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Widerstand gegen Tegut-Übernahme – Verbände fordern Stopp durch Kartellamt

Eingang einer tegut Filiale
Foto: Ben Pakalski / tegut

Key takeaways

Die geplante Tegut-Übernahme durch Edeka und Rewe stößt auf Kritik. Verbände warnen vor wachsender Marktmacht, Nachteilen für Lieferanten und weniger Vielfalt im Handel und fordern ein Eingreifen des Bundeskartellamts.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die geplante Übernahme großer Teile der Tegut-Gruppe durch Edeka sowie weiterer Standorte durch Rewe stößt auf wachsenden Widerstand. In einer gemeinsamen Stellungnahme an das Bundeskartellamt fordern das Forum Fairer Handel, Oxfam Deutschland und Rebalance Now, die Übernahmen zu untersagen. Nach Ansicht der Organisationen würde der Wegfall von Tegut als eigenständigem Marktteilnehmer den Wettbewerb im deutschen Lebensmitteleinzelhandel weiter schwächen und sowohl Lieferanten als auch Verbraucher benachteiligen.

Eine Entscheidung der Bonner Wettbewerbsbehörde, die bereits die Übernahme einiger Tegut-Filialen von Tante Enso zugestimmt hat, wird zwischen August und September erwartet. Das Verfahren befindet sich bereits in einer vertieften Prüfung, bei der neben den Auswirkungen auf den Endkundenmarkt insbesondere die Folgen für die Beschaffungsmärkte untersucht werden.

Bio-Sortiment und regionale Lieferketten im Fokus

Besonders kritisch bewerten die Verbände die Rolle von Tegut als bedeutender Vertriebspartner für Bio-Produkte und regionale Erzeugnisse. Das Unternehmen gilt seit Jahrzehnten als wichtiger Absatzkanal für zahlreiche kleine und mittelständische Produzenten, deren Produkte häufig nicht oder nur eingeschränkt in den Sortimenten der großen Wettbewerber vertreten sind.

Nach Einschätzung der Organisationen würde eine Integration der Filialen in die Vertriebsnetze von Edeka und Rewe die Vielfalt im Bio-Segment verringern. Gleichzeitig befürchten sie sinkende Absatzchancen für regionale Hersteller sowie eine geringere Auswahl für Verbraucher.

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Sorge vor weiter wachsender Marktmacht

Im Mittelpunkt der Kritik steht jedoch die zunehmende Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel, die auch die Gewerkschaft ver.di kritisiert hatte. Nach Angaben der Verbände kontrollieren Edeka, Rewe, Aldi sowie die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland bereits heute rund 88 Prozent des deutschen Lebensmittelmarktes. Durch die Übernahme weiterer Tegut-Standorte würden insbesondere Edeka und Rewe ihre Marktstellung sowohl im Verkauf als auch beim Einkauf weiter ausbauen.

Die Organisationen argumentieren, dass Lieferanten bereits heute in erheblichem Maße von den großen Handelskonzernen abhängig seien. Wer deutschlandweit im Lebensmitteleinzelhandel vertreten sein wolle, komme an den vier Handelsgruppen kaum vorbei. Diese starke Verhandlungsmacht führe nach ihrer Einschätzung zu wachsendem Preisdruck und erschwere faire Vertragsbedingungen entlang der Lieferkette.

Als aktuelles Beispiel verweisen die Verbände auf den spanischen Obst- und Gemüselieferanten Catman Fresh. Das Unternehmen hatte seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten unter anderem mit seiner starken Abhängigkeit von Edeka und den dortigen Einkaufsbedingungen begründet.

Tegut-Aus als Signal für strukturelle Probleme

Für die Unterzeichner der Stellungnahme zeigt der Rückzug der Schweizer Migros aus Deutschland zugleich ein grundsätzliches Marktproblem. Dass sich mit Tegut selbst ein etablierter Händler langfristig nicht gegen die dominierenden Handelsgruppen behaupten konnte, werfe die Frage auf, ob der Markteintritt beziehungsweise das langfristige Bestehen weiterer Wettbewerber überhaupt noch realistisch sei.

Die Verbände sehen darin faktische Marktzugangshürden, die den Wettbewerb zusätzlich einschränken. Aus ihrer Sicht sollte das Bundeskartellamt deshalb nicht nur die konkrete Fusion bewerten, sondern den gesamten Markt einer grundlegenden wettbewerbsrechtlichen Analyse unterziehen.

Forderung nach schärferer Kartellaufsicht

In ihrer Stellungnahme regen Forum Fairer Handel, Oxfam Deutschland und Rebalance Now an, eine kollektive Marktbeherrschung der vier führenden Handelsgruppen festzustellen. Dies würde eine deutlich intensivere kartellrechtliche Kontrolle ermöglichen.

Darüber hinaus sprechen sich die Organisationen für eine umfassende Sektoruntersuchung des deutschen Lebensmitteleinzelhandels aus. Dabei sollten nach ihrer Auffassung insbesondere die zunehmende vertikale Integration der Handelskonzerne sowie Beteiligungen und strategische Partnerschaften genauer untersucht werden.

Ob das Bundeskartellamt dieser Argumentation folgt, bleibt offen. Behördenpräsident Andreas Mundt hatte zuletzt jedoch bereits betont, dass die Auswirkungen der Tegut-Übernahmen auf Wettbewerb, Verbraucher und Lieferanten besonders sorgfältig geprüft würden. Damit zählt das Verfahren zu den bedeutendsten Fusionskontrollen im deutschen Lebensmittelhandel der vergangenen Jahre.

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