JD.com richtet seine KI-Strategie stärker auf Anwendungen in der physischen Welt aus. Auf der JDDiscovery 2026 in Peking zeigte der Konzern, wie künstliche Intelligenz in Logistik, Handel, Gesundheitswesen, Smart Home, Industrie und Robotik eingesetzt werden soll.
Unter dem Leitmotiv „JoyAI: Leaping into the Physical World“ formuliert JD.com das Ziel, eine besonders große operative Plattform für die physische Welt aufzubauen. Anders als bei rein digitalen KI-Anwendungen steht dabei die Verbindung von Modellen mit realen Prozessen, Geräten und Lieferketten im Mittelpunkt.
World Models sollen reale Prozesse steuerbar machen
Eine zentrale Rolle spielt das JoyAI-Modellportfolio, das Sprache, Bild, Video, Echtzeitinteraktion, World Models und Embodied AI umfasst. Neu vorgestellt wurde JoyAI-Echo WM, ein interaktives audiovisuelles World Model.
Das System verbindet generierte Audio- und Videoinhalte mit Nutzersteuerung und soll virtuelle Umgebungen schaffen, die nicht nur betrachtet, sondern aktiv erkundet werden können.
Parallel zeigte JD.com branchenspezifische Modelle und Agentensysteme. Bei JINGDONG Logistics koordiniert Meta Brain 3.0 Entscheidungen über Lager, Transport und Zustellung hinweg. Die Berechnung optimaler Routen für sehr große Paketmengen soll dadurch von Minuten auf Sekunden verkürzt werden.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
KI zieht tiefer in Handel und Gesundheitswesen ein
Auch im Endkundengeschäft weitet JD.com seine KI-Nutzung aus. Mit Version 16.0 der JD.com-App wurde der Shopping-Assistent Dongdong stärker in die gesamte Customer Journey integriert.
Das System soll nicht nur Suchergebnisse liefern, sondern unklare oder umfassende Anliegen in konkrete Bedürfnisse übersetzen und passende Produkte sowie Dienstleistungen aus dem JD.com-Ökosystem ableiten. Dabei können Nutzer auch per Sprache und Video interagieren.
Wer beispielsweise Möbel oder Haushaltsgeräte sucht, kann dem Assistenten einen Raum oder ein konkretes Problem zeigen. Dongdong soll diesen visuellen Kontext nutzen, um praktischere Empfehlungen zu geben.
Im Gesundheitsbereich präsentierte JINGDONG Health zudem einen spezialisierten End-to-End-KI-Agenten, der diagnostische Logik und medizinisches Fachwissen abbilden soll. JoyAI-Med 3.0 bündelt darüber hinaus medizinische Bildgebung, Forschung, Dokumentation und multidisziplinäre Beratung.
Smart Home wird stärker vernetzt
Mit JoyInside will JD.com vernetzten Geräten ein gemeinsames KI-System geben. Statt einzelne Geräte isoliert reagieren zu lassen, sollen sie künftig stärker als koordiniertes Smart-Home-System agieren.
Die Technologie wurde nach Unternehmensangaben bereits über Partnerschaften mit mehr als 200 Marken in Bereichen wie Haushaltsgeräte, Home-Produkte, Spielzeug und Robotik eingeführt.
Damit versucht JD.com, seine KI-Plattform auch außerhalb klassischer Handels- und Logistikprozesse zu etablieren.
Robotik soll vom Prototyp zur industriellen Skalierung kommen
Mit dem neuen Physical AI Acceleration Plan adressiert JD.com die Frage, wie Robotik schneller von Forschung und Prototypen in großflächige Anwendungen überführt werden kann.
JD Cloud plant dafür ein großes Datensammelzentrum für Embodied AI. In den kommenden zwei Jahren sollen dort mehr als zehn Millionen Stunden Videomaterial aus realen menschlichen Aktivitäten zusammengeführt werden.
JINGDONG Property will zusätzlich innerhalb von fünf Jahren mehr als 80 RoboBase-Standorte in China aufbauen. Diese sollen Demonstration, Forschung, Pilotmontage, Datenerfassung, Fertigung, Wartung und Produktiteration an einem Ort bündeln.
JD.com investiert Milliarden in Robotik-Ökosystem
Auch im Handel soll Robotik zu einem eigenständigen Wachstumsfeld werden. JINGDONG Retail plant bis 2028 Ressourcen im Umfang von zehn Milliarden Renminbi bereitzustellen.
Ziel ist es, 100 Robotikmarken dabei zu unterstützen, jeweils eine Milliarde Renminbi eigenständigen Umsatz zu erreichen und insgesamt zehn Millionen Nutzer zu gewinnen.
JINGDONG Industrials baut parallel ein Netzwerk zwischen Roboterherstellern und Komponentenlieferanten auf. JINGDONG Logistics wiederum will Robotik in möglichst vielen operativen Logistikprozessen einsetzen und seine After-Sales-Infrastruktur ausweiten.
Der Konzern betreibt bereits acht Reparaturzentren in China und will in den kommenden fünf Jahren den Aufbau von mehr als 100.000 Arbeitsplätzen für Robotik-Serviceingenieure unterstützen.




