Gefälschte Markenkommunikation entwickelt sich für Unternehmen zunehmend zum Reputations- und Kommunikationsrisiko. Nach einer Kaspersky-Studie entfallen in Deutschland 23 Prozent der untersuchten Fälle von Messaging-Betrug auf Markenimitation. Damit liegt diese Betrugsform hinter vorgetäuschten Lieferungen oder Paketen mit 34 Prozent sowie Investitions- und Finanzbetrug mit 30 Prozent.
Besonders problematisch sind die Folgen für digitale Kundenkanäle. Über alle untersuchten Märkte hinweg erklärten 99 Prozent der Betroffenen, nach einem Betrugsfall eingehenden Nachrichten über Messaging-Dienste nicht mehr zu vertrauen. Unternehmen riskieren dadurch, dass auch legitime Service-, Sicherheits- oder Transaktionsinformationen skeptischer betrachtet werden.
KI erleichtert glaubwürdige Markenimitation
Künstliche Intelligenz kann Betrügern helfen, Sprache, Tonalität und Erscheinungsbild von Unternehmen überzeugender nachzuahmen. In Deutschland vermuten 52 Prozent der Betroffenen, dass bei ihrem Betrugsfall KI zur Erstellung der Nachricht eingesetzt wurde. 54 Prozent gehen davon aus, dass synthetische Stimmen oder Deepfake-Bilder beteiligt waren.
Die Angaben spiegeln allerdings die Einschätzung der Befragten wider und keinen technischen Nachweis des tatsächlichen KI-Einsatzes. Die Studie zeigt dennoch, wie stark Verbraucher inzwischen mit KI-gestützten Betrugsmethoden rechnen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
WhatsApp und SMS sind wichtige Angriffskanäle
Messaging-Betrug verteilt sich auf mehrere Kommunikationsplattformen. In Deutschland begannen laut Studie 43 Prozent der untersuchten Fälle auf WhatsApp, 41 Prozent über SMS oder iMessage und 24 Prozent auf Facebook. Insgesamt erstrecken sich 63 Prozent der Betrugsfälle über mehrere Plattformen.
Damit geraten gerade jene Kanäle unter Druck, die Unternehmen zunehmend für direkte Kundenkontakte einsetzen. Werden Markenidentitäten dort regelmäßig missbraucht, kann die Unterscheidung zwischen authentischen und manipulierten Nachrichten schwieriger werden.
Wiederholter Betrug verstärkt das Misstrauen
Für einen erheblichen Teil der Betroffenen handelt es sich nicht um ein einmaliges Ereignis. 29 Prozent der Befragten in Deutschland berichten, bereits mindestens dreimal Opfer entsprechender Betrugsfälle geworden zu sein. Der jüngste Vorfall lag im Durchschnitt weniger als sechs Monate zurück.
Auch die emotionalen Auswirkungen können länger anhalten. Unmittelbar nach einem Vorfall waren 56 Prozent der deutschen Betroffenen bestürzt und 49 Prozent wütend. Rund sechs Monate später berichteten noch 43 Prozent von Wut und 38 Prozent von Bestürzung.
Unternehmen müssen Kommunikationswege absichern
Kaspersky empfiehlt Unternehmen unter anderem, Kunden und Beschäftigte regelmäßig über aktuelle Betrugsformen zu informieren. Ebenso sollen klare Regeln dafür definiert werden, welche Informationen oder Handlungen über Messaging-Kanäle niemals verlangt werden und welche verifizierten Wege für sensible Vorgänge vorgesehen sind.
Zusätzlich können Unternehmen soziale Netzwerke, Online-Marktplätze und weitere digitale Umgebungen auf Markenmissbrauch überwachen. Neben der technischen Erkennung gewinnt damit eine konsistente Kundenkommunikation an Bedeutung, damit authentische Nachrichten eindeutig von betrügerischen Kontaktversuchen unterscheidbar bleiben.
Aussagekraft der Studie richtig einordnen
Die Ergebnisse verdeutlichen insbesondere die möglichen Folgen von Messaging-Betrug für das Vertrauen in digitale Markenkommunikation. Dabei beruhen einzelne Angaben zum vermuteten KI- oder Deepfake-Einsatz auf Einschätzungen der Betroffenen und sollten entsprechend interpretiert werden.
Für Unternehmen entsteht dennoch ein relevantes Problem: Erfolgreiche Markenimitation kann nicht nur einzelne Kunden schädigen, sondern auch die Glaubwürdigkeit legitimer Kommunikationskanäle beeinträchtigen. Mit zunehmend überzeugenden digitalen Fälschungen wird Markenschutz damit stärker zu einer Aufgabe an der Schnittstelle von Cybersicherheit und Kundenbeziehung.






