Der Wettbewerb um die nächste Generation besonders hochpreisiger Smartphones gewinnt an Dynamik. Huawei hat heute in China mit dem Mate XT 2 ein neues dreifach faltbares Spitzenmodell vorgestellt. Das Gerät kombiniert ein vollständig geöffnet 10,2 Zoll großes Display mit dem neuen Kirin 9050 Pro und Preisen, die bereits beim Einstiegsmodell deutlich oberhalb klassischer Premium-Smartphones liegen.
Samsung ist ebenfalls in diesem Segment aktiv und hatte im August das Galaxy Z Fold8 Ultra vorgestellt. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf Apple: Für den 9. September ist das nächste große Herbst-Event unter dem neuen CEO John Ternus angekündigt. Branchenberichte rechnen mit einem faltbaren iPhone, offiziell bestätigt ist ein solches Modell bislang jedoch nicht.
Huawei etabliert eine neue Luxusklasse
Das Mate XT 2 lässt sich zweimal falten und soll dadurch Smartphone und kompaktes Tablet verbinden. Huawei setzt auf eine nach innen faltende Konstruktion, während im geschlossenen Zustand ein separates 6,5-Zoll-Display zur Verfügung steht. Vollständig geöffnet misst das Gerät an seiner dünnsten Stelle 3,5 Millimeter und wiegt rund 299 Gramm.
Die Preise verdeutlichen die Positionierung. In China kostet die Variante mit 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und 256 Gigabyte Speicher 19.999 Yuan. Für 512 Gigabyte werden 21.999 Yuan und für ein Terabyte 23.999 Yuan verlangt. Eine Variante mit Privacy Display kostet 24.999 Yuan, die Collector Edition mit zwei Terabyte erreicht 29.999 Yuan.
Der chinesische Verkaufsstart ist für den 12. September vorgesehen. Eine belastbare Bestätigung für eine internationale Markteinführung liegt bislang nicht vor.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Kirin 9050 Pro unterstreicht Huaweis Eigenständigkeit
Im Mate XT 2 kommt erstmals der Kirin 9050 Pro zum Einsatz. Huawei verbindet den neuen Prozessor mit HarmonyOS 7 und positioniert das Gerät damit auch als mobile Arbeitsplattform mit Multitasking und lokaler KI-Verarbeitung.
Zur weiteren Ausstattung gehören eine 50-Megapixel-Hauptkamera mit variabler Blende, eine 40-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera und eine 50-Megapixel-Periskopkamera mit 3,5-fachem optischem Zoom. Der Akku besitzt 5.600 mAh und kann kabelgebunden mit bis zu 66 Watt sowie drahtlos mit bis zu 50 Watt geladen werden.
Strategisch ist die Eigenentwicklung zentraler Technologien für Huawei besonders relevant. Der Konzern versucht vor dem Hintergrund der US-Technologiebeschränkungen seit Jahren, seine Abhängigkeit von westlichen Lieferketten zu reduzieren.
Foldables verschieben die Preisgrenze nach oben
Mit Huawei und Samsung investieren inzwischen mehrere große Smartphone-Hersteller in Geräte, die über klassische Foldables hinausgehen. Huawei hatte bereits 2024 sein erstes kommerzielles Tri-Fold vorgestellt. Samsung folgte Ende 2025 mit dem Galaxy Z TriFold und einem vollständig geöffneten 10-Zoll-Display.
Für die Hersteller bietet die Kategorie die Chance, in einem weitgehend gesättigten Smartphone-Markt eine zusätzliche Preisstufe zu etablieren. Faltbare Displays liefern einen deutlich sichtbaren Produktunterschied und ermöglichen Verkaufspreise weit oberhalb bisheriger Flaggschiffe.
Huawei besitzt insbesondere in China eine starke Ausgangsposition. Nach im Ausgangstext genannten und Reuters zugeschriebenen Marktdaten entfielen im zweiten Quartal 2026 rund 68 Prozent der chinesischen Foldable-Auslieferungen auf Huawei. Im gesamten chinesischen Smartphone-Markt wird Huawei mit 22,6 Prozent vor Apple mit 18,1 Prozent angegeben.
Apples möglicher Einstieg könnte den Markt verändern
Damit gewinnt das Apple-Event am 9. September besondere Bedeutung. Neue iPhones werden erwartet, während ein faltbares Modell bislang nicht offiziell angekündigt wurde. Medienberichte und Branchenbeobachter rechnen jedoch mit einem Foldable im obersten Preissegment und diskutieren Preise von 2.000 Dollar oder mehr.
Ein Einstieg Apples könnte die wirtschaftliche Wahrnehmung der gesamten Kategorie verändern. Foldables sind trotz ihrer technischen Entwicklung bislang eine Nische, unter anderem wegen hoher Preise, komplexer Mechanik, zusätzlichem Gewicht und Bedenken hinsichtlich der Haltbarkeit.
Sollte Apple tatsächlich ein faltbares iPhone vorstellen, würde der Konzern nicht nur Samsung und Huawei zusätzliche Konkurrenz machen. Der Schritt könnte zugleich dazu beitragen, Foldables als eigenständige Premiumklasse oberhalb herkömmlicher Flaggschiff-Smartphones zu etablieren. Der Wettbewerb würde sich damit zunehmend von technischen Machbarkeitsstudien hin zur Frage verschieben, wie groß der Markt für Smartphones im Preisbereich von mehreren Tausend Euro tatsächlich ist.





