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China: Health-Unit von JD.com verankert KI direkt in klinische Arbeitsabläufe

Arzt mit Smartphone
Foto: JD.com

Key takeaways

➟ Vom Chatbot zum medizinischen Arbeitswerkzeug: JD Health integriert mit Zhiyi KI in klinische Entscheidungen, Recherche und Patientenmanagement. Mehr als 50 Millionen Fachpublikationen und Leitlinien bilden die Wissensbasis des Systems.

Lesezeit ca. 3 Minuten

JD Health, der Health-Tech-Arm von JD.com, treibt den Einsatz künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen weiter voran. Mit Zhiyi hat das Unternehmen einen speziell für medizinische Fachkräfte entwickelten KI-Assistenten aufgebaut, der Ärzte bei klinischen Entscheidungen, Recherche, Patientenmanagement und wissenschaftlicher Arbeit unterstützen soll. Seit dem Start im Januar 2026 wurde die Plattform nach Unternehmensangaben bereits von mehr als einer Million Ärzten genutzt und in über 20 Millionen klinische Entscheidungsprozesse eingebunden.

Zhiyi greift dafür auf mehr als 50 Millionen medizinische Publikationen, Leitlinien und Fachzeitschriften sowie auf Informationen aus über 160.000 Arzneimittelbeschreibungen zurück. Ziel ist nicht nur, relevante Informationen schneller auffindbar zu machen, sondern medizinische Evidenz direkt in konkrete Arbeitsabläufe zu integrieren.

Zhiyi soll medizinische Evidenz schneller nutzbar machen

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf komplexen Fragestellungen, bei denen Ärzte unterschiedliche Quellen und Evidenzstufen zusammenführen müssen. Der sogenannte Deep-Thinking-Modus kann umfangreiche medizinische Fragen zerlegen, Evidenz gewichten und strukturierte Referenzen für die weitere Beurteilung bereitstellen.

Im Bereich Onkologie hat JD Health beispielsweise Leitlinien der China Anti-Cancer Association integriert, die 29 Krebsarten und 72 diagnostische beziehungsweise therapeutische Verfahren abdecken. Dadurch sollen Fachinformationen nicht mehr ausschließlich über umfangreiche Dokumente recherchiert, sondern gezielt über konkrete klinische Fragestellungen erschlossen werden.

Zusätzlich stellt Zhiyi mehr als 200 medizinische Rechner bereit. Sie decken unter anderem Risikobewertung, Medikamentendosierung, Krankheitsklassifikation und kardiovaskuläre Risiken ab und werden durch KI-basierte Interpretationen ergänzt. Ein Forschungsassistent unterstützt außerdem Literaturrecherchen, Patienteninformationen und Präsentationen.

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Multimodale Verarbeitung soll sich an echte Arbeitsabläufe anpassen

JD Health richtet Zhiyi gezielt auf die heterogene Informationslage im Klinikalltag aus. Ärzte können Laborberichte, Rezepte, medizinische Bilder, PDF-Dokumente und Informationen aus früheren Konsultationen einbeziehen, ohne sämtliche Daten manuell strukturieren zu müssen.

Besonders wichtig ist dabei die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse. Eine Funktion zur dynamischen Evidenzlokalisierung soll Ärzten zeigen, auf welche Originalpassagen sich einzelne Aussagen stützen. Damit versucht JD Health, eine zentrale Schwäche generativer KI im medizinischen Umfeld zu adressieren: Eine Antwort soll nicht nur plausibel erscheinen, sondern überprüfbar sein.

Für die Qualitätskontrolle nutzt das Unternehmen eigene Bewertungsrahmen. MedScope prüft unter anderem Evidenzqualität, inhaltliche Genauigkeit, sprachliche Angemessenheit und praktische Nutzbarkeit über 46 klinische Fachgebiete hinweg. Ergänzend bewertet MedSafety 26 Kategorien besonders risikoreicher medizinischer Szenarien, darunter Kontraindikationen und Komplikationswarnungen.

JD Health baut spezialisierte KI-Systeme statt eines Universalassistenten

Zhiyi ist Teil einer größeren KI-Architektur von JD Health. Grundlage ist das eigene medizinische Sprachmodell Jingyi Qianxun, dessen Funktionen für unterschiedliche medizinische Anwendungen genutzt werden, darunter Evidenzsuche, klinische Unterstützung, Nachsorge und Forschung.

Parallel betreibt JD Health mit Dawei einen patientenorientierten KI-Arzt und hat nach eigenen Angaben mehr als 1.500 KI-Agenten entwickelt, die sich an spezialisierten Ärzten orientieren. Hinzu kommen Lösungen für Krankenhäuser und bestimmte Krankheitsbilder.

Die Strategie unterscheidet sich damit von einem einzigen universellen Assistenten. JD Health verteilt die zugrunde liegenden KI-Fähigkeiten auf spezialisierte Werkzeuge, die auf unterschiedliche Nutzergruppen und medizinische Situationen zugeschnitten sind.

Partnerschaft mit PICA Health bringt Zhiyi in die Primärversorgung

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbreitung außerhalb großer Kliniken. Im August 2026 schloss JD Health eine strategische Partnerschaft mit PICA Health, einer großen chinesischen Plattform für Ärzte in der Primärversorgung.

Zhiyi wurde in die PICA-Health-App integriert und soll dort registrierten Ärzten kostenlos Funktionen wie Deep Thinking, medizinische Rechner und Forschungsunterstützung zur Verfügung stellen. Die Plattform verbindet nach Unternehmensangaben rund drei Millionen Ärzte in der medizinischen Grundversorgung.

Dadurch könnte evidenzbasierte Unterstützung auch in kleineren Städten und ländlichen Regionen leichter verfügbar werden. Ergänzt wird dieser Ansatz durch die Lieferketteninfrastruktur von JD Health, die mehr als eine Million chinesische Dörfer erreicht. In 87,1 Prozent der abgedeckten Regionen auf Kreisebene sollen Medikamente noch am selben oder am folgenden Tag zugestellt werden können.

KI soll Ärzte unterstützen statt medizinische Verantwortung übernehmen

JD Health positioniert Zhiyi ausdrücklich nicht als Ersatz für medizinische Fachkräfte. Erfahrung, klinisches Urteil und Verantwortung sollen beim Arzt bleiben, während die KI Recherche, Informationsaufbereitung und wiederkehrende Arbeitsschritte beschleunigt.

Damit zeichnet sich ein zunehmend praxisorientierter Ansatz für medizinische KI ab. Entscheidend ist nicht nur die Leistungsfähigkeit des zugrunde liegenden Sprachmodells, sondern die Verbindung mit geprüfter Evidenz, Sicherheitsmechanismen, nachvollziehbaren Quellen und realen klinischen Arbeitsabläufen.

Für JD Health liegt der strategische Vorteil darin, KI mit medizinischer Plattform, Fachwissen und logistischer Infrastruktur zu verknüpfen. Zhiyi zeigt damit, wie sich generative KI vom allgemeinen Chatbot zu einem spezialisierten Werkzeug entwickeln kann, das direkt in den Berufsalltag von Ärzten eingebettet wird.

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