbieten.
Zugleich besteht Interesse an ergänzenden Sortimenten wie Nahrungsergänzungsmitteln, Naturheilprodukten oder medizinischen Hilfsmitteln. Dadurch könnten Händler zusätzliche Umsatzpotenziale erschließen und ihre Position im Wettbewerb stärken.
Gesundheitsmarkt im Wandel
Die Entwicklung zeigt, dass sich die Grenzen zwischen klassischer Gesundheitsversorgung und Einzelhandel zunehmend verschieben. Während das traditionelle System an Kapazitätsgrenzen stößt, entstehen neue hybride Modelle.
Für den Einzelhandel eröffnet sich damit die Chance, sich als ergänzender Anbieter im Gesundheitsmarkt zu etablieren – vorausgesetzt, Vertrauen, Qualität und professionelle Standards werden konsequent sichergestellt.


