Trotz großer Erwartungen an künstliche Intelligenz bleibt deren Einsatz in der Konsumgüter- und Handelsbranche vielfach hinter den Möglichkeiten zurück. Eine Studie der Boston Consulting Group in Zusammenarbeit mit dem The Consumer Goods Forum zeigt: Viele Unternehmen haben zwar klare strategische Prioritäten für KI definiert, schaffen es jedoch bislang nicht, diese konsequent in die Praxis zu überführen.
Hohe Erwartungen, geringe Skalierung
Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität ist deutlich. In der Konsumgüterindustrie sehen fast die Hälfte der befragten Führungskräfte den Bereich „Idee bis Markteinführung“ als wichtigsten Hebel für KI. Dennoch haben nur rund 11 Prozent entsprechende Anwendungen in diesem Bereich skaliert.
Im Handel zeigt sich ein ähnliches Bild: Zwar betrachten 46 Prozent der Unternehmen die Sortiments- und Angebotsgestaltung als zentralen Einsatzbereich für KI, doch lediglich etwa ein Drittel hat entsprechende Lösungen umfassend implementiert. Damit bleibt das Potenzial in den wichtigsten wachstumsrelevanten Prozessen bislang weitgehend ungenutzt.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Branche bewegt sich im Zwei-Geschwindigkeiten-Modell
Die Studie zeichnet das Bild einer Branche, die sich mit unterschiedlichem Tempo entwickelt. Rund 75 Prozent der Konsumgüterunternehmen befinden sich noch in einer Pilot- oder Experimentierphase. Nur 18 Prozent haben KI bereits in größerem Umfang skaliert.
Im Einzelhandel zeigt sich ein zweigeteiltes Bild: Während 45 Prozent der Unternehmen Fortschritte bei der Skalierung erzielen, haben etwa 40 Prozent kaum mit der Umsetzung begonnen.
Ein weiteres zentrales Problem: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen misst den Return on Investment (ROI) ihrer KI-Initiativen nicht systematisch. Dadurch fehlt häufig die Grundlage, um Projekte gezielt weiterzuentwickeln oder Prioritäten klar zu setzen.
Hürden liegen in der Umsetzung
Als wichtigste Barriere für die Skalierung nennen viele Unternehmen, dass sich die wirtschaftlichen Effekte aus Pilotprojekten nicht auf den breiten Einsatz übertragen lassen. Was im kleinen Rahmen funktioniert, scheitert oft an organisatorischen, technologischen oder datenbezogenen Herausforderungen.
Hinzu kommt, dass KI-Projekte häufig nicht eng genug mit den zentralen Geschäftsprozessen verknüpft sind. Stattdessen werden sie isoliert als Technologieinitiativen behandelt, ohne direkten Bezug zu Umsatz- oder Wachstumszielen.
Erfolgreiche Unternehmen setzen auf Fokus und Disziplin
Die Studie zeigt jedoch auch, wie führende Unternehmen diese Hürden überwinden. Erfolgreiche Akteure konzentrieren sich gezielt auf wenige, klar definierte Anwendungsbereiche mit direktem Einfluss auf das Wachstum – etwa Preisgestaltung, Sortimentsoptimierung oder Kundenansprache.
Gleichzeitig zeichnen sie sich durch eine konsequente Umsetzung aus: Sie richten ihre Organisation auf diese Prioritäten aus, investieren gezielt in Daten- und Technologieinfrastrukturen und messen die Ergebnisse systematisch.
Das Potenzial ist erheblich: Durch eine umfassende Nutzung von KI entlang der Nachfrageprozesse könnten Konsumgüterunternehmen ihren operativen Gewinn um mehrere Prozentpunkte steigern. Im Handel sind ähnliche Effekte möglich.
KI wird zum zentralen Wettbewerbsfaktor
Die kommenden Jahre dürften entscheidend sein. Während erste Unternehmen bereits messbare Wettbewerbsvorteile erzielen, riskieren andere, den Anschluss zu verlieren.
Für Führungskräfte bedeutet das: KI ist kein Experiment mehr, sondern ein zentraler Hebel für Wachstum und Profitabilität. Wer es schafft, Technologie, Daten und Organisation konsequent aufeinander abzustimmen, kann sich langfristig im Wettbewerb differenzieren.


