Die Abhängigkeit Europas von US-amerikanischen KI-Anbietern entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Risiko. ifo-Präsident Clemens Fuest warnt vor weitreichenden wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Folgen, sollte Europa den Anschluss im globalen Wettbewerb weiter verlieren.
Technologische Abhängigkeit als Risiko
Auslöser der aktuellen Debatte ist eine Entscheidung der US-Regierung, ausländischen Nutzern den Zugang zu besonders leistungsfähigen KI-Modellen einzuschränken. Der Vorgang verdeutlicht aus Sicht von Fuest die Verwundbarkeit Europas.
Zentrale Bereiche wie Forschung, Industrie und Verteidigung seien zunehmend auf externe KI-Infrastruktur angewiesen. Ein möglicher Ausschluss von diesen Technologien könnte gravierende Auswirkungen auf Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsstärke haben.
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Europa im globalen Vergleich deutlich zurück
Die Zahlen verdeutlichen die Dimension des Problems: Rund 75 Prozent der weltweiten Hochleistungs-Rechenkapazitäten für moderne KI befinden sich in den USA, während China etwa 15 Prozent kontrolliert. Europa liegt mit weniger als fünf Prozent deutlich zurück.
Damit ist Europa vor allem Nutzer statt Entwickler und Eigentümer zentraler Technologien – ein struktureller Nachteil im internationalen Wettbewerb.
Drei zentrale Handlungsfelder für Europa
Um die Abhängigkeit zu reduzieren, sieht Fuest dringenden Handlungsbedarf in mehreren Bereichen. Erstens müsse der Ausbau von Rechenzentren, Chipfabriken und Energieinfrastruktur massiv beschleunigt werden.
Zweitens sei eine sichere und ausreichende Energieversorgung entscheidend, um leistungsfähige KI-Systeme betreiben zu können. Auch unkonventionelle Maßnahmen wie die Reaktivierung stillgelegter Kraftwerke werden in diesem Zusammenhang diskutiert.
Drittens fordert Fuest eine kohärente europäische Strategie zur Förderung eigener KI-Kapazitäten. Dazu gehört auch eine Überprüfung bestehender Regulierungen, die Innovationen bremsen könnten.
KI als Schlüsseltechnologie der Zukunft
Die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz wird laut ifo-Institut mit der industriellen Revolution verglichen – jedoch mit deutlich höherem Tempo. Entsprechend groß ist der Handlungsdruck.
Ohne entschlossene Maßnahmen droht Europa langfristig ins Hintertreffen zu geraten und zentrale Wertschöpfungsketten an andere Regionen zu verlieren.


